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Die FDP-Fraktionschefs Heinrich Fockenbrock und Hans Wilhelm Güsgen über ihre Pläne für einen Ratssaal

„Wir wollen eine seriöse Nutzung für das Hochzeitshaus“

Hameln. Die FDP möchte im leer stehenden Hochzeitshaus einen repräsentativen Ratssaal schaffen, der vom Stadtrat und Kreistag für Sitzungen genutzt werden kann. Außerdem sollen hier besondere Feier- oder Ehrungsveranstaltungen stattfinden, die einen würdigen Rahmen benötigen. Am Redaktionstisch der Dewezet erläutern die beiden Fraktionsvorsitzenden Heinrich Fockenbrock (Kreis) und Hans Wilhelm Güsgen (Stadt) ihre Vorstellungen.

veröffentlicht am 26.01.2012 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:11 Uhr

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Autor:

Christa Kochund Frank Werner
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Die HMT will das Hochzeitshaus jetzt vermieten – als Laufsteg für ökologisch korrekte Modenschauen. Was sagen Sie dazu?

Fockenbrock: Das ist symptomatisch für die Nutzung und Vermarktung dieses Hauses und nicht vereinbar mit seinem Charakter. Und es zeigt, wie schwierig es ist, dort überhaupt etwas Dauerhaftes zu etablieren. Es sind alles nur Teillösungen, die nicht überzeugen.

Was schwebt der FDP denn an überzeugenden Lösungen vor?

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Güsgen: Wir stellen uns eine Nutzung vor, die man auf Dauer machen kann und die finanzierbar ist. Wir wollen etwas, was für die Historie und das Gebäude mit seiner Lage inmitten der Stadt angemessen ist. Auch eine Art von Gastronomie ist denkbar, aber eine seriöse. Aber es geht uns ausdrücklich nicht nur um einen Ratssaal, auch um einen repräsentativen Veranstaltungsraum. Wenn zum Beispiel Herr Werner das Bundesverdienstkreuz erhält und viele Gäste kommen, wäre es der richtige Ort dafür.

Danke, aber realistischer wäre ein Comeback der Erlebniswelt Renaissance. Ernsthaft: Herr Wanger sagt, dass ein weiterer Veranstaltungssaal nicht so ohne Weiteres zu vermarkten ist.

Güsgen: Oft sind die anderen Säle ja schon ausgebucht. Ich kann zum Beispiel ins WBZ gehen, riesengroß das Ding. Herr Wanger geht vielleicht von anderen Veranstaltungen aus als wir, wir meinen nicht den Bundesverband der Schützen oder so. Und auch als Rat müssen wir uns würdig treffen können. Wir turnen ja herum wie ein Zirkus, mal gehen wir ins WBZ, mal ins Schiller-Gymnasium – wir haben schon überall getagt.

Sitzungen des Kreistags in der Handelslehranstalt verbreiten Turnhallencharme...

Fockenbrock: Ja. Aber ich muss ein bisschen korrigieren. Die Betonung liegt nicht auf Veranstaltung, sondern auf Ratssaal. Und darauf, diesen Ratssaal zu nutzen für repräsentative Zwecke. Nicht für Veranstaltungen, die im Konflikt mit der HMT stünden, wir wollen nicht in Konkurrenz treten. Aber es gibt eine Reihe von repräsentativen Anlässen, vom Bundesverdienstkreuz über Empfänge für ausländische Gäste bis zur Verleihung des Literaturpreises. Alles das, was Bürgerschaft abdeckt. Es geht darum, die Bürgergesellschaft zu stärken, auch durch gemeinsame Zusammenkünfte.

Und der Kreistag?

Fockenbrock: Wir wollen die Politik mehr in den Mittelpunkt rücken, damit sie einen Ort hat, von dem aus der Bürger sie besser erreichen kann. Wenn wir unsere jeweiligen Sitzungen abhalten, haben die Geschäfte in der Innenstadt ja noch geöffnet. Wir glauben, dass das Hochzeitshaus mehr Möglichkeiten bietet, bei der Politik mal reinzuschauen.

Wie stellen Sie sich das konkret vor, Gastronomie und Ratssaal?

Fockenbrock: Da sind wir vielleicht ein wenig auseinander. Unser Antrag sagt, nur, wenn es ein überzeugendes wirtschaftliches Konzept gibt. Wenn jemand da ist, der investiert und zum Beispiel Gastronomie einrichten will, dann ziehen wir den Antrag zurück.

Das heißt, Sie wollen buchstäblich keine Option „verbauen“...

Fockenbrock: Wir sind noch nicht so weit, dass wir überzeugende Konzepte der Nutzung des Gebäudes in Gänze haben. Es geht zunächst mal um den Prozess. Um die Philosophie, dem Hochzeitshaus eine vernünftige, seriöse Nutzung zukommen zu lassen. Die Stadt war wirklich bemüht, etwas Vernünftiges hineinzubringen, aber alle wissen, es hat nicht funktioniert. Schwöbber war interessiert, Güse war interessiert, andere waren interessiert, aber alle haben gesagt: Geht nicht, bringt nichts. Dann gab es einen Ideenwettbewerb, es liegen rudimentär drei Vorschläge auf dem Tisch. Die packt keiner an, weil jeder sagt, das bringt auch nichts. Und jetzt kommt die HMT wieder mit Teillösungen.

Der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte schlägt die Einrichtung eines Ratssaals im ersten und zweiten Obergeschoss nach historischem Vorbild vor. Das klingt teuer.

Güsgen: Wir sind keine Architekten. Natürlich ist auch wichtig, was finanzierbar ist. Unser Wunsch ist, und das ist auch der Grund, warum wir jetzt diese Resonanz in der Bevölkerung haben: Es muss etwas geschehen. Denn die meisten sagen ja, Ihr habt das Hochzeitshaus als Ruine dahingestellt, jetzt denkt Euch mal was aus. Die unterscheiden ja nicht zwischen Stadt und EWR. Wir wollen nur, dass jetzt ein paar Euro im Haushalt eingesetzt werden, damit man sich Gedanken und Entwürfe macht.

Im Antrag ist von „verantwortbarer finanzieller Realisierbarkeit“ die Rede. Wo liegt Ihre finanzielle Schmerzgrenze?

Fockenbrock: In der Öffentlichkeit wird eine Summe von 600 000 bis zwei Millionen Euro für den Gesamtumbau gehandelt. Was am Ende aber bezahlt werden muss, hängt von der Nutzungsart ab.

Wenn man eine solche Summe investiert, ist die Entscheidung doch endgültig, dann sind die Weichen doch unumkehrbar gestellt.

Fockenbrock: Momentan geht es ja nur um 25 000 Euro pro Partner, also Stadt und Kreis. Wir brauchen einen Architekten oder zwei, die sagen, was geht und was nicht. Zum Beispiel hat ein Hamelner Architekt schon vor zwei Jahren Vorschläge auf Tasche gehabt. Dann müssten Experten etwas entwickeln. Erst dann kommt die Politik in die Situation, zu sagen: Ist es etwas, was wir uns erlauben können? Kann man die Kosten möglicherweise strecken?

Güsgen: Der Charme bei der Sache ist für mich, dass wir in Stadt und Kreis einer Meinung sind, denn wir haben sonst in der Stadt immer allein da gestanden. Wenn beide über zwei Jahre die Finanzierung übernehmen, wären auch die zwei Millionen nicht mehr ganz so erschreckend.

Fockenbrock: Wenn die Stadt selber eine Scheu hat vor einem solch großen Volumen, dann ist der Reiz an diesem Vorschlag, dass der Kreis mit ins Boot steigt. Der Kreistag hat ähnlich wie der Stadtrat keine Gelegenheit, bürgerliches Interesse zu wecken. Wir haben damals aus Kostengründen darauf verzichtet, im Kreishaus auch einen Ratssaal zu bauen. Ich war anderer Meinung. Jetzt gäbe es die Möglichkeit, beides zu verbinden, auch vor dem Hintergrund, dass alle Parteien mehr Fusions- oder Kooperationsmöglichkeiten ausloten. Gelänge es, ein solches Projekt gemeinsam zu planen und zu finanzieren, wäre das ein erstes überzeugendes Beispiel, dass Politik in der Lage ist, gemeinsam etwas zu machen.

Wie weit sind Sie mit der politischen Überzeugungsarbeit?

Fockenbrock: Ich habe von Herrn Watermann, Herrn Butte und Herrn Deppmeyer positive Signale erhalten.

Güsgen: Die Diskussion ist angeschoben. Und das ist es ja – dass Stadt und Kreis ins Gespräch kommen.

Noch steht das Hochzeitshaus leer. Nach dem Willen der FDP könnte hier ein repräsentativer Ratssaal geschaffen werden.Foto: Dana



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