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Serie zum Glück

Tierisch glücklich - gibt's das wirklich?

Schweine und Marienkäfer gelten als Glückssymbole, die bloße Anwesenheit von Hund, Katze oder Pferd macht Tierliebhaber glücklich – aber wie ist es um das Seelenleben unserer Hausgenossen oder auch von Zoobewohnern bestellt?

veröffentlicht am 13.03.2012 um 13:43 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 14:05 Uhr

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Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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Wenn von „glücklichen Hühnern“ die Rede ist, haben die Menschen dabei wohl eher ihr eigenes Wohlergehen im Auge – weil sie unbelastetes Fleisch und gesunde Eier liefern. Und auch sonst ist der Glücksbegriff, wird er auf Tiere bezogen, von unserer Definition geprägt. Der Kater, der wohlig schnurrt, wenn er am Bauch gekrault wird oder der Hund, der schwanzwedelnd auf uns zukommt – sind die wirklich glücklich, so wie wir es verstehen?

„Verhaltensforscher würden sagen: nein“, sagt Gabriela Badziong, Tierpsychologin und Tierhomöopathin aus Heeßen (bei Bad Eilsen). „Der Glücksbegriff ist sehr menschlich, beispielsweise sind wir glücklich über einen Lottogewinn. Ein Hund denkt aber nicht: Toll, dass ich bei dieser netten Familie gelandet bin“, sagt Gabriela Badziong. Allerdings sei auch ein Wohlbefinden für Hunde oder Katzen wichtig – und sie könnten es auch einfordern, beispielsweise wenn die Katze um die Beine ihres Frauchens streicht oder der Hund sein Herrchen mit der Nase anstupst. „Das ist wichtig für Sozialkontakte“, sagt die Tierpsychologin, die statt vom tierischen Glück hier lieber von einer „freudigen Erregung“ spricht. Wenn der Kater eine Maus fängt, dient das allerdings eher dem Überlebenstrieb und nicht seinem Glücksgefühl.

Man könne allerdings gerade bei Tieren, die mit Menschen zusammenleben, auch eine gewisse Art der Anpassung erleben. So kann man Hunde beobachten, die die Zähne blecken und damit das Lachen der Menschen imitieren – obwohl von ihrem natürlichen Wesen her Zähne-fletschen für Gefahr steht.

Dr. Egbert Strauß, stellvertretender Leiter am Wildbiologischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover, warnt davor, als Mensch zu viel in die Tiere hineinzuinterpretieren. „Vielleicht ist das eher eine philosophische Frage, weil man das Glück nicht messen kann“, sagt Strauß. Allerdings werde das Glück auch über die Hormone gesteuert, und die gibt es bei Tieren ebenso. „Das ist in den Instinkten und Reflexen vorhanden; da würde ich das eher ansiedeln, was wir unter Glück verstehen.“ Also auch eher eine Befriedigung von Lebensbedürfnissen. Intelligente Tiere seien allerdings zu mehr in der Lage. So trauern Elefanten um Artgenossen – freuen sie sich dann vielleicht auch über neugeborene Elefanten? Das Grinsen eines Affen ist nach Ansicht des Wildbiologen durchaus als Gefühlsregung zu sehen. „Tiere können ein hohes Sozialverhalten haben. Die Grenzen sind fließend.“

Können Zootiere glücklich sein? Grundsätzlich ja, sagt Diplom-Biologin Britta Habbe, die allerdings ebenfalls voranschickt, dass Glück ein anthropologisches Gefühl ist, das die Menschen für sich definiert haben. Wir neigen dazu, dem Tier unsere Empfindungen zuzuschreiben, wenn es eine bestimmte Mimik zeigt. Die Frage nach dem Glück der Zootiere bezieht Britta Habbe – menschliche Interpretation zugrunde gelegt – auf die Bedingungen, die beispielsweise Löwen vorfinden. Danach ist nicht grundsätzlich die Gefangenschaft das Problem, wie viele Kritiker vorbringen. „Ob der Löwe hundert oder tausend Quadratmeter als sein Revier abschreitet, bevor er sich auf den Fels zum Schlafen legt, ist ihm ziemlich egal“, sagt die Expertin, die ihre Arbeit über Zoogehegedesign geschrieben hat. Entscheidend sei, welche Gegebenheiten die Tiere vorfinden – sie müssten ihrem natürlichen Verhalten entsprechen: „Sie müssen ihren Instinkt ausleben können.“

