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Dass Wolfgang Nowotny der Familie A. aus dem Libanon hilft, ist für ihn selbstverständlich

„Wir sind Freunde geworden“

Hameln. „Für meine Frau und mich war immer klar, wenn sich irgendwann mal die Gelegenheit ergibt, dass wir helfen können, dann helfen wir“, sagt Wolfgang Nowotny. Der ehemalige Lehrer und seine Frau betreuen eine vierköpfige Familie aus dem Libanon, die mittlerweile seit etwa acht Monaten in Hameln lebt. Wobei „betreuen“ es an dieser Stelle vielleicht nicht genau trifft. „Alles was die Familie allein machen kann, machen sie auch allein. Ich dränge mich nicht auf“, erklärt Nowotny. Und: „Ich laufe keinesfalls für sie zur Stadt. Das machen sie alles selber.“

veröffentlicht am 17.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.08.2015 um 09:48 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller

Den Kontakt zur Familie hat Nowotny über die Flüchtlingshilfe des ACKH (Arbeitskreis christlicher Kirchen Hameln) bekommen. „Ich wurde angesprochen, ob ich der Familie helfen kann.“ Noch am gleichen Abend standen Nowotny und seine Frau vor der Tür der Familie A. – mit ersten Gebrauchsgegenständen, die der Familie fehlten. „Wir haben erklärt, dass wir helfen möchten – natürlich nur, wenn sie es möchten – und wurden sehr freundlich aufgenommen“, erzählt Nowotny. Mittlerweile sei eine richtige Freundschaft entstanden. „Irgendwann war ich mit dem Vater in der Stadt unterwegs, meine Frau war mit seiner Frau zu Hause geblieben, um ein wenig zu quatschen. Irgendwann hat sie dann ihr Kopftuch abgenommen und ihr langes Haar ausgeschüttelt“, erzählt Nowotny, um die Freundschaft untereinander zu beschreiben. „Das würde sie nicht machen, wenn sie meine Frau nicht als Freundin ansehen würde.“

Der 63-Jährige und seine Frau helfen der Familie A. in vielen verschiedenen Lebenslagen. „Zuletzt haben wir die beiden Jungs für den Ferienpass angemeldet. Wir sind zusammen die Angebote durchgegangen.“ Der ältere der beiden Söhne – sie sind 8 und 9 Jahre alt und sprechen gut Deutsch – nimmt nun bald an einem Feriencamp teil. „Zusammen mit der Familie habe ich dann noch nach Regenbekleidung und Taschen für den Ausflug geschaut“, erklärt Nowotny. Viele Sachen würde die Familie aber allein schaffen. „Nachdem sie vier Monate hier waren, haben sie sich eine neue Wohnung gesucht. Das haben sie allein gemacht. Auch beim Umzug wollten sie keine Hilfe und haben sogar den Transporter allein organisiert“, sagt Nowotny.

Niemand will Herrn A.

anstellen: die nötigen Sprachkenntnisse fehlen

Besonders am Herzen liegt es dem Pensionär, den Eltern einen Job zu verschaffen. „Wir haben acht oder zehn Arbeitgeber angesprochen aber es ist nie etwas daraus geworden“, bedauert Nowotny. Selbst für leichte Hilfsarbeiten sei Herr A. nie angestellt worden. Es fehlen die Sprachkenntnisse und die Ausbildung. „Auch Frau A. würde gerne arbeiten. Allerdings trägt sie ein Kopftuch und das ist ein Handicap.“ Mittlerweile, so sagt Nowotny, habe Herr A. einen Job gefunden. „Aber ich weiß noch nicht wo.“ Im Libanon hatte Herr A. eine Art Kiosk, seine Frau blieb zu Hause bei den Kindern, obwohl sie wohl gerne Friseurin gelernt hätte.

Dass die Familie eine schwere Zeit hinter sich hat, merkt Nowotny immer wieder. „Sie gehen zum Beispiel nicht freiwillig aufs Wasser. Wir haben mal eine Weserschifffahrt vorgeschlagen. Das haben sie strikt abgelehnt. Die Familie ist damals übers Mittelmeer geflüchtet und davon traumatisiert“, vermutet Nowotny. Wenn er und seine Frau im Fernsehen Bilder von Flüchtlingen in Schlauchbooten sehen, „dann sehen wir natürlich immer sie.“ Auch würde die Familie ihre Freizeit selten draußen verbringen: „Aus ist aus dem Libanon noch drin: draußen ist es gefährlich“, sagt Nowotny.

Den Mut der Eltern, die Kinder zu packen und das Land zu verlassen, bewundert er. „Da ziehe ich meinen Hut.“ Über die Flucht der Familie A. weiß er nicht viel. „Ich weiß aber, dass der Vater von ihr ermordet worden ist und dass die Familie in der Endphase jede Nacht in einem anderen Quartier verbracht hat, aus Angst, entdeckt zu werden.“

Mit der Familie A. spricht Nowotny konsequent Deutsch. „Er spricht meist Englisch. So verständigen wir uns.“ Dem ehemaligen Lehrer liegt es besonders am Herzen, dass es mehr Sprachkurse für Flüchtlinge gibt. „Beim ACKH haben wir zwar einen aber das reicht nicht immer aus.“

Flüchtlingswellen, die nicht abreißen, Flüchtlingsdramen, die sich abspielen. Hinter diesen Worten stecken Menschen. In einer Serie stellt die Dewezet Flüchtlinge vor. Und die, die ihnen helfen. So wie Wolfgang Nowotny aus Hameln.

„Ich würde es immer wieder machen“, sagt Wolfgang Nowotny. Seit mehreren Monaten begleitet er eine Familie aus dem Libanon und hilft ihnen, sich in Hameln zurechtzufinden.sak



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