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Blick nach Hannover — „Weg vom Zonenrandgebiet“

Grüne stört das „negative Selbstbild“ der politischen Akteure im „Ostkreis“

COPPENBRÜGGE. Im Kulturzentrum am Mühlenkamp hatten sich ein Dutzend Teilnehmer zum Vortrag der Grünen „Zukunft des ländlichen Raumes — Zukunft Coppenbrügges“ eingefunden. Themen wie der demografische Wandel, Schullandschaft, Tourismus, Kultur, Umgehungsstraße und vor allem das Reizthema Kindergärten standen auf der Agenda.

veröffentlicht am 17.08.2016 um 17:42 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf

Die Publikumsresonanz ist überschaubar. Kurz nach 19 Uhr hat sich gerade mal ein gutes Dutzend Teilnehmer im Coppenbrügger Kulturzentrum am Mühlenkamp eingefunden. „Zukunft des ländlichen Raumes – Zukunft Coppenbrügges“, so steht es auf der Einladung der Grünen. Unter den Gästen ist auch die CDU-Ortsbürgermeisterin des Fleckens, Katrin Dröge, und der auf der SPD-Liste kandidierende parteilose Diplom-Ingenieur Rainer Olze. „Aus Neugier“, verrät Dröge.

Zu erwarten ist ein inhaltlicher Rundumschlag: demografischer Wandel, Schullandschaft, Tourismus, Kultur, Umgehungsstraße und vor allem das Reizthema Kindergärten. Deren Finanzierung treibt den hoch verschuldeten Flecken an den Rand des Ruins. Was also ist mit der lange versprochenen Hilfe aus Hannover? Der grüne Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janßen kommt von der Küste, ist Experte für Raumordnung, Naturschutz und Fischerei und legt erst einmal in aller Ausführlichkeit die Folgen des demografischen Wandels und die Palette der Fördertöpfe dar. Efre, Eler, Leader, Esf oder Pfeil, sie sind so komplex wie unübersichtlich. Dabei interessiert die Coppenbrügger doch viel mehr, wann das Geld für die Kitas aus Hannover fließt. Janssens ernüchternde Mitteilung: „Nicht mehr in dieser Legislaturperiode.“ Sagt’s und verweist die sichtlich enttäuschte Zuhörerschaft auf das Problem der Verteilung der Mittel zwischen Ober-, Mittel- und Unterzentren nach dem Motto „Solange hier kein Schlüssel gefunden und die Verteilung nicht geregelt ist, behalten wir beim Land das Geld.“ Und die Ratsresolutionen, die im Anrollen sind? „Kenne ich nicht“, so Janssen, der sich im Übrigen zwar mit der Problematik des ländlichen Raumes im allgemeinen gut auskennt, die konkrete Situation vor Ort aber kaum einschätzen kann. Da kann dann auch die grüne Kreistagsabgeordnete Britta Kellermann ihre Enttäuschung nicht verbergen und ist froh, dass Ludwig Krückeberg, Coppenbrügger Bildhauer und auf Listenplatz 4 positioniert, die Probleme der Flecken Coppenbrügge und Salzhemmendorf pointierter auf den Punkt bringen kann. Er plädiert vor allem für einen Blickwechsel in Richtung der Region Hannover.

„Wir liegen aus Sicht des Landkreises am östlichen Rand. Falsch, wir liegen in der Mitte und haben eine Brückenfunktion“, stellt der Mann der leisen Töne ruhig fest und kritisiert „das negative Selbstbild der politischen Akteure im Ostkreis“. „Dieser Ostkreis – schon der Name stößt ab – ist das Zonenrandgebiet des Landkreises“, klagt er. Das müsse in ein „Land des Wohlfühlens und Glücks“ verwandelt werden. Wodurch? Krückeberg will die Gut- und Besserverdiener aus der Region Hannover an den Ith locken. So seine „politische Vision“.

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  • Hier das Kandidaten-Trio mit Landtagsabgeordnetem: Ludwig Krückeberg, Wilhelm Koops, Lidia Ludwig und Hans-Joachim Janßen. Foto: eaw

Die trifft bei den mittlerweile gut 20 Gästen durchaus auf Sympathie, wäre da nicht eine völlig unzureichende verkehrstechnische Anbindung an die Landeshauptstadt. Ein Pendler, der schon jahrelang einen diesbezüglichen Kampf gegen die Landes-Nahverkehrsgesellschaft führt, stellt ebenso erregt wie bildhaft die abenteuerliche Pendelei von Coppenbrügge über den Osterwald nach Völksen zur S-Bahn dar.

„Mit der Nordwest-Bahn nach Hameln? Nur Verspätungen und Ausfälle, katastrophal“, moniert er. „Hätte ich nicht Gleitzeit, wäre ich meinen Job durch Abmahnungen schon lange los.“

„Keine Bus-, keine Bahnverbindung, keine Anbindung an die Region Hannover“, bedauert auch Britta Kellermann. Für sie steht außer Frage, dass nach der Fusion der Verkehrsgesellschaften im Landkreis das Thema ÖPNV neu aufgeschlagen wird.

Die Nachteile der Randlage des östlichen Landkreises, ob nun bei der digitalen Infrastruktur oder der Entwicklung des ländlichen Raumes, allgemein abzumildern, ist Ziel des grünen Kandidaten-Trios: der Landschaftsplanerin Lidia Ludwig („Gleichstellung ist mein Hauptthema“), des stellvertretenden KGS-Schulleiters Wilhelm Koops („Wir dürfen langfristig eine Fusion der beiden Flecken nicht ausschließen“) und auch von Ludwig Krückeberg.



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