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Ausstellung auf Mai verschoben / Jeans und Gemälde – und viele vage Vorstellungen

Acht Monate im Hochzeitshaus: „Umweltschrei“

Hameln. Es ist April, und es steht leer, das Hochzeitshaus. Anders als angekündigt, denn dort sollte jetzt eine Ausstellung zu sehen sein, die zu beschreiben allen Beteiligten Anfang des Jahres noch schwerfiel. Die Ausstellung mit dem Titel „Der Umweltschrei“ bleibt auch jetzt noch abstrakt. Vieles ist in der Schwebe und soll sich nach Eröffnung weiterentwickeln. Dass sich der Termin dafür um gut einen Monat verschiebt, hängt unter anderem damit zusammen, dass der Vertrag zwischen der Stadt Hameln und der Hameln Marketing- und Tourismus GmbH als künftiger Pächterin und Ansprechpartner für Veranstalter noch nicht in trockenen Tüchern war.

veröffentlicht am 04.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:48 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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„Das Schiff ist unterwegs,“ seit dem 29. März, sagt Hans-Jörg Hamann, der Kopf der Inhalte, der in Vietnam Verfahren erdenkt. Verfahren, mit denen Textilien, allen voran Jeans, seinen Schilderungen zufolge umweltfreundlich produziert und veredelt werden können, so dass am Ende „biologische Substanzen“ übrig bleiben statt giftiger Brühen. Er schwärmt von dieser „Totallösung“, an der „wir“ seit Jahren arbeiten.

„Wir“: Ein Team aus 10 oder 15 Leuten, „Musternäherinnen“, die auch als Model dienen, Schweißer, Schlosser, Techniker, und er, wie Hamann sagt. Hamann sagt auch, dass die großen Versandhäuser wie Otto schon auf sein Verfahren gesetzt hätten, dass er lange Zeit Geschäfte gemacht habe mit dem großen Textilunternehmen Steilmann, das 2006 Insolvenzantrag gestellt hatte und übernommen worden war. Und Hamann sagt, dass „wir“ in der Größenordnung nicht weitermachen konnten und sie sich deswegen verkleinert hätten. Fotos von der Produktion in Vietnam? Wenn, dann „Detailaufnahmen“, weil er das, was jetzt statt auf 800 nur noch auf 200 Quadratmetern passiere, mit seiner Kamera nicht aufs Bild bekomme. Zumal es zu riskant sei, zu viel preiszugeben, weil andere auf den Zug aufspringen könnten. Denn den „Jeans-Bereich“ habe er noch nicht patentieren lassen und er wolle das Projekt nicht gefährden.

Hamann. Der Erfinder. Konrad Buck, der Händler, der Veranstalter der Ausstellung. Beide kündigen an, dass nicht nur 50 bis 100 besondere Jeans, hergestellt in besonderem Produktionsverfahren, im Hochzeitshaus zu sehen sein werden, sondern auch „Gemälde aus Vietnam“. Aus „Malsubstanzen“, die quasi als biologisches Abfallprodukt der Jeansproduktion entstehen, und weil sie nicht konserviert werden, sofort parallel verarbeitet werden müssen. „Dafür sind bestimmte Techniken notwendig, um damit umzugehen“, sagt Hamann über die Farben Marke Eigenproduktion. Welche Künstler damit arbeiten und wessen Gemälde gezeigt werden? „Ich selbst bin der Kreative.“

40 Hamann-Gemälde also und Jeans aus Vietnam hat das Schiff geladen, dessen Container-Inhalt bis Mai in Hameln landen soll. Nach drei Monaten sollen die Gemälde durch neue ersetzt werden. Dazu kommen „Jeans-Plastiken“, „Künstlerjeans“ – als Steigerung von „Designer-Jeans“, es soll Erklärungen geben zu dem Produktionsverfahren, es sollen Vorlesungen stattfinden, es sollen andere Einzelhändler mit ins Boot und ins Hochzeitshaus geholt werden, es sollen Schüler eingebunden werden, es soll, es sollen, es soll …

… keine Verkaufsveranstaltung werden, betonen Hamann und Konrad Buck. Auch wenn Hamanns Geschäftspartner und Kontakteknüpfer Buck grundsätzlich Interesse an jeder verkauften Jeans hat: Der Schwabe aus Großsachsenheim hat ein Geschäft mit Jeans-Hosen, darunter der Eigenmarke „Buck’s Lohas Ökowear“, in der Wendenstraße eröffnet. Lohas.de – eine Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewegung – ist Bucks Kooperationspartner und unterstützt die Entwicklung der Jeans-Veredelung, die als so umweltfreundlich angepriesen wird. Welche Entwicklung genau „Der Umweltschrei“ nehmen soll, ist offenbar im Fluss. An Versprechungen und Superlativen mangelt es jedenfalls nicht. „Die Ausstellung soll für jeden offen sein und zwischen Verbrauchern und Fachleuten diskutiert und erlebt werden können“, heißt es im Internet. Und: „Was Sie von innen sehen können, sind gleich zwei Sensationen aus dem Bereich Mode und abstrakte Malerei, die Sie so noch nie gesehen haben.“ Im Mittelpunkt soll die beliebte Jeans stehen, die in normalen Herstellungsverfahren eine katastrophale Umwelt-Bilanz vorweist und nach Hamann’schem Verfahren ein ökologischer Leckerbissen sein soll. Eine große offizielle Eröffnung ist für die zweite Mai-Woche vorgesehen. Sie für den 1. Mai anzukündigen und sich zu blamieren, weil’s nicht klappt – das Risiko war Buck und Hamann zu groß. Erst werde im Stillen angefangen, dann folgt der Rest. Auch die Internetseite unter „www.der-umweltschrei.de“ ist noch im Aufbau und werde langsam mit Inhalten gefüllt, verspricht Buck. Bis zum 30. Dezember ist die Ausstellung eingeplant; so haben es der ehemalige Stadt-Manager Oliver Bösche und HMT-Chef Harald Wanger mit Konrad Buck ausgemacht. Danach übernimmt die HMT-Abteilung „Hallenmanagement“ die Vermarktung des Erdgeschosses im Hochzeitshaus. Gespräche mit weiteren Interessenten hat es laut Oliver Meinecke, der für die Vermietung der Veranstaltungszentren zuständig ist, schon gegeben. Ziel sei die sinnvolle touristische Vermarktung.



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