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Rankings und Messungen gibt es viele: Auf der Suche nach dem Brutto-Inlands-Glück

Wo sind die Menschen am glücklichsten?

Am Ende des englischen Kinderliedes könnten etliche der vier Millionen Costa Ricaner völlig aus dem Häuschen sein und bis zur Erschöpfung klatschen. „If you’re happy and you know it, clap your hands!“ heißt der Text: Wenn du glücklich bist und du weißt es, klatsch in die Hände. Das südamerikanische Land Costa Rica, spanisch für „reiche Küste“, führt die Liste an, die 149 Nationen nach der dort herrschenden durchschnittlichen Zufriedenheit sortiert. Platz 1 Costa Rica, Platz 149 Togo, Deutschland Platz 28.

veröffentlicht am 14.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 17:37 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Dieses Ranking ist nur eines von x, das versucht, Glück beziehungsweise Lebenszufriedenheit im Ländervergleich statistisch greifbar zu machen. Jahrelange Erfahrung hat darin der niederländische Soziologie-Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus Universität in Rotterdam. Schon seit 1994 lässt er in einer Datenbank Ergebnisse aus Befragungen und Recherchen zusammentragen, um zur weltgrößten Glücksdatenbank zu gelangen. Um die Stimmung in den Ländern miteinander zu vergleichen, beantworten die Probanden die simple Frage: „Alles in allem – wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?“ Nicht ausschweifende Worte sind gefragt, sondern ein Kringel auf der Skala von null bis zehn. Null markiert den äußersten Rand der Ausprägung „unzufrieden“, zehn den von „zufrieden“.

Dass Costa Rica, gesegnet mit üppigem Regenwald, himmlischen Stränden, herrlichem Klima, aber auch mit einem vergleichsweise niedrigen Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf (8489 US-Dollar) die Liste anführt, lässt aufhorchen und die Binsenweisheit aufblühen: Geld allein macht nicht glücklich. Dass viel Geld nicht glücklich macht – dieser Umkehrschluss lässt sich allerdings daraus nicht ziehen. So liegt beispielsweise die reiche Schweiz mit einem BIP/Kopf von 84 983 US-Dollar weit oben auf Platz fünf des Zufriedenheitsrankings. Auch die Nordlichter Dänemark, Island, Finnland und Norwegen liegen an der Spitze der Tabelle. Ausschließlich afrikanische Länder bilden die Schlusslichter mit dem schlechtesten Wert von 2,6.

Je nach Studie, Ziel, Auftraggeber variieren die Komponenten, die abgefragt werden, um die kollektive Zufriedenheit eines Volkes zu erfassen. So arbeitet die Uni Rotterdam zum Beispiel mit den Variablen Soziale Sicherheit, Gesundheit, Möglichkeiten der politischen Mitbestimmung, Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, geringe soziale Unterschiede, Einkommensgerechtigkeit, persönliche Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung. Demokratie als Garant für Mitbestimmung allein reicht noch nicht, um als positiv gewertet zu werden, hat der Sozialforscher Ronald Inglehart einmal eingegrenzt. Relevant sei die Dauer, über die Demokratie in einem Land gelebt werden konnte. Auch der Zugang zu Bildung ist ein wichtiger Faktor, wenn es um die Zufriedenheit der Bevölkerung geht. Eine andere Untersuchung zur Ermittlung eins „Happy Planet Index“ bezieht den Ressourcenverbrauch eines Landes mit ein, gemessen am ökologischen Fußabdruck. Auch diese Liste hat Costa Rica an der Spitze.

Wie glücklich und zufrieden sind unsere Bürger eigentlich? Als erstes Land hat sich das kleine asiatische Land Bhutan diese Frage laut gestellt. Dort wurde 1972 der Begriff des Brutto-Inlands-Glücks (Gross National Happiness) erdacht, das aus Sicht des damals dort herrschenden Königs Jigme Singye Wangchuck in seiner Wertigkeit über dem gängigen GNP (Gross National Product), dem Bruttoinlandsprodukt, stand. Das GNH wird von vier Säulen getragen: der Förderung nachhaltiger Entwicklung, dem Erhalt kultureller Werte, Bewahrung der natürlichen Umwelt und „good governance“, was im Deutschen mit „guter Regierungsführung“ übersetzt wird.

Mittlerweile erhebt laut Veenhoven praktisch jedes Land Daten zur Zufriedenheit der Bewohner. Die Ergebnisse sind in seiner Glücksdatenbank zusammengetragen. Seit 2008 misst Frankreich den Glückslevel seiner Nation, und zwar nicht, indem Bürger nach dem Positiven in ihrem Leben befragt wurden, sondern indem herausgefunden wurde, in welchen Bereichen sie sich ausgelassen fühlen. 2010 zog der britische Premier David Cameron nach und gab der Statistikbehörde den Auftrag, Indikatoren zu definieren, anhand derer die Zufriedenheit gemessen werden kann. Im Sommer sollen Ergebnisse der Befragungen von 200 000 Haushalten vorliegen.

Ein Blick auf den eigenen Teller: In Deutschland wurde vor knapp einem Jahr die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ gegründet. Sie soll Wege „zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ aufzeigen. Mit der Verteilung des Glücks in der Bundesrepublik hat sich auch die Deutsche Post AG befasst und 2011 einen „Glücksatlas“ herausgegeben. Die Uni Freiburg und das Institut für Demoskopie Allensbach haben dafür Befragungen ausgewertet. Zum einen wurden Daten des sozio-ökonomischen Panels einbezogen, zum anderen wurden 1800 Bundesbürger nach ihren Lebensumständen befragt. Der Untersuchung zufolge sind drei Faktoren entscheidend für das Zufriedenheitsempfinden: eine gute Gesundheit, eine intakte Partnerschaft und Freundschaften. Anders als diese weichen Faktoren steigert das Wirtschaftswachstum die Lebenszufriedenheit der Menschen kaum, ist ein Ergebnis der Studie. Die verwendeten Indikatoren sind nah am Leben, darunter: Gesundheit, Sport, Arbeitslosigkeit, kulturelle und religiöse Aktivität, Vermögen. Und weil es am Spannendsten ist, zu sehen, wer wo am glücklichsten ist: Hamburger und Bewohner der Küstenregion sind demnach am glücklichsten. Die Niedersachsen rund um Hannover landen auf Platz 7 von 19.

Noch kleinteiliger darstellen lässt sich das Glück derzeit nicht: Hameln erfasst die Zufriedenheit seiner rund 56 000 Einwohner nicht. Aber: 1997 wurde immerhin ein Versuch in diese Richtung unternommen. Unter der Regie des Oberstadtdirektors Werner Lichtenbergs sind jene Hamelner, die zu Ex-Hamelnern wurden, nach den Gründen für ihren Wegzug gefragt worden. Dabei gaben nur 9,9 Prozent an, mit Hameln unzufrieden zu sein. Hauptgrund dafür: die Verkehrssituation.

Vier Wochen lang kommt mit der Dewezet das Glück in zahlreichen Facetten ins Haus. Heute geht es in unserer Serie „Zum Glück!“ um die Frage: In welcher Region leben die glücklichsten Menschen?



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