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Politikverdrossen? Von wegen!

Diese fünf jungen Leute kandidieren für den Stadtrat

veröffentlicht am 26.08.2016 um 16:59 Uhr

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Autor:

Birte Hansen, Diana Koschorreck, Andreas Timphaus und Christian Vogelbein

Woher nehmt ihr die Motivation, euch in der Lokalpolitik zu engagieren? Und was sind für euch die wichtigsten Themen in der Weserstadt?

Gizem Bas (*31. Dezember 1996), Grüne: Ausbildung zur Ergotherapeutin; Stadtratskandidatin im Wahlbereich 4, Listenplatz 1.

Politisch interessiert ist Gizem Bas seit Jahren. „2012 fing alles an – da habe ich an einem Wettbewerb von Sekisui teilgenommen. Dabei ging es um Klima- und Umweltschutz; wir sollten schreiben, was es dazu in unserer Stadt gibt.“ Sekisui ist ein Chemieunternehmen mit Ursprung in Japan. Tatsächlich konnte sie auch schon nach Kyoto reisen. Oft sind es die großen Themen, die jemanden zur Politik bringen – auch bei Gizem Bas waren es Umwelt- und Klimaschutz. Mit Kommunalpolitik (in Hameln) kam sie in ihrem Politik-Leistungskurs am Vikilu in Berührung. Zu ihrer Partei ist sie über den Integrationsbeauftragten Dr. Feyzullah Gökdemir gekommen. „Bildung, Umweltschutz, Frauenrechte“ seien Themen, die sie von den Grünen richtig behandelt sieht. „Wir legen großen Wert darauf, dass viele Frauen aktiv sind und sich engagieren. Ich freue mich, dass mir auch Ältere den Vorrang gelassen haben“, sagt die 19-Jährige über ihre Parteikollegen. Für Hamelns Zukunft ist ihr wichtig, dass mehr jüngere Leute in die Politik gehen („wir sind doch die Zukunft“), Umweltschutz („Müll in der Hamel“), und dass „Inklusion und Integration“ gelebt werden. Dass es jetzt „zig Sprachlernklassen gibt“, erfreue sie. Sie selbst hat türkische Wurzeln, doch schon ihre Großeltern sind in Deutschland aufgewachsen. „Man sollte sich integrieren und die Heimat nicht vergessen“, hat sie als Rat für andere Hamelner mit Migrationshintergrund. Auch „Kita-Gebühren“ sind ihr ein Anliegen. „Die sind echt ziemlich teuer“, sagt sie.

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  • Johanna Thiemer (CDU)
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  • Gizem Bas (Grüne)
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  • Timon Wellhausen (Piraten)
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  • Tim Bödecker (CDU)
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Timon Wellhausen (*8. Januar 1996), Piraten: Ausbildung zum Veranstaltungstechniker; Stadtratskandidat im Wahlbereich 1, Listenplatz 1; Kreistagskandidat im Wahlbereich 3.

Politisch ist Timon Wellhausen ein echter Neuling. Seit einem Jahr ist er Mitglied der Piratenpartei, Freunde hatten ihn darauf gebracht, sich auch parteipolitisch zu engagieren. Denn bisher blieb es beim Besuch von Demonstrationen und Kundgebungen zu Themen. Timon Wellhausen hat gerade eine Lehre zum Veranstaltungstechniker begonnen. Kultur und Musik ist es auch, die er politisch bewegen möchte. „In Hameln ist da noch viel zu machen.“ Er möchte junge Musiker unterstützen und ihnen in Hameln mehr Gelegenheiten bieten, auch aufzutreten. „Kultur ist mein Hauptthema, das betrifft mich sowohl beruflich als auch privat – und jetzt eben politisch, falls ich gewählt werde.“ Warum er sich jetzt politisch einbringen will, sei deshalb schnell beantwortet. „Ich will für meine Sache einstehen“, sagt der 20-Jährige.

Tim Bödecker (*29. Januar 1997), CDU: Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann; Stadtratskandidat im Wahlbereich 4, Listenplatz 5; Ortsrat Hilligsfeld und Kreistagskandidat im Wahlbereich 5.

