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Fernseh-Talk am Tresen zum Thema Hochzeitshaus – ohne Vertreter der Stadt Hameln

„Da würde höchstens McDonald’s einziehen“

Hameln (fh). Kellnerinnen balancieren Reibekuchen und Steaks an Kameramännern vorbei, Fernsehmoderator Ludger Abeln steht hinter der Theke und zapft eifrig Bier: Keine steife Talkshow, sondern ein echtes Kneipengespräch soll es sein – so das Konzept der kleinen NDR-Reihe „Am Tresen“. Am Gründonnerstag machen die Fernsehleute im „Reichsadler“ am Breiten Weg Station. Das Thema des Abends hatte die NDR-Redaktion im Vorfeld ausgegeben: Nicht um das 96-Europapokalspiel, nicht um die nahe Brückenbaustelle – um den Leerstand im Hochzeitshaus soll es gehen.

veröffentlicht am 07.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 23.02.2017 um 15:47 Uhr

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Nun ist es aber eine Qualität des Plausches beim Bier, dass Nebenstehende so gut wie nichts Verständliches vom Zwiegespräch anderer mitbekommen. Und so geht es dann auch den Gästen im „Reichsadler“. Was vor den Kameras geredet wird, ist nur daheim im Internet-Livestream oder auf der Straße am NDR-Übertragungswagen wirklich zu verstehen. Was dann zu hören ist, ist nicht neu. Überraschender ist da schon: Vertreter der Stadt Hameln, Eigentümerin des Hochzeitshauses, beziehen im „Reichsadler“ nicht Stellung.

Am Tresen geht es um verflossene Fördermillionen für die Erlebniswelt Renaissance – 6,5 Millionen Euro gab es für den Umbau des Hochzeitshauses – und um neue Ideen für die Nutzung des Weserrenaissance-Schmuckstückes. Heinrich Fockenbrock, FDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, wirbt noch einmal für das von seiner Partei ins Spiel gebrachte Konzept einer Nutzung als Ratssaal und repräsentativer Veranstaltungsraum. Nun sei erst einmal ein Vorschlag da, „an dem man sich reiben kann“, stellt er fest. Reibung dürfte insbesondere beim Thema Geld entstehen – 2 Millionen Euro Rückbaukosten sind im Gespräch. Landrat Rüdiger Butte bezweifelt, dass dafür finanzieller Rückenwind vom Land zu erwarten ist, und glaubt, Kreis und Stadt werden vor Ort „Schulter an Schulter“ eine Lösung finden müssen.

Die Beiträge anderer Kneipengäste fallen deutlich emotionaler aus. Nachtwächter Klaus-Dieter Lorenz – telegen in voller Montur – konstatiert zum Leerstand: „Das tut der Hamelner Volksseele weh.“ Rattenfänger Michael Boyer trauert – in Zivil – um den Zustand von „unserem Eiffelturm, unserer Freiheitsstatue“. Ein empörter Kneipengast fordert gar „einen 1-Euro-Shop und eine Dönerbude“ im Hochzeitshaus. „Das passt dann ins Umfeld.“ Denn: „Die Stadt ist tot.“

Auch an neuen – oder neu aufgelegten Ideen – zur Nutzung des Hochzeitshauses fehlt es nicht. So schlägt ein Gast eine Markthalle oder ein Mehrgenerationenhaus in historischen Mauern vor.

Auf Gastronomie im Hochzeitshaus setzt „Reichsadler“-Wirt Rainer Chudoba nicht: „Wer würde da reingehen? Höchstens McDonald’s.“ Und auch der Landrat glaubt nicht an eine kommerzielle Nutzung. Knackpunkt bei jedem Konzept bleibt die Finanzierung. „Wir brauchen eine Zauberfee, die uns ganz viel Geld bringt“, wünscht Rattenfänger Boyer. Butte setzt pragmatischer auf Gespräche zwischen Stadt und Kreis und betont, letztlich zuständig für das Hochzeitshaus sei die Stadt Hameln. Die eingeladene Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann allerdings ist, wie es aus dem Rathaus heißt, an diesem Abend „terminlich verhindert“.

Ausschnitte der Gespräche im „Reichsadler“ zeigt das NDR-Fernsehen heute Abend ab 19.30 Uhr in der Sendung „Hallo Niedersachsen“.

Gespräche vor und hinter dem Tresen: NDR-Moderator Ludger Abeln mit „Reichsadler“-Wirt Rainer Chudoba. Foto: Dana



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