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Politik ob der Pläne hin- und hergerissen

Hochzeitshaus: Der Bürger soll mitentscheiden

Hameln. Die Politik steht vor einem Spagat. Einerseits die Betreiber der Gastronomie-Kette „Bar Celona“, die gewillt sind – zu allerdings ihren Bedingungen – ins verwaiste Hochzeitshaus zu investieren und damit der defizitären Stadtkasse eine Last abnehmen könnten; andererseits die heftige Kritik, die nach dem Bekanntwerden der Pläne für einen gläsernen Vorbau an dem historischen Gebäude in der Rattenfängerstadt aufgekeimt ist. Die Fraktionschefs der im Rat vertretenen Parteien geben sich entsprechend ambivalent, gestehen freimütig und unisono, dass derzeit zwei Seelen in ihrer Brust schlagen. Sie betonen aber auch, dass die bisherigen Pläne und der von Fachbereichsleiter Volker Mohr geforderte Grundsatzbeschluss für eine gastronomische Nutzung des Gebäudes aufgrund der Herbstferien in den einzelnen Fraktionen noch nicht diskutiert worden sind.

veröffentlicht am 26.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Der verlangte Grundsatzbeschluss sorgt auf der politischen Bühne zudem für Verwirrung, denn der Rat hatte den inzwischen pensionierten Baudezernenten Eckhard Koss schon einmal beauftragt, das Hochzeitshaus europaweit anzubieten – für eine gastronomische Nutzung. Das Unterfangen war seinerzeit jedoch ohne Erfolg geblieben.

„Beim Hochzeitshaus handelt es sich zwar um einen sehr sensiblen Bereich. Wir müssen aber auch aufpassen, dass durch überzogene Kritik potenzielle und vor allem potente Investoren nicht vergrault werden“, sagt Volker Brockmann. Der SPD-Fraktionschef kann sich vorstellen, dass mit einer leichten gläsernen Bauweise der architektonische Eingriff in Grenzen gehalten werden könnte. „Es darf die Fassade nicht verändern“, erklärt der Sozialdemokrat und verweist auf die Stadtsparkasse Hameln, „wo eine luftige und leichte moderne Bauweise das historische Gebäude näher an die Menschen gebracht hat“.

Während die Vertreter der Grünen unmittelbar nach der Präsentation der Pläne jedwedem Eingriff in die Gebäudefassade eine Abfuhr erteilten, gibt sich deren Fraktionschefin Ursula Wehrmann moderater: „Es sind ein oder zwei Entwürfe dabei, die zwar noch nicht vollkommen, aber diskussionswürdig sind.“ Die Frontfrau der Grünen will aber keine Entscheidung treffen, ohne vorher eine Bürgerversammlung einberufen zu haben. „Das ist für mich der erste und wichtigste Schritt. Der zweite wäre dann der von Volker Mohr geforderte Grundsatzbeschluss“, sagt sie und fügt hinzu: „Das Hochzeitshaus ist eins der schönsten Stücke im Herzen der Altstadt. Allerdings wissen wir auch, dass wir die erforderlichen Maßnahmen nicht gewuppt kriegen. Von den Folgekosten ganz abgesehen.“ Allein deshalb wäre der Investor willkommen, „denn wir müssen kein Geld in die Hand nehmen und dem Haus wird wieder Leben eingehaucht“.

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Auch der CDU ist wichtig, „den Bürger bei diesem sensiblen Thema so früh wie möglich mitzunehmen und einzubeziehen“, wie es Daniel Schimanski formuliert. Diesem Votum müsse sich dann die Politik stellen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende spricht aber auch von einer „Frage der Abwägung“, denn ein privates Engagement benötige die Stadt angesichts ihres 22-Millionen-Defizites dringend: „Wenn das nicht kommt, brauchen wir über eine künftige Verwendung des Hochzeitshauses nicht mehr zu reden, denn wo soll das Geld herkommen?“

Die FDP lehnt ohne Detailwissen ab: „Wir wissen, wie schön Zeichnungen aussehen und was hinterher dabei rauskommt“, begründet Hans Wilhelm Güsgen. Grundsätzlich verschließen will er sich nicht: „Gastronomie kann dem von uns geforderten Bürgersaal dienen.“

Zwei Entwürfe (rechts), wie sich die Planer einen gläsernen Vorbau für eine „Bar Celona“ am Hochzeitshaus (links) in der Osterstraße vorstellen könnten. Die bislang präsentierten Pläne können allerdings weder Bürger noch Politiker überzeugen. Foto: Dana



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