weather-image
13°
Sechs ganz unterschiedliche Kandidaten erklären, was sie in die Politik brachte

Die Menschen auf dem Stimmzettel

veröffentlicht am 06.09.2016 um 18:58 Uhr

270_0900_12557_hm_Karin_Matuschke_Wal_0709.jpg

Karin Matuschke, Wählergemeinschaft „Frischer Wind“, 54, alleinerziehend, eine Tochter, Diplom-Finanzwirtin, Wahlbereich 4, Listenplatz 1.

„Nicht nur reden und schimpfen“, ist Karin Matuschkes Begründung dafür, warum sie sich zur Wahl aufstellen ließ. Politisch interessiert und engagiert sei sie jedoch schon immer gewesen. Engagiert war sie als Elternvertreterin am Albert-Einstein-Gymnasium, im Schulvorstand und ist sie noch immer beim VfL Hameln, wo sie die Leichtathletikabteilung wieder aufgebaut hat. Dazu gebracht, dass sie sich aufstellen lässt, hat sie letztlich Tobias Matter vom Frischen Wind – ihr Arbeitskollege beim Finanzamt. Zwar wäre grundsätzlich auch eine Partei als politische Heimat infrage gekommen, doch da habe sie „den Eindruck, dass die großen Parteien nicht mehr so innovativ sind“ und durch die Linien auf Bundesebene „standardisierte Vorgehen“ haben. Am Frischen Wind dagegen schätzt sie das Basisdemokratische. Und deren Themen – allen voran die Bürgerbegehren zum Rathaus-Neubau und dem Haus der Wirtschaft – liegen ihr am Herzen. Außerdem bereite ihr Sorgen, dass „Hameln auf Tourismus baut“, dabei müsse auch mehr für junge Familien getan werden. bha

Cengiz Altin, SPD, 50, getrennt lebend, vier Kinder, Journalist, Wahlbereich 6, Listenplatz 6.

270_0900_12558_hmFriedrich_Wilhelm_Kropp_Wal_0709.jpg
  • Friedrich-Wilhelm Kropp (FDP)
270_0900_12560_hm_Ralf_Weissenborn_Wal_0709.jpg
  • Ralf Weißenborn (Grüne)
270_0900_12559_hm_Cengiz_Altin_Wal_0709.jpg
  • Cengiz Altin (SPD)
270_0900_12561_hm_Birgit_Albrecht_Wal_0709.jpg
  • Birgit Albrecht (CDU)
270_0900_12556_hm501_cv_0309.jpg
  • Gerd Siepmann (Linke)
270_0900_12558_hmFriedrich_Wilhelm_Kropp_Wal_0709.jpg
270_0900_12560_hm_Ralf_Weissenborn_Wal_0709.jpg
270_0900_12559_hm_Cengiz_Altin_Wal_0709.jpg
270_0900_12561_hm_Birgit_Albrecht_Wal_0709.jpg
270_0900_12556_hm501_cv_0309.jpg

Im Alter von 15 Jahren kam Cengiz Altin 1981 aus der Schwarzmeermetropole Samsun nach Hameln, hier fühlt er sich auch nach mehr als drei Jahrzehnten noch wohl. Der gelernte Maschinenbauer schreibt für die türkische Zeitung „Zaman“ über Niedersachsen und das Weserbergland. Wie viele andere Zeitungen steht auch „Zaman“ aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung im Kreuzfeuer der türkischen Regierung.

Auf Listenplatz 6 zählt er auf die persönlichen Stimmen, damit das erste Mal in der Hamelner Geschichte ein Ratsherr mit Migrationshintergrund in den Stadtrat einzieht. Bei den letzten Wahlen wurde er so zumindest Ersatzratsmitglied.

Seit zehn Jahren hat er das SPD-Parteibuch, schließlich müsse „man sich engagieren und etwas für die Stadt tun“. Am Herzen liegt ihm, dass alle Hamelner in guter Nachbarschaft miteinander leben können: Gerade die Flüchtlingspolitik sei ein Problem, für die Bevölkerung sei es nicht immer leicht, dass auf einmal so viele Menschen nach Hameln gekommen seien. Zu den Geflüchteten müsse man ein gutes Verhältnis aufbauen – aber auch auf die Einheimischen zugehen und ihnen die Berührungsängste nehmen. Er erwartet, dass in Zukunft wieder mehr Menschen hierher flüchten werden, vor allem die politische Situation in der Türkei macht ihm dabei Sorgen. mz

Gerd Siepmann, 53, nicht verheiratet, eine Tochter, Kulturschaffender aus Hameln. Wahlbereich 4, Listenplatz 1.

In den 1980er Jahren war es die Friedensbewegung, heute will Gerd Siepmann für die Linke in den Stadtrat. Dabei ist er in Hameln schon jetzt so etwas wie ein „bunter Hund“. Denn wer sich nur ein bisschen für Musik und Kultur interessiert, hatte mit dem gebürtigen Duisburger schon zu tun. Als Gesicht vor und hinter der Theke vom „K3“ und als Konzertveranstalter in Hameln bekannt, ist die Kultur in der Rattenfängerstadt auch Thema Nummer eins in seiner Politik. Erst spät habe er sich dazu entschieden, überhaupt zu kandidieren.

Doch nun wolle er etwas bewegen. „Bei Entscheidungen in Hameln geht es immer um sehr viel Geld, aber meistens über den Köpfen der Bürger“, sagt der Neu-Linke. Ich möchte in Zukunft mehr Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungen einbringen und den sozial schwachen eine Stimme geben – nicht nur in Kulturfragen. Aber da eben auch. „Die soziale Ungerechtigkeit sorgt auch dafür, dass bestimmte Menschen von Kultur ausgeschlossen werden“, kritisiert er.

