weather-image
28°
Stadt sucht menschenwürdige Unterkünfte für Flüchtlinge

Bloß keine Zelte oder Container

Hessisch Oldendorf. 55 Flüchtlinge haben sich in den ersten sieben Monaten des Jahres im Stadtgebiet niedergelassen. In den nächsten fünf Wochen werden mindestens weitere 21 erwartet. Bis zu ihrer Ankunft weiß niemand mehr von ihnen als Name, Alter und Herkunftsland. Laut Fachbereichsleiterin Margareta Seibert sind die Erstaufnahmestellen „restlos überfüllt“, das größte Problem nicht nur in Hessisch Oldendorf stelle der Wohnraum dar.

veröffentlicht am 01.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 11.08.2015 um 12:41 Uhr

270_008_7751244_lkho101_0108.jpg

Autor:

von Annette Hensel

Hessisch Oldendorf. 55 Flüchtlinge haben sich in den ersten sieben Monaten des Jahres im Stadtgebiet niedergelassen. In den nächsten fünf Wochen werden mindestens weitere 21 erwartet. Bis zu ihrer Ankunft weiß niemand mehr von ihnen als Name, Alter und Herkunftsland. Laut Fachbereichsleiterin Margareta Seibert sind die Erstaufnahmestellen „restlos überfüllt“, das größte Problem nicht nur in Hessisch Oldendorf stelle der Wohnraum dar. „Ob es uns gelingt, menschenwürdige Unterkünfte mit guter öffentlicher Anbindung für alle zu finden?“, fragt Seibert und weist darauf hin: „Sofern die Ankommenden Leistungen nach dem AsylbLG beziehen, werden die Miet- und Nebenkosten vom Landkreis als Mietvertragspartner an den Vermieter überwiesen.“

„Wo stehen wir aktuell in Sachen Flüchtlingshilfe?“ – das war die Leitfrage des dritten Treffens „Hessisch Oldendorf hilft“ (HOH). 23 Personen finden sich ein, darunter auch sieben der vierzehn Teilnehmer vom ersten Integrationslotsen-Kurs. Zwei von ihnen, Willi Sempf aus Rohden und Manfred Mischke aus Segelhorst, berichten von ihren ersten Erfahrungen, als sie zweimal Flüchtlinge in Empfang nahmen. „Man sitzt da am Bahnhof und weiß so gut wie nichts über die Ankommenden“, sagt Sempf und fährt fort: „Ein Dolmetscher ist meist nur bei der ersten Begegnung dabei, danach wird mit Händen und Füßen und Übersetzungen aus dem Handy kommuniziert – die Verständigung ist einfach das größte Problem.“ Nach Wohnungsbesichtigung und Erklären, wie alles darin funktioniert, führten Mischke und Sempf die Flüchtlinge durch die Innenstadt, zeigten Einkaufsmöglichkeiten und begleiteten sie bei ihrem ersten Einkauf.

Als etwas schwierig für sie empfindet Sempf das Abholen der monatlichen Asylbewerberleistung beim Landkreis. „Da muss man sich erst mal im Dschungel der Behörde zurechtfinden“, meint er. Die evangelische Kirchengemeinde hat mittlerweile in Erfahrung bringen können, dass Flüchtlinge ab Herbst auch in Hessisch Oldendorf ihr Geld erhalten können.

Noch fehlt den Integrationslotsen, die ihre Arbeit als Ergänzung zu dem sehen, was die Stadt in Sachen Flüchtlingshilfe leistet, ein Netzwerk, um untereinander Kontakt für gegenseitige Hilfe aufzubauen. Unterstützung könnten sie zukünftig von der HOH-Arbeitsgruppe Patenschaften erhalten, die sich ebenfalls gezielt um Flüchtlinge kümmern und ihnen im Alltagsleben helfen möchte. Außerdem begibt sich die HOH-AG Sprachbarrieren auf die Suche nach Menschen, die bei administrativen oder auch alltäglichen Fragen dolmetschen, manche Mitglieder sind auch bereit, sich selbst um Sprachförderung zu kümmern.

Am produktivsten sind bislang Karsten Hoffmann, Wilfried und Michael Perk von der HOH-AG Technik gewesen: Sie führen eine Demo-Version einer von ihnen erstellten Datenbank vor, mit welcher der Bedarf an materieller wie sozialer Hilfe über eine – noch nicht freigeschaltete – Website öffentlich gemacht werden kann. Wer etwas Gesuchtes anzubieten hat, kann auf den dort angezeigten Bedarf reagieren und sein Angebot eintragen.

Datenbank – wer kann wie helfen

Zugleich sollen sich darüber auch an einer Patenschaft Interessierte melden können sowie Menschen, die bereit wären zu dolmetschen oder die Zustellung von Spendenobjekten an die Flüchtlinge zu übernehmen. Nur die Flüchtlingsbeauftragte Anke Mielke, deren Arbeit mithilfe jenes Konzeptes erleichtert werden soll, wird sich innerhalb ihres Netzes einloggen und die Daten der Personen, die ein Angebot hinterlassen haben, abfragen können. „Diese Datenbank wird uns stadtweit helfen“, sagt Bürgermeister Harald Krüger.

Weitere Vorschläge werden in der Runde gemacht wie Fahrrad- oder Schwimmkurse für Flüchtlinge oder ein wöchentlicher Familientreff zum Austausch und Spielen. Außerdem haben sich Sportvereine gemeldet, die auf ihre Kosten Flüchtlinge am Vereinssport teilnehmen lassen möchten. „Die ganze Truppe ist bereit, etwas zu tun, wenn Flüchtlinge kommen“, erklärt Helmut Klausing für den Seniorenrat der Stadt und die Runden Tische in den Ortschaften. Umgehend bittet der Bürgermeister um Unterstützung der Verwaltung bei der Wohnungssuche. Krüger: „Hierbei sind aber alle aufgerufen, weil wir keine Flüchtlinge in Zelten oder Containern unterbringen möchten.“ Eine Familie, die vergangene Woche in der Kernstadt ankam, musste vorerst mangels Wohnraum in einem Hotel untergebracht werden. Zur Not stehen der Stadt je eine Wohnung über dem Feuerwehrhaus in Großenwieden und über dem Baxmann-Zentrum zur Verfügung.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare