weather-image
12°
Gibt die Politik morgen grünes Licht, um Hamelns prominentesten Leerstand zu vermarkten?

Stadt sucht Wirt – mit Geld fürs Hochzeitshaus

Hameln. Seit März dieses Jahres plant die Stadt, per Ausschreibung einen Gastronomen für die künftige Nutzung des Hochzeitshauses zu suchen. Jetzt endlich kommt Bewegung in das Vorhaben. Vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsausschusses in seiner morgigen Sitzung, soll ein Pächter für das weitgehend leerstehende historische Gebäude im Herzen der Hamelner Altstadt gefunden werden.

veröffentlicht am 22.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

270_008_4409239_hm105_2311.jpg
Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

Autor

Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Gesucht sind Interessenten, die in dem Baudenkmal eine herausragende gastronomische Nutzung betreiben möchten, die der Bedeutung des Gebäudes gerecht wird. Zur Verwirklichung dieser Pläne stehen 250 Quadratmeter im Erdgeschoss und bei Bedarf noch einmal 220 Quadratmeter im ersten Obergeschoss zur Verfügung. Der Stadt wäre es am liebsten, wenn sich ein Pächter findet, der beide Etagen nutzt. „Finden wir keinen Interessenten für einen gastronomischen Betrieb, werden wir uns nach einer anderen Nutzungsmöglichkeit umschauen müssen“, erklärt Erster Stadtrat Eckhard Koss auf Anfrage.

Immer wieder treten in der Rattenfängerstadt hartnäckig Gerüchte auf, dass die Fastfood-Kette McDonalds mit einem Umzug ins Hochzeitshaus liebäugeln soll. Doch diese Spekulationen bezeichnete der Baudezernent gestern als „absolute Ente“. Zwar weiß Koss, dass das Unternehmen in anderen Städten längst in historischen Gebäuden residiert, betont aber: „Mir ist von einem solchen Vorhaben in Hameln nichts bekannt.“

Noch nicht? Denn fest steht: Angesichts der schwierigen Vermarktung der beiden Hochzeitshaus-Etagen gebe die Verwaltung dem US-Unternehmen bestimmt keinen Korb, sollte es tatsächlich Interesse an dem Gebäude signalisieren und in Verhandlungen treten wollen.

Eckhard Koss
  • Eckhard Koss

Allein die nach der Nutzung durch die Erlebniswelt Renaissance erforderlichen Umbaukosten werden nach ersten Berechnungen mit 775 000 Euro zu Buche schlagen, von denen bislang noch kein einziger Cent im Haushalt 2011 eingestellt ist. Wegen der Schwere der Situation hat die Verwaltung zwischenzeitlich zwei Varianten ausgearbeitet.

Variante I: Der neue Pächter finanziert den Umbau, bräuchte im Gegenzug zehn Jahre lang keinen Pachtzins an die Stadt zu zahlen.

Variante II: Die Stadt trägt die Umbaukosten.

„Die Variante I ist mir am liebsten, zumal wir für das Vorhaben ja noch nichts etatisiert haben. Und ohne Moos nichts los. Die Variante II allerdings wäre wesentlich angebrachter“, bekennt Koss. Er hofft, dass der Verwaltungsausschuss morgen auch einer Markterkundung durch ein Interessenbekundungsverfahren zustimmen wird, was Bedingung für die Variante II ist. „Hierzu erfolgt eine Bekanntmachung in örtlichen und überregionalen Tageszeitungen sowie der überörtlichen Fachpresse. In der Anzeige muss deutlich werden, dass die Stadt von der Maßnahme Abstand nehmen wird, wenn die Finanzierung nicht sichergestellt werden kann“, erläutert der Baudezernent und fügt hinzu: „Es handelt sich um einen Kredit oder ein kreditähnliches Rechtsgeschäft. Dazu sind die Zustimmung der Kommunalaufsicht und ein Ratsbeschluss erforderlich.“ Schließlich handele es sich bei den 775 000 Euro für den erforderlichen Umbau um Geld, das die Stadt Hameln derzeit nicht hat.

Aber auch, wenn die Variante I zum Tragen kommen soll, muss die Stadt investieren und läuft sogar Gefahr, 18 000 Euro in den „Sand zu setzen“, sollte sich kein Pächter finden. Koss: „Die Ausschreibung ist nach VOL, der Verdingungsordnung für Leistung, vorzunehmen, um vergleichbare Angebote zu erhalten, die letztlich gewährleisten, dass die technischen Anforderungen eingehalten werden. Dazu ist eine detaillierte Leistungsbeschreibung erforderlich, die nur erstellt werden kann, wenn Architekten und Fachingenieure vorab damit beauftragt werden. Dafür entstehen Honorarkosten von etwa 118 000 Euro.“ Die Leistungen der Architekten wären zwar dann für einen späteren Umbau nutzbar, nicht aber die 18 000 Euro, die ein benötigter Fachanwalt für die Ausarbeitung eines komplexen Dienstleistungsvertrages nach VOL an Honorar kostete. Und wenn sich dann kein Pächter findet ...

Weitere Risiken: Bei beiden Varianten ist nicht zu gewährleisten, dass ein Gastronomiebetrieb im Hochzeitshaus über zehn Jahre Bestand hat.

Ob und wann es zur Ausschreibung kommt, ist vom Beschluss des Verwaltungsausschusses abhängig. Dass bislang so viel Zeit ins Land gegangen ist, begründet Koss mit diversen Abstimmungsgesprächen, die in der Vergangenheit geführt werden mussten: „Ich tue wirklich mein Möglichstes, aber ich bin an viele Faktoren gebunden.“

Das Hochzeitshaus im Herzen der Altstadt. Geht es nach den Plänen der Verwaltung, soll sich im Erdgeschoss und möglichst auch in der ersten Etage ein Gastronomiebetrieb der gehobenen Kategorie ansiedeln.

Foto: Wal



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt