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Salzhemmendorf verpflichtet vor allem junge Leute für die Wahl

Nicht alle helfen freiwillig

veröffentlicht am 05.09.2016 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Es werde „selbstbewusster Nein gesagt“, wenn der Termin nicht passt, berichtet Susanne Jürgens, die die Wahlen in Emmerthal organisiert. 160 Helfer benötigt sie am 11. September in den Wahllokalen. Die meisten schöpft sie aus dem Pool derjenigen, die schon bei früheren Wahlen mitgemacht haben. Zudem sind 18 Mitarbeiter der Gemeinde zur Auszählung der Briefwahl und für die Schnellmeldungen an den Kreiswahlleiter im Einsatz. Jürgens setzt auf Freiwilligkeit, notfalls auf die Überzeugungskraft am Telefon. Ihre Salzhemmendorfer Kollegen gehen rigoroser vor: „In Einzelfällen musste auf die gesetzliche Verpflichtung zum Wahlehrenamt hingewiesen werden“, berichtet Bürgermeister Clemens Pommerening.

Um die 135 Wahlhelfer zusammenzubekommen, berücksichtigte Salzhemmendorf zunächst die Vorschläge der Parteien und Wählergruppen sowie die freiwilligen Meldungen. Lücken wurden dann „aus dem Kreis der Wahlberechtigten“ gefüllt. „Bei dieser Wahl haben wir verstärkt darauf geachtet, junge Personen zu berufen“, sagt der Gemeindechef. So sitze nun eine Mischung von 16- bis Ende-60-Jährigen an den Tischen in den Wahllokalen. Dort prüfen sie die Identität der Wähler, händigen ihnen die Stimmzettel aus, beantworten Fragen zum Verfahren, achten darauf, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Am Abend wird gemeinsam ausgezählt und das Ergebnis gemeldet. Salzhemmendorf hatte auch mit einem Zeitungsaufruf um Wahlhelfer geworben. Doch nur zwei Bürger klopften daraufhin im Rathaus an. Auch die Stadt Hameln kam auf diese Weise nicht weiter. Sie benötigt 400 Wahlhelfer in den Abstimmungsräumen, 60 Menschen zur Auszählung der Briefwahl, 16 Schnellmelder und bis zu 20 für die Wahlleitung. Ein Drittel des Bedarfs wird mit eigenen Beschäftigten gedeckt. „Zwangsverpflichtungen gibt es zurzeit nicht“, betont ein Stadtsprecher. Hameln stütze sich „auf bewährte Wahlhelfer der letzten Jahre, mitunter auch Jahrzehnte“. Auch Jüngere hätten sich für diese Aufgabe gemeldet.

In Coppenbrügge mussten zahlreiche neue Wahlhelfer gefunden werden, weil sich viele der bisherigen als Kandidaten aufstellen lassen haben, berichtet Jens Uwe Schaper von der Gemeindewahlleitung. Er hat beobachtet: „Die Überzeugungsarbeit wird schwieriger.“ Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu betätigen, habe insgesamt nachgelassen. Coppenbrüge braucht 120 Wahlhelfer; die Gemeinde setzt acht eigene Leute in den Wahllokalen ein, zudem 15 für die Aufgaben im Rathaus.

Jeweils 217 Wahlhelfer haben Bad Pyrmont und Bad Münder gesucht und gefunden. Der Aufruf brachte am Deister immerhin rund ein Dutzend Neuzugänge. Pyrmont wandte sich an die Parteien und schrieb frühere Helfer an, sendet aber auch 70 eigene Angestellte in die Wahllokale, in Bad Münder sind es 45 Mitarbeiter. Von den 294 Wahlhelfern in Hessisch Oldendorf sind gut die Hälfte Beschäftigte der Stadtverwaltung. „Es wird immer schwieriger, Wahlhelfer zu finden“, sagt Wolfgang Linde aus dem Vorbereitungsteam, „insbesondere in den größeren Stadtteilen wie Hessisch Oldendorf und Fischbeck. In den Dörfern klappt es nach wie vor gut.“ Aerzen und Bodenwerder haben gute Erfahrungen mit den Listen gemacht, auf denen sich Wähler nach der Stimmabgabe eintragen können, um beim nächsten Mal als Helfer dabei zu sein. Laut Andreas Wittrock, Erster Gemeinderat in Aerzen, sind in seinem Bereich die Wahlhelfer „sehr gerne bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen“. Mancher langjährige Helfer sei sogar enttäuscht, wenn er einmal unberücksichtigt bleibt. Auch in Aerzen ist der Jüngste im 190-köpfigen Team erst 16 Jahre alt, der Älteste 72.

Über das Interesse insbesondere junger Wähler freut sich auch Erich Müller bei der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle. Die Organisatoren dort benötigen an diesem Sonntag 156 Helfer – und die gleiche Zahl noch einmal zwei Wochen später, falls das Rennen um den Posten des Samtgemeindebürgermeisters erst per Stichwahl entschieden wird.

Die Wahlhelfer

Für die Kommunalwahl am 11. September werden in Niedersachsen etwa 75 000 Helfer benötigt. Voraussetzung für das Ehrenamt sind ein Alter von mindestens 16 Jahren, die Staatsbürgerschaft eines Staates der Europäischen Union, der Hauptwohnsitz in der jeweiligen Gemeinde seit mindestens drei Monaten sowie die Wählbarkeit. Wahlvorstände bekommen für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung von mindestens 25 Euro, die anderen Helfer jeweils 16 Euro. Grundsätzlich sind Bürger zur Annahme der entsprechenden Berufung verpflichtet. Allerdings werden stichhaltige persönliche oder berufliche Gründe für eine Ablehnung akzeptiert. Auch aus Gesundheitsgründen können die Kandidaten ablehnen. dpa



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