Und das will er nun auch politisch ändern, denn durch seine Arbeit im Kulturzentrum weiß er schon ganz genau, wie es praktisch gehen kann. Für die Kommunalwahl am 11. September wird er als parteiloser Kandidat antreten. Den Entschluss, ein Teil der Linken zu werden, hat er aber schon längst gefasst. cv

Birgit Albrecht, CDU, 55, verheiratet, eine Tochter, eine Enkelin, Rektorin. Wahlbereich 4, Listenplatz 2.

Bekannt ist Birgit Albrecht schon lange – als Leiterin der Grundschule Rohrsen, als Mitinitiatorin des Vereins S.A.M., als treibende Kraft für das Kuckucksnest und das Förderprogramm „Soziale Stadt“. Zudem leitet sie Chöre, ist in der Kirche aktiv – und hat sich nun auch noch für die Kommunalwahl aufstellen lassen. „Ich habe gedacht, man darf sich nicht immer ärgern, wenn etwas nicht funktioniert, sondern muss selbst aktiv werden“, begründet Albrecht ihren Eintritt in die Politik. Sie habe so viele Kontakte zu den Menschen und würde gerne ihre Erfahrungen zum Beispiel mit Migrantenkindern und -familien einbringen.

Außerdem: Schule. Sie kritisiert: „Im Schulausschuss sitzt keiner, der mit Schule zu tun hat.“ Oft, wenn sie als Gast bei den Sitzungen anwesend war, wurde sie im Ausschuss um ihre Meinung gebeten und hat zu Themen Stellung genommen. Da kann sie dann auch gleich direkt mitmischen, ohne, dass erst ein Antrag gestellt werden muss, ob sie als Zuhörer reden darf.

Dass ihre Wahl auf die CDU als politische Heimat fiel – und nicht, wie bei Lehrern eher üblich, die SPD – ist auch CDU-Bürgermeisterin Sylke Keil geschuldet. Keil selbst tritt nicht wieder an und habe sie davon überzeugt, sich aufstellen zu lassen, erzählt Albrecht. Das „Christliche“ sei ihr wichtig, und ihre Themen Familie, Integration, Schule („das Bildungshaus im Klütviertel ist toll!“) sieht sie bei der CDU gut aufgehoben.

Ob sie alles, was sie sich vorgenommen hat, zeitlich schafft? Ja, auch wenn’s eng wird. bha

Friedrich-Wilhelm Kropp sen., FDP, 78, verheiratet, zwei Söhne, Rentner, Wahlbereich 5, Listenplatz 8, Ortsrat Tündern, Listenplatz 3.

Schon seit über 50 Jahren ist Friedrich-Wilhelm Kropp senior politisch engagiert. Dabei ist er nicht einmal der älteste Anwärter auf einen Platz im Rat – Kunibert Wennemann (ebenfalls FDP) hat sogar noch längere Erfahrung. Friedrich-Wilhelm Kropp begann seine politische Karriere, neben der Arbeit in seinem landwirtschaftlichen Betrieb, im Ortsrat Tündern. Nachdem er seinen Hof an einen seiner Söhne abgegeben hatte, fand er mehr Zeit für politische Themen. „Ich habe gedacht, jetzt habe ich Zeit und auch Lust, mehr für die Gemeinde zu tun“, sagt Kropp. Daraufhin hatte er auch seit 2001, zehn Jahre lang einen Sitz im Kreistag inne. Bei der letzten Wahl schied er aus und möchte es jetzt wieder versuchen.

Politisch ist ihm ganz besonders der „Tündernsee“ wichtig. Dass die Kiesteiche um Tündern nach deren Ausbeutung zu einer großen Wasserfläche zusammengefügt werden und den Tündernsee entstehen lassen, darauf arbeitet der Rentner nun schon sehr lange hin. Geplant ist, bis 2030 ein großes Naherholungsgebiet zu schaffen, das vor allem dem Wassersport dienen soll. Darüber hinaus will Kropp sich für den Hafen und den Ausbau des Weserradweges einsetzen. Zu den Freien Demokraten zog es Kropp, weil die FDP in Tündern, so erzählt er, sozusagen in seinem Elternhaus gegründet worden sei. Er sei damit aufgewachsen – und schließlich eben auch in die Politik eingestiegen.dk

Ralf Weißenborn, Die Grünen, 50 verheiratet, Einzelhandelskaufmann, Wahlbereich 2, Listenplatz 2.

Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, kennen ihn wahrscheinlich: Der gelernte Einzelhandelskaufmann Ralf Weißenborn ist von Anfang an dabei und fest überzeugt: „Wir schaffen das natürlich.“ Es ist vor allem die Flüchtlingspolitik, die Weissenborn auf die kommunale politische Bühne treibt. Mitmischen möchte er zudem beim Thema Hameln als fahrradfreundliche Stadt. Einiges habe sich zwar schon bewegt, „aber da ist noch Luft nach oben“.

In erster Linie möchte Weißenborn den Zweiflern aber zeigen, dass es Wege für eine erfolgreiche Integration der Geflüchteten gibt. Bei den Grünen fühlt er sich mit diesem Vorhaben gut aufgehoben, weil sie die Partei seien, mit der man bei diesem Thema am meisten erreichen könne. Dass er in der Lage ist, mit der Faust auf den Tisch zu hauen, wenn er es für notwendig hält, zeigt Weißenborn übrigens auch in seiner Funktion als Patientenfürsprecher im Sana-Klinikum. Ob er das in der Politik ebenfalls tun wird? „Darauf können Sie wetten“, verspricht er.doro



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare