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Die Satire-Partei will in Emmerthal Interesse an der Politik wecken

Atomkraftwerk als Weltkulturerbe?

EMMERTHAL.Sie wollen das AKW Grohnde als Unesco-Weltkulturerbe und fordern ein Fahrverbot für Lipper: Dahinter verbergen sich die Emmerthaler Kandidaten der Satire-Bewegung „Die Partei“. Wie sie durch absurde Wahlversprechen das Interesse an Politik wecken wollen, erklären Christopher und Anne-Christin Maaß.

veröffentlicht am 12.07.2016 um 14:19 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Der Spaß mit der Satire-Bewegung „Die Partei“ ist ihnen ernst. Christopher und Anne-Christin Maaß können sich regelrecht reinsteigern in die bewusst absurden Forderungen, mit denen die Kandidaten auf Kreis- und Gemeindeebene antreten. Sie wollen ein Fahrverbot für die Lipper und setzen sich dafür ein, dass der Ohrberg abgetragen wird – um dort einen Flughafen zu errichten. Und das Grohnder Atomkraftwerk, das sie von ihrem Heimatort Frenke im Blick haben und nach dem Ausstieg aus der Kernenergie eigentlich in wenigen Jahren zurückgebaut werden soll? Bloß nicht, meint „Die Partei“. Es solle zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt werden. „Die Baukunst erinnert schließlich an die Weserrenaissance“, heißt es im Wahlprogramm. Wollen die Mitglieder der Partei, die mit dem früheren Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, Martin Sonneborn, sogar im Europarlament vertreten sind, die Politik ad absurdum führen? Ganz im Gegenteil, beteuern die beiden Emmerthaler Kandidaten. Die überspitzten Forderungen seien Mittel zum Zweck. „Wir erreichen Leute, die sonst wenig Interesse an Politik haben“, sagt Anne-Christin Maaß. Ihr Ehemann ergänzt, dass sie diese Reaktionen in den vergangenen Wochen häufiger erlebt hätten. „Die Leute fangen an, über Politik nachzudenken“, weiß Christopher Maaß aus Gesprächen.

Was für ihre Ernsthaftigkeit spricht: Beide verfügen über Berufserfahrungen in Kommunalverwaltungen und mehr oder weniger Berührungspunkte mit der Politik vor Ort. Bevor der 29-Jährige sich völlig neu beruflich als Bestatter umorientierte, arbeitete er in der Kreisverwaltung. Dabei war er mit an der Schnittstelle zwischen Behörde und Kreispolitik. Nun will Maaß selbst in den Kreistag. Wer den Mädchennamen von der Kandidatin für den Gemeinderat hört, dem kommt in Erinnerung: Anne-Christin Habenicht – sie übernahm 2005 das Amt der Emmerthaler Jugendbürgermeisterin, das sie 18 Monate ausübte, bis sie im Rathaus nach der Ausbildung als Fachinformatikerin fest angestellt wurde. Eine wertvolle Zeit sei das gewesen, sagt die inzwischen 30-Jährige über die damalige Zeit im Jugendparlament. „Für jede Kommune eine Bereicherung“, meint sie. Mit Einfluss sogar. Die Nachwuchspolitiker hätten damals sogar verhindern können, dass die Eintrittspreise für Kinder und Jugendliche im Hallenbad erhöht worden seien, sagt Anne-Christin Maaß, die ebenfalls den Beruf gewechselt hat und nun Heilerziehungspflegerin ist.

Am 11. September setzen die Kandidaten der „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ – so der offizielle Name der 2004 gegründeten parodistischen Bewegung – auf die Wähler, die nicht zur Urne gehen. Und auf Protestwähler, die sonst für die AfD stimmen würden. Deren Einzug in die kommunalen Gremien wollen sie bewusst verhindern. „Ich kann verstehen, dass es vielleicht Politikverdrossenheit gibt – aber die AfD spielt bewusst mit Ängsten“, begründet Anne-Christin die Ablehnung. Und ihr Ehemann ergänzt: „Für Protestwähler sind wir die bessere Alternative.“

Wenn es abseits der überspitzten Forderungen ihres Programms um konkrete Punkte geht, geben sich die Kandidaten weniger detailliert. Einfach mal Themen anders hinterfragen, mit „einem frischeren Blick“, meint Christopher Maaß. Und dann fällt Anne-Christin Maaß doch noch eine aktuelle Debatte ein – die Diskussion um die Windkraft. Das Aus des AKW sei gut, aber irgendwoher müsse der Strom kommen. Dass es nun Widerstand gegen Windräder gebe, sei „Meckern auf hohem Niveau“, sagt sie. „Das ist doch viel eher Satire.“



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