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Landesbehörde zu den „Bar-Celona“-Plänen am Hochzeitshaus: „Es wird sehr, sehr schwer“

Denkmalschützer geben Anbau kaum Chancen

Hameln. „Kulturdenkmale sind zu schützen, zu pflegen und wissenschaftlich zu erforschen. Im Rahmen des Zumutbaren sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ So ist es im Paragraf 1 des niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes festgeschrieben.

veröffentlicht am 27.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Was aber ist zumutbar? Darüber scheiden sich in Hameln derzeit die Geister, wenn es um die Zukunft des Hochzeitshauses geht. Insbesondere aufseiten der Politik, denn den im Rat vertretenen Fraktionen käme es sehr gelegen, wenn ein privater Investor wie die Gastronomie-Kette „Bar Celona“ Finanzmittel für das historische Gebäude mobilisiert (wir berichteten). Angesichts der heftigen Kritik, die seit Bekanntwerden der Pläne für einen Glasvorbau an dem Denkmal innerhalb der Hamelner Bevölkerung aufgekeimt ist, scheut die Politik mit Blick auf den nächsten Urnengang und die damit verbundenen Wählerstimmen aber auch einen Entscheid wie der Teufel das Weihwasser. Hamelns Ratsvertreter spielen auf Zeit. Eine Bürgerversammlung, die jedoch noch terminiert werden muss, soll den Fraktionen als Orientierungshilfe dienen.

Wie aber denken Denkmalschützer über das Vorhaben, das in der Bürgerschaft – wie zahlreiche Leserbriefe andeuten – kaum Befürworter findet? „Wir sind mit dem Thema nicht befasst, weil es noch gar nicht an uns herangetragen worden ist“, heißt es bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im Hamelner Rathaus. Und auch die Institution bei der Kreisverwaltung will sich zu den Plänen nicht äußern: „Nicht unsere Baustelle, wir sind außen vor. Das ist einzig Sache der Unteren Denkmalschutzbehörde in Hameln.“

Konkreter, wenn auch allgemein gehalten, ist die Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover als vorgesetzte Instanz. Zwar betont die für Hameln zuständige Gebietsreferentin Katrin Barthmann, ohne konkrete Pläne nichts sagen zu können, sie erklärt aber auch: „Bei städtebaulich prägnanten Gebäuden ist es sehr, sehr schwer, etwas umzugestalten. Veränderungen an einem Denkmal sind immer kritisch zu bewerten, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen.“ Zudem müsse stets intensiv hinterfragt werden, ob es nicht auch anders ginge. Barth bietet der Hamelner Unteren Denkmalschutzbehörde jedoch „frühzeitige fachliche Beratung“ an.

Frühzeitiges Einbeziehen des Denkmalschutzes empfiehlt auch Rüdiger Fischer, Sprecher des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst: „Dass wir in Sachen Denkmalschutz eingreifen müssen, kommt nur in Ausnahmefällen vor und ist sehr selten. Ich kann den Hamelnern nur raten, bei einem so sensiblen Gebäude wie dem Hochzeitshaus den Denkmalschutz so früh wie möglich mit ins Boot zu holen.“ Der Wert des Denkmals müsse auf jeden Fall erhalten bleiben. „Das lässt sich nicht pauschal beurteilen, sondern muss vor Ort entschieden werden“, so der Sprecher. Es gäbe unterschiedliche Prozesse, die unterschiedlich abliefen.

Dass der gläserne Vorbau am Hochzeitshaus eine Chance auf Realisierung hat, glaubt ein erfahrener Denkmalschützer, der sich in der Rattenfängerstadt bestens auskennt, indes nicht, wie er gegenüber der Dewezet erklärt. Insbesondere, weil es sich bei dem historischen Gebäude der Weserrenaissance um ein „Wahrzeichen der Rattenfängerstadt mit Alleinstellungsmerkmal“ handele. „Neben dem Rattenfängerhaus und dem Museum ist das Hochzeitshaus das wohl häufigste Fotomotiv der Touristen“, begründet der Experte. Der Bau der Stadt-Galerie sei schon „die Oberkante des überhaupt Machbaren“ gewesen.

Der Denkmalschützer zweifelt auch an, dass der Anbau für ein weiteres Café überhaupt notwenig ist. „Es gibt schon genug und das könnte auch einen Rattenschwanz nach sich ziehen. Was, wenn das Museums-Café dann ebenfalls einen Vorbau verlangt, weil die Gäste auch regengeschützt und nicht unter Sonnenschirmen draußen sitzen sollen, was, wenn das Eiscafé ‚Mosena‘ einen solchen Antrag stellt“, fragt er und empfiehlt der „Bar Celona“, das ehemalige „Moskito“ an der Bäckerstraße/Ecke Münsterkirchhof zu nutzen. Dort sei durch große Fenster die von der Restaurant-Kette als Geschäftsphilosophie geforderte Transparenz bereits gegeben. „Dagegen kann ich mir hinter dem Hochzeitshaus, am Lütjen Markt, einen Pavillon durchaus vorstellen, denn dort stellt sich aus städtebaulicher Sicht eine ganz andere Situation dar“, meint der Experte, der kein Problem in den offenen Etagen innerhalb des Hochzeitshauses sieht: „Es kann bei einer Nachnutzung sogar von Vorteil sein, wenn ich oben mitkriege, was unten passiert. Wieso keine Markthalle? Die wollte Hameln doch vor noch gar nicht so langer Zeit an zentraler Stelle haben. Die Gedanken in Richtung Gastronomie sind zu kurz gesprungen. In eine adäquate Nachnutzung muss noch viel Gehirnschmalz reingesteckt werden.“

Ein Glas-Vorbau nähme dem Hamelner Hochzeitshaus das Alleinstellungsmerkmal, meint ein Denkmalschutz-Experte. Foto: Dana



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