weather-image
22°
Coppenbrügge sucht händeringend Wohnraum für Flüchtlinge

Der Verzweiflung nahe

Coppenbrügge / Salzhemmendorf. „Ich weiß einfach nicht mehr, wo ich sie unterbringen soll!“ Stress bis an den Rand von Hilflosigkeit und Verzweiflung bei der Suche nach Wohnraum für den wachsenden Zustrom von Asylbewerbern sind auch im Rathaus Coppenbrügge und bei dem dort zuständigen Sachbearbeiter Gerrit Ziech wie vielerorts zum kommunalen Tagesproblem geworden. 450 000 Asylbewerber erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mittlerweile bis zum Jahresende. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

veröffentlicht am 30.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 11.08.2015 um 11:44 Uhr

270_008_7750233_lkcs191_3007_Fluechtlingsheim_in_3985979.jpg

Autor:

Ingrid Stenzel

Eine Korrektur der Zahl nach oben ist wahrscheinlich. Und alle brauchen ein Dach über dem Kopf. Vielerorts geht es mitunter nicht mehr ohne Container- und Zeltlager. „Wir allerdings wollen den traumatisierten Flüchtlingen ganz normale Wohnungen als menschenwürdigste Lösung anbieten. Nicht nur, weil irgendwann der Winter kommt“, betont Ziech.

Da kommt im Rathausradio die Meldung, dass der Flüchtlingszustrom nach Deutschland unvermindert weiter zunimmt. „Heißt, die Aufnahmequote wird sich im Acht-Wochen-Turnus mit schöner Regelmäßigkeit weiter erhöhen.“ Und schon flattert die Information auf Ziechs Schreibtisch, dass Coppenbrügge bis zum 31. August insgesamt noch weitere 18 Asylbewerber aufnehmen muss. „Wenigstens eine Vorankündigung“, meint er. Nicht selten bekämen die Asylbewerber im Auffanglager in Braunschweig die Fahrkarte zum Coppenbrügger Bahnhof in die Hand gedrückt und stünden plötzlich ohne jegliche Vorankündigung im Rathaus. Ohne dass Zeit bleibe für den Bauhof, zur Verfügung gestellte Wohnungen wenigstens mit neuer Farbe zu versehen, die Wände zu streichen. Auch ihm erschwere dieser Zeitdruck die Möglichkeit, auf dem „Zweiten Markt“ Standardeinrichtungsgegenstände zu kaufen oder, wenn nötig, auch eine Küche, so Ziech. Aber jetzt, für die nun angekündigten Asylbewerber, die vorwiegend aus dem Balkan in den Coppenbrügger Bereich kommen, habe er absolut keinen Wohnraum.

„Es ist eine Katastrophe!“ Im Gegensatz zu insgesamt 30 Flüchtlingen (19 Erwachsene, elf Kinder), darunter sechs Familien aus Afrika, Syrien, Albanien und Bosnien-Herzegowina, die in den Ortsteilen Coppenbrügge, Behrensen und Herkensen bisher schon untergebracht werden konnten. Manche, wie die Familie Ribic, genießen dankbar, „eine so tolle Betreuung haben wir hier“, absolute Traumlage mit großem Wohnzimmer, wo früher Burgcafégäste den kleinen Schwarzen tranken, direkt gegenüber Burg und Kinderkrippe für Emil (1,5). Mutter Edina engagiert sich in der Ganztagsbetreuung der Grundschule, bringt auch schon mal Gebäck im Rathaus vorbei. „Ein erster Schritt Richtung Integration“, meint Ziech. Damit weitere folgen können, geht seine dringende Bitte an die Bürger, Wohnraum für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Die ortsübliche Miete, ebenso wie die Kosten für die notwendige Standardausstattung und Renovierung, zahle die öffentliche Hand. Diesem Aufruf schließt sich angesichts des anschwellenden Flüchtlingsstroms auch Bürgermeister Clemens Pommerening aus Salzhemmendorf für seine Kommune an – „auch wenn wir aktuell noch auf ausreichend Wohnungsangebote zurückgreifen können. Aber wie lange noch?“

270_008_7749650_lkcs101_3107_1_.jpg
  • Familie Ribic (Husein, Edina und Emil, 1,5) ist glücklich in der Coppenbrügger Schlossstraße. Sie hat eine Unterkunft bekommen. ist

Wer im Bereich der Gemeinde Coppenbrügge Wohnraum zur Verfügung stellen kann, sollte sich mit Gerrit Ziech im Coppenbrügger Rathaus in Verbindung setzen (05156/ 781918). In Salzhemmendorf steht Andreas Hilmer als Ansprechpartner zur Verfügung (05153/80850).

Zeltlager für Flüchtlinge wie hier in München gibt es im Landkreis Hameln-Pyrmont noch nicht – und soll es nach Angaben der Kreisverwaltung auch nicht geben. „Doch wohin mit den Asylbewerbern?“, fragt sich Gerrit Ziech im Coppenbrügger Rathaus. „Ich habe keine Wohnungen mehr und 18 Asylbewerber werden bis Ende August noch kommen.“ dpa



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare