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Nach der Wahl: CDU und SPD auf der Suche nach Bündnispartnern

Alles läuft auf eine Große Koalition hinaus

veröffentlicht am 12.09.2016 um 18:26 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

CDU und SPD liegen mit 13 Sitzen gleichauf, die Grüne sind mit fünf Abgeordneten vertreten, die FDP mit drei, Linke und AfD mit jeweils zwei Mandaten. Je einen Vertreter entsenden das Unabhängige/Freien-Bürgerbündnis (UFB), die Unabhängigen, die Wählergemeinschaft „Frischer Wind“, und die Piraten. Klare Verhältnisse sehen anders aus. Eins steht aber fest: Mit der AfD wird es keine Zusammenarbeit geben. Darauf haben sich alle Parteien bereits festgelegt.

Thomas Meyer-Hermann war mit dem Wahlausgang zufrieden. „Wir sind stärkste Partei und haben eine gute Mischung aus Jungen und Erfahrenen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Wie es nun weitergehe, werde sich in den Sondierungsgesprächen zeigen. Theoretisch wäre eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP möglich. Auch ein Zusammenschluss zu einem bunten Bündnis ist denkbar. Meyer-Hermann meinte dazu jedoch, dass man sich keine Mehrheit „zusammenbasteln“ wolle.

Die SPD musste Verluste hinnehmen und kam auf 31,10 Prozent. Mit diesem Resultat hatte Ingo Reddeck bereits gerechnet. „Wir haben einen Generationswechsel vollzogen. Da ist so etwas normal“, sagte der SPD-Vorsitzende. Aus seiner Sicht sei entscheidend, dass es ohne die SPD keine Mehrheit im neuen Rat geben werde. Ein Jamaika-Bündnis hält Reddeck nur theoretisch für möglich.

Es läuft also alles auf eine Große Koalition hinaus. Das sei durchaus eine Option, meinten Meyer-Hermann und Reddeck unisono. Der SPD-Vorsitzende fügte jedoch hinzu, dass sich die Christdemokraten auf seine Partei zubewegen müssten. Für ihn sei es durchaus auch vorstellbar, je nach Thema mit wechselnden Mehrheiten zu arbeiten.

Klaus-Peter Wennemann freute es besonders, dass die Liberalen in den Heimatorten der FDP-Ratsherren Herbert Habenicht (Tündern) und Hans Wilhelm Güsgen (Klein Berkel), jeweils über 16 Prozent kamen. Zu möglichen Bündnissen meinte der FDP-Vorsitzende, dass seine Partei in den politischen Ansichten zu weit von der Linken entfernt und dass eine Zusammenarbeit mit den Grünen schwieriger geworden sei.

Vor der Wahl hatte man sich zwölf Prozent als Ziel gesetzt – an dieser Marke schrammten die Grünen mit 11,68 Prozent knapp vorbei. Der Vorsitzende Sven Kornfeld wollte nicht von einem schlechten Ergebnis sprechen, ärgerte sich aber etwas über das Abschneiden in Rohrsen und Afferde. „Da sind wir gesunken, das war etwas überraschend.“ Kornfeld stellte fest, dass eine Jamaika-Koalition, die für eine Mehrheit auf die Stimme von Oberbürgermeister Claudio Griese angewiesen wäre, „eher weniger“ infrage komme.

Für die Linke, die sich auf zwei Sitze steigern konnte, sei die Wahl „ganz gut gelaufen“, merkte der Fraktionsvorsitzende Peter Kurbjuweit an. Er wird im Rat künftig von Gerd Siepmann unterstützt.

Auch für die Kandidaten war es ein spannender Abend. Rohrsens Ortsvorsteher Jobst Brüggemann erreichte mit 1128 Stimmen wie vor fünf Jahren das beste Resultat für die Christdemokraten. Den zweiten Platz belegte CDU-Urgestein Gerhard Paschwitz (655). Bei der SPD konnte hingegen Bettina Schultze, Ortsbürgermeisterin im Sünteltal, mit 1132 Stimmen das beste Einzelergebnis für sich verbuchen, gefolgt von ihrer Tünderaner Amtskollegin Elke Meyer (887). Wolfgang Meier erzielte mit 288 Stimmen bei den Grünen das beste Einzelergebnis, vor Julia Maulhardt (221). Bei der FDP schafften Hans Wilhelm Güsgen (389) und Herbert Habenicht (381) erneut den Einzug in den Rat. Auch für Rüdiger Zemlin reichte es diesmal für ein Direktmandat (360). Stolz durfte auch CDU-Kandidat Jan-Christian Koss sein, der den Sprung in den Rat zwar verpasste, aber mit 497 Stimmen ein starkes Ergebnis holte.

Für eine Kandidatin endete der Wahlabend hingegen mit einem bitteren Abschied. Ursula Wehrmann, seit 1992 Ratsmitglied und seit einem Jahrzehnt Bürgermeisterin, verpasste mit 323 Stimmen den Einzug ins Gremium. Die langjährige Frontfrau der Grünen, die kurz vor der Wahl nach internen Querelen zur CDU gewechselt war, hatte sich ihren Abgang anders vorgestellt: „Ich bin enttäuscht über mein Ergebnis und möchte mich bei den Bürgern bedanken, die mich unterstützt haben“, sagte die 72-Jährige. Viele hätten wohl ihren Wechsel nicht verstanden – vor allem, weil sie jahrelang das Gesicht der Grünen gewesen sei, vermutete sie.

Es sei eine knappe Entscheidung gewesen. „Mir haben 20 Stimmen gefehlt, dann hätte die Liste gezogen“, bedauerte Wehrmann. Erfreut zeigte sie sich indes über das Abschneiden von Johanna Thiemer (18), die sich als jüngste Kandidatin aller Parteien mit 305 Stimmen ein Direktmandat sicherte. Wehrmann kündigte an, dass sie künftig ihre Erfahrung bei der CDU einbringen wolle – so es denn gewollt sei.



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