Nicht ganz unschuldig am Verständnis der Menschen vom tierischen Glück sind übrigens TV-Serien, die Bilder vom fröhlichen Flipper oder charmanten Charly zeichnen – immer eng orientiert an unserer eigenen Gefühlswelt, die für uns mit bestimmter Gestik und Mimik verbunden ist und die wir auf die Tiere übertragen. Und die sich Tiere umgekehrt auch aneignen können – nicht immer zu ihrem Glück, wie die Geschichte zeigt, die Britta Habbe erzählt: Ein Affe hatte jahrelang in einer Osnabrücker Kneipe gelebt. Nachdem er dort beschlagnahmt worden war, ging er im Zoo breit grinsend auf seine Artgenossen zu – bei den Menschen hatte er gelernt, dass dies eine freundliche Geste ist. Unter seinen Artgenossen steht der Ausdruck aber für Gefahr – der Affe hatte verlernt, mit seinesgleichen zu kommunizieren. Er fristete sein Dasein schließlich mit einem sehr viel älteren Gefährten. Ob er in der Kneipe vielleicht glücklicher gewesen wäre, mag dahingestellt bleiben.

Das Schicksal des Protagonisten aus „Flipper“ brachte übrigens Ric O’Barry dazu, vom Delfin-Trainer zum Delfin-Schützer zu werden. Er hatte erkannt, dass ihr Lächeln gar keines ist, sondern nur eine Laune der Natur. Seither kämpft O’Barry für eine glücklichere Welt der Delfine – und die liegt offensichtlich draußen im Meer bei ihren Familien.

Glückliche, weil zufriedene Hunde sieht Claudia Gebhardt im Hamelner Tierheim: „Sie bekommen Fressen, Streicheleinheiten und sie haben ihre Hundefreunde“, sagt die Tierheimleiterin. Natürlich müsse man grundsätzlich die Definitionsfrage stellen, was mit Glück gemeint ist – aber dass es auch traurige Tiere gibt, weiß sie aus ihrer täglichen Praxis. So erzählt sie von einem neun Jahre alten Westie, der nach dem Tod seines Frauchens nicht mehr erwünscht war. „Er ist abgeschoben worden, und das hat man ihm angemerkt.“ Es gibt auch die anderen Fälle, dass die Besitzer weinen, wenn sie sich – aus welchen Gründen auch immer – von ihrem Liebling trennen müssen, während der schon fröhlich auf die neuen Freunde im Tierheim zuläuft, um mit ihnen zu spielen.

Im Tierheim gibt es auch immer wieder Glückskatzen. Gemeint sind damit nicht etwa die Schmusetiger, die das Glück haben, in eine tierliebe Familie vermittelt zu werden. So nennt man dreifarbige Katzen – offensichtlich, weil sie nicht so häufig vorkommen. Sie sind immer weiblich und haben die Farben Orange, Schwarz und Weiß.

Übrigens: die „glücklichen Hühner“ stehen tatsächlich für artgerechte Haltung, wie Peter Jahn, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Hannover der Rassegeflügelzüchter, sagt. Dazu gehören Freilauf auf grüner Wiese, nicht übervölkerte Ställe, das richtige Futter und keine vorbeugende Medikamentengabe. Das habe nichts mit Glück zu tun, sondern entspreche eben am ehesten der natürlichen Lebensweise.


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