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Hameln-Pyrmont entschädigt Helfer

901 Flüchtlinge leben hier

Hameln-Pyrmont. Die Zahl der Flüchtlinge steigt. Aktuell beziehen 901 Menschen – 485 Männer und 416 Frauen – im Landkreis Hameln-Pyrmont Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Wann der Scheitelpunkt der Flüchtlingswelle erreicht wird, ist noch nicht absehbar. Das stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen. „Noch nie wurde in Deutschland so viel über Willkommenskultur diskutiert“, sagt Martina Kurth-Harms. Umso mehr freut sich die Sozialdezernentin über die Initiativen, Gruppen und Privatpersonen, die sich ehrenamtlich für die Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt engagieren. Dem Einsatz und der Hilfsbereitschaft will der Landkreis – zumindest symbolisch – Rechnung tragen und zahlt deshalb ab August eine Aufwandsentschädigung an qualifizierte Ehrenamtler. Das gab Kurth-Harms auf der jüngsten Sitzung des Kreissozialausschusses bekannt.

veröffentlicht am 11.06.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 11.08.2015 um 16:23 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Integrationslotsen, die eine entsprechende Fortbildung an der Volkshochschule (VHS) Hameln-Pyrmont absolviert haben, sollen in Hameln künftig 40 Euro pro Monat erhalten. Im restlichen Kreisgebiet werden die Lotsen mit 50 Euro monatlich entlohnt, weil der Aufwand für Fahrten zu Behörden „deutlich höher“ sei. Menschen, die sprachliche Vermittlungsaufgaben in der Einzelhilfe übernehmen, erhalten pro zehn Übersetzungen ebenfalls 50 Euro. Auch qualifizierte ehrenamtliche Leiter von Sprachkursen will der Landkreis mit 50 Euro im Monat pro Kurs entschädigen. Die Fortbildung der Sprachlehrer soll zudem vorangetrieben werden. Die Gespräche mit der VHS laufen. Die Auszahlung des Geldes soll drei Monate im Voraus erfolgen und nach Darstellung von Kurth-Harms „möglichst niedrigschwellig“ verlaufen. „Es ist eine Aufwandsentschädigung und keine Vergütung“, betont sie und fügt hinzu: „Es soll eine Wertschätzung und ein Dankeschön für die Arbeit der Ehrenamtlichen sein.“ Sieglinde Patzig-Bunzel (SPD) begrüßt die Entscheidung, mit der den Engagierten in der Flüchtlingshilfe „eine gewisse Anerkennung“ zugesprochen werde. Das Engagement der Menschen sei „mehr als zu loben“, meint die ehemalige Landtagsabgeordnete Ursula Körtner (CDU), die aber auch den Einsatz des Landkreises würdigt, der sich der Flüchtlingsproblematik gut annehme.

Zufrieden zeigt sich Kurth-Harms auch mit der Organisation der Ehrenamtlichen. „Mittlerweile gibt es in allen Städten und Gemeinden des Landkreises Runde Tische“, sagt sie erfreut. In Bad Münder, Bad Pyrmont und Hameln wurden ehrenamtliche Integrationslotsen ausgebildet. In Hessisch Oldendorf ist in der vergangenen Woche ein neuer Kurs gestartet, in Aerzen findet am 15. Juni eine entsprechende Infoveranstaltung statt.

Den Einsatz der Ehrenamtlichen will der Landkreis noch auf andere Weise unterstützen. So sollen die Integrationslotsen bald Checklisten für die Betreuung und Behördengänge erhalten. Den Flüchtlingen will die Dezernatsleiterin für den Bereich Inklusion, Bildung, Jugend und Soziales bei ihrer Ankunft ein kleines Willkommenspaket an die Hand geben, auf dem mittels Piktogrammen verschiedene Verhaltensweisen in Deutschland erklärt werden. Auch eine Infobörse für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer ist in Planung, sagt Kurth-Harms.

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Damit weiterhin das Prinzip der dezentralen Unterbringung erfüllt werden kann, hatte der Landkreis im März eine großangelegte Werbeaktion gestartet und tritt bei der Suche nach Wohnraum für die ankommenden Menschen auch selbst als Mieter auf. Ein entsprechender Mustervertrag wurde erarbeitet, Plakate in den Gemeinden aufgehängt und eine zentrale Kontaktnummer für private Vermieter installiert – und die Kampagne zeigt erste Erfolge. „Wir haben in den vergangenen Wochen 16 neue Mietverträge für über 50 Flüchtlinge abgeschlossen“, berichtet Kurth-Harms. Die Mietkosten seien dadurch nicht höher als „auf dem ursprünglichen Weg“, erklärt die Sozialdezernentin auf Nachfrage von Gerhard Paschwitz (CDU). „Die Kosten werden anhand des Mietspiegels errechnet“, sagt sie.

Große Sorgen bereitet dem Kreissozialausschuss die Finanzierung der Flüchtlingshilfe. „Derzeit ist der Zuspruch in der Bevölkerung groß. Aber die Stimmung könnte sehr schnell kippen“, mahnt Körtner. Auch Kurth-Harms wies auf die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben hin. Die vom Land Niedersachsen in Aussicht gestellten 40 Millionen Euro Finanzhilfe wertet sie als gutes Zeichen, stellt jedoch auch klar: „Das reicht noch nicht.“ Man müsse abwarten, wie die Kosten im Haushalt abgefedert werden könnten, meint Kurth-Harms.



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