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Kritik an neuem Vorschlag

Umstrittene Schrumpfkur für die Bücherei

Hameln (bha). Auf Unverständnis ist der jüngste Vorschlag der Ratspolitiker Ursula Wehrmann und Claudio Griese bei der Bibliotheksgesellschaft Hameln gestoßen. Sie hatten in einem Gespräch mit der Dewezet laut darüber nachgedacht, eine Etage der Stadtbücherei in der Pfortmühle zu schließen – zum einen, um zu sparen; zum anderen, um dort Ausschusssitzungen abzuhalten.

veröffentlicht am 07.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 19:06 Uhr

Für Jürgen C. Kruse vom Bibliotheksverein stellt sich das Gedankenspiel als „unsinniger Vorschlag“ dar. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, der sich unter anderem die Unterstützung der Büchereien zur Aufgabe gemacht hat, kennt die Überlegungen zum Sparen rund um die Buch-Ausleihe bereits seit Jahren. Er greift den Gedanken auf: Wenn, dann träfe es die obere, dritte Etage – „wo sollen die Bücher denn hin?“, fragt er. Um die komplette Belletristik (17 000 Bände) auf die anderen Ebenen zu verteilen, reiche der Platz nicht. Schon jetzt sei die Bücherei eingeschränkt durch den Einzug des Stadtarchivs, das die Hälfte der dritten Etage belegt. Die theoretische Alternative, auf das komplette Angebot der Belletristik zu verzichten, ist laut Kruse keine. Mehr als 50 000-mal jährlich wird laut Stadtverwaltung aus dieser Abteilung ausgeliehen. Gerade für Schüler, die im Unterricht Bücher diskutierten, seien sie unentbehrlich, sagt Kruse. Die immer wieder aus der Taufe gehobenen Sparpläne für Bücherei, Theater und Jugendmusikschule bezeichnet Kruse als „kulturellen Ausverkauf“.

Auch aus der Stadtverwaltung kommt Gegenwind: „Bei einer Schließung der halben dritten Etage würde der Medienbestand weiter komprimiert und einen ähnlich beengten Eindruck vermitteln wie seinerzeit im Hochzeitshaus“, erklärt Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln. Die bibliothekarische Beratung, die derzeit im dritten Stock stattfindet, müsste weiter besetzt werden, „es sei denn, man nimmt einen Rückgang der Bibliotheksbenutzung bewusst in Kauf und verzichtet auf den Beratungsplatz“, sagt Wahmes.

Grünen-Fraktionschefin und stellvertretende Sprecherin der schwarz-grünen Koalition Ursula Wehrmann sieht indes keinen anderen Weg als jenen, gerade auch die Kosten für die Bücherei noch einmal genau zu prüfen. Der Zuschussbedarf betrage jährlich 792 000 Euro und habe sich nicht reduziert. Im Gegenteil: 2004 habe er noch 750 000 Euro betragen. Anders als die Jugendmusikschule, die, so Wehrmann, konsequent