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Aktive Bürger, AfD und FDP liegen über den Erwartungen

Zwischen Frust und Freude

veröffentlicht am 12.09.2016 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 12.09.2016 um 19:56 Uhr

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Autor:

Maike Lina schaper

Die Aktiven Bürger in Salzhemmendorf hatten in der Wahlnacht reichlich Grund zum Jubeln – für den Gemeinderat holen sie 15,20 Prozent der Stimmen und können damit ihre vier Sitze halten. Damit scheinen die Aktiven Bürger, die 2011 erstmals in den Gemeinderat einzogen, in der Riege der Etablierten angekommen zu sein.

Frust herrschte hingegen bei den Freien Wählern. Sie waren stets eine feste Größe im Gemeinderat, doch mit dem politischen Ausscheiden des letzten FWS-Ratsherrn – dem Lauensteiner Eckhard Renziehausen-Philipps – scheiden sie auch aus dem Gemeinderat. Ihre Stimmenanteile verlor die FWS vermutlich an den Lauensteiner FDP-Kandidaten Hartmut Höhne, der sowohl in den Orts- als auch den Gemeinderat einzieht. Trotzdem ist der FWS-Kandidat Harald Bock aus Thüste, der immerhin ein Ortsratsmandat gewonnen hat, optimistisch: „Man muss nicht unbedingt im Rat sein, um sich politisch zu engagieren.“

Relativ zufrieden, aber nicht unbedingt jubelnd, gibt sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Knust. Bei der vorangegangenen Kommunalwahl 2011 brachen die Stimmenanteile der Christdemokraten um mehr als zehn Prozentpunkte weg. Übrig blieben sechs Sitze im Gemeinderat, die die CDU in dieser Wahl immerhin halten kann. Etwas schlechter sieht es hingegen bei der SPD aus, die Sozialdemokraten verlieren einen Sitz. Der bisherige Mehrheitsgruppenpartner – die Grünen – bekommt einen Sitz dazu.

Besonders freuen können sich die Sozialdemokraten, dass sie im Ortsrat Osterwald ihre starke Dominanz prozentual sogar noch ausbauen können (auf 71,59 Prozent), obwohl es auch noch der grüne Mitbewerber Lukas Vogt zu SPD und CDU in das Gremium schafft. Dafür verlieren die Sozialdemokraten im Ortsrat Benstorf ohne die Kandidatur des Ortsbürgermeisters Rudolph Heuer die Stimmenführung an die Aktiven Bürger: Die SPD erreicht 36,77 Prozent, die Aktiven 40,58 Prozent. Über 40 Prozent der Stimmen holen die Aktiven Bürger auch im Ortsrat Oldendorf.

In dem Ergebnis der Kommunalwahl sieht sich auch BWG-Chef Udo Stenger in seiner oppositionellen Arbeit bestätigt: „Wir haben auf Gemeindeebene ein Drittel mehr Stimmen geholt, als beim letzten Mal und auch 100 Stimmen mehr im Ortsrat.“

Wie sich die Mehrheitsverhältnisse im Salzhemmendorfer Gemeinderat zukünftig entwickeln, lassen SPD und CDU derzeit noch offen. Aus den Reihen der Grünen ist dagegen eine Tendenz erkennbar: „In der Zeit mit der SPD mussten wir uns nicht als Juniorpartner fühlen. Es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und wir haben mehr grüne Positionen umsetzen können“, sagen Karsten Appold und Dietmar Müller.

Überrascht hat in Salzhemmendorf neben der Stimmstärke für die Aktiven Bürger auch die hohe Zahl an Stimmen, die auf der Kreistagsliste an die AfD vergeben worden sind. 9,73 Prozent erreicht die Alternative für Deutschland mit den Kandidaten Holger und Elke Bister aus dem benachbarten Coppenbrügge. In ihrer Heimat holten die Biesters nicht nur ähnliche 10,46 Prozent für den Kreistag, sie zogen auch aus dem Stand mit zwei Sitzen in den Gemeinderat ein. Für Klaus-Dieter Dohme, der mit der Unabhängigen Wählergemeinschaft ebenfalls wieder im Rat vertreten ist, sind die „neuen“ kein Grund Feindseligkeiten an den Tag zu legen. „Ich halte es für wichtig, ihnen unvoreingenommen gegenüber zu treten, und man sollte ihnen Anfangsfehler verzeihen“, so Dohme, der darüber hinaus die FDP – die nun wieder mit zwei statt nur einem Sitz im Rat vertreten ist – auffordern möchte, nicht nur mit der CDU Gespräche zu führen. FDP-Ratsmandatsgewinner Manfred Sohns möchte sich zwar noch nicht auf einen möglichen Gruppenpartner festlegen, er bewertet die Zusammenarbeit seiner Partei mit der CDU in den vergangenen Jahren allerdings als „gut und fruchtbar“. Das positiv gesonnene Verhältnis merkt man auch den Worten des CDU-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Kellner an. Denn, dass die Christdemokraten einen Sitz im Gemeinderat verloren haben, sieht dieser nicht als Einbuße an – „schließlich ist der Sitz an den Partner FDP gegangen“.

Doch einen Wermutstropfen muss die CDU womöglich hinnehmen: Bisher sind die Ortsräte eher von den Christdemokraten dominiert, in Coppenbrügge verschiebt sich allerdings das Verhältnis durch die Ortsratsverkleinerung und den Einzug der Grünen Lidia Ludwig. SPD, Grüne und UWG haben so zusammen rechnerisch eine Stimme mehr als die CDU. Auch in Bisperode sieht Karl-Heinz Brandt für die SPD eine Verhandlungschance, den Bürgermeister zu stellen.



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