Mit Politik ist Tim Bödecker nach eigener Aussage aufgewachsen. Seinen Einstieg in jungen Jahren begründet er zum Teil damit: „Das ist halb und halb. Halb Interesse – wobei das eigentlich überwiegt. Und zur anderen Hälfte, weil ich damit aufgewachsen bin.“ Sein Großvater, Walter Bödecker, der Ortsbürgermeister von Hilligsfeld war und ebenfalls in der CDU ist, feierte in diesem Jahr seinen Abschied von der Politik und „ich wollte in seine Fußstapfen treten“, sagt der 19-Jährige. Politisch wecken besonders zwei Themen sein Interesse: Die Bäder und das Radwegenetz im Landkreis. Beides ziehe junge Menschen an und solle unbedingt erhalten beziehungsweise ausgebaut werden. Tim Bödecker meint, man könne nicht auf der einen Seite mehr Medaillen bei den Olympischen Spielen fordern und im nächsten Atemzug den Vereinen die Infrastruktur nehmen, was der Fall wäre, würde zum Beispiel das Südbad geschlossen. Dabei begrenzt er sein Interesse nicht auf das Schwimmen. Er hält den Vereinssport allgemein für wichtig und unterstützenswert – unter anderem auch wieder unter dem Aspekt der Attraktivität für junge Leute. Denn gerade diese Themen, die die Jugend im Landkreis betreffen, sind es, für die Tim Bödecker sich auch einsetzen möchte.

Can Bolat (* 16. Mai 1997), SPD: Ab Oktober Student der Rechtswissenschaften in Frankfurt; Stadtratskandidat im Wahlbereich 5, Listenplatz 4.

Seit drei Jahren ist Can Bolat Mitglied in der SPD. 2013 trat er den Sozialdemokraten im Vorfeld der Landtagswahlen bei, weil er ein Gegner von Studiengebühren ist. „Sie sind eine Bildungshürde“, meint der Hamelner, der türkische Wurzeln hat. Als Arbeiterkind fühlte er sich mit den Roten verbunden. „Bei der SPD finde ich die meisten Überschneidungen mit meinen politischen Überzeugungen“, sagt der 19-Jährige und nennt das Streben für einen EU-Beitritt der Türkei als weiteres Beispiel. Bereits im Alter von 13 hatte Can Bolat einen Mitgliedsantrag gestellt, damals war er aber noch zu jung für einen Beitritt. Besonders am Herzen liegt ihm die Jugendarbeit. „Ich will mich für politische Teilhabe von jungen Menschen einsetzen. Außerdem muss es unabhängig von der Herkunft möglich sein, gute Bildung zu erhalten“, sagt Can Bolat, der sich für mehr Gesamtschulen („Schüler lernen voneinander“) einsetzen möchte. Auch sollten aus seiner Sicht mehr Unterhaltungsmöglichkeiten für junge Menschen wie Clubs und Kneipen, aber auch Freizeit- und Sporteinrichtungen geschaffen werden, sagt Can Bolat.

Johanna Thiemer (*1. Februar 1998), CDU: Ab Oktober Studentin der Rechtswissenschaften in Hannover; Stadtratskandidatin im Wahlbereich 3, Listenplatz 2; Ortsrat Sünteltal.

Johanna Thiemer ist überzeugt, dass junge Menschen gute Ideen haben. Das Problem sei, dass viele glauben, dass sich nichts bewirken könnten. Sie will sich dieser Politikverdrossenheit widersetzen. „Ich will nicht nur reden, sondern auch handeln. Ich glaube, dass ich etwas schaffen kann“, sagt die 18-Jährige, die sich bei der CDU gut aufgehoben fühlt. „Regional ist das die beste Wahl“, sagt sie und hebt das christliche Menschenbild der Partei hervor. Oberstes Thema ist für Johanna Thiemer die Bildung. „Ich will meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke einbringen, zum Beispiel beim geplanten Bildungscampus.“ Auch das Leben am Weserufer und die Schaffung von Angeboten für junge Menschen in der Innenstadt hat sie im Blick. Durch ihre Kontakte in der Jugendarbeit hofft sie, sich mit Menschen „aus meiner Altersklasse“ zusammensetzen zu können, um bürgernah Ideen zu entwickeln. „Für die Jugend ist Platz in der Politik“, sagt Thiemer.



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