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Wenig Wohnraum, wenig Überblick – die Situation der Städte und Gemeinden

Für Flüchtlinge wird es enger

Hameln-Pyrmont. In zwei Tagen, am Montag, erreichen erneut 3000 Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, Niedersachsen. Nach Hameln-Pyrmont kommen 63 Flüchtlinge. Ein Bus aus Braunschweig bringt sie her. Und die Gemeinden stehen vor wieder neuen Herausforderungen.

veröffentlicht am 07.08.2015 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 11.08.2015 um 11:37 Uhr

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Autor:

Nina Reckemeyer

Im Zuge der Recherche nach aktuellen Flüchtlingszahlen im Kreisgebiet erreichte unsere Zeitung in den vergangenen Tagen die ein oder andere E-Mail-Antwort, aus der die Überforderung spricht. Von „zurzeit irgendwie den Überblick verloren“ bis „schwer zu sagen“ reicht die Spanne der Auskünfte aus den Gemeindeverwaltungen. Der Landkreis bittet, die Zahlen der aktuell in den Orten befindlichen Flüchtlinge bei den Gemeinden selbst zu erfragen, zu schwierig sei die Differenzierung der verschiedenen Status, unter denen die Menschen, die seit 2014 den Landkreis erreichten, heute geführt würden. Die Gemeinden spielen den Ball zurück und verweisen nicht selten auf die Führung der Zahlen beim Landkreis. Man kümmere sich nonstop darum, für die Ankunft der Flüchtlinge am Montag alles vorbereitet und Wohnraum geschaffen zu haben, da gerate das Zusammenstellen der Zahlen schon mal temporär in den Hintergrund, stellen sich die Bürgermeister vor ihre Mitarbeiter. Zumal sich die Flüchtlingszahlen, die die Gemeinden erreichen und verarbeiten müssen, „ständig“, „minütlich“ änderten, so die Verwaltungen.

Plötzlich weg: rätselhafte Flüchtlingszahlen

So kommt es vielleicht auch zustande, dass auf dem Weg vom Landkreis in die Gemeinde schon mal acht Flüchtlinge einfach so „verschwinden“. So geschehen in Hessisch Oldendorf. Bürgermeister Harald Krüger nennt 56 im Jahr 2015 in die Gemeinde aufgenommene Flüchtlinge, der Landkreis meldet 64. Abweichungen in der Zuweisungsquote (gültig ab November 2014 bis Ende August 2015) von 76 (Angabe der Gemeinde) und 84 (Angabe des Landkreises) inbegriffen. Keinc Einzelfall. Für die Stadt Bad Pyrmont meldet der Landkreis 100 zugewiesene Menschen, die Stadt selbst nennt 88 (inklusive dem Rest aus 2014). Davon bisher aufgenommene Flüchtlinge: 56, sagt die Stadt – 60, sagt der Landkreis. Was bleibt, ist die Frage, auf welche Weise die Flüchtlinge verschwunden sind. Rein statistisch in der Erfassung einer Tabelle, aufgrund unterschiedlich erfasster Zeitpunkte oder tatsächlich physisch?

Ungeachtet der Exaktheit der Personenzahlen ist klar, dass Mitarbeiter der Kommunen im gesamten Landkreis mit der Unterbringung zu kämpfen haben. Während die Gemeinde Emmerthal „Platz für 40 Personen auf einer Warteliste“ und „11 Wohnungen“ meldet, Coppenbrügge „vier bis fünf Wohnungen für zehn Personen“, Bad Münder „für 20“ äußert und sich Salzhemmendorf zu „grob Platz für 30“ hinreißen lässt, ist aus Hessisch Oldendorf nicht zu erfahren, für wie viele zusätzliche Menschen wirklich ein Dach über dem Kopf vorhanden ist. Hameln und Bad Pyrmont bleiben vage – „noch genügend“ und „ausreichend“.

Kaum eine Gemeinde hat, Stand heute, bezugsfertigen Wohnraum für mehr als 40 Geflohene. Und diese Zahl wird bald überschritten sein, es ist nur eine Frage der Zeit, meint Heike Lüders-Heider von amnesty international in Hameln. Sie sagt, in Hameln sei man „am Ende der Kräfte“ und „sehr überfordert“. Für die Engpässe der Kommunen hat sie dennoch Nachsicht. „Auf so etwas kann man nicht vorbereitet sein.“ Aber es sei auch klar, dass sich Kommunen auf Dauer darauf einstellen müssten, dass es nicht weniger Flüchtlinge werden, sondern mehr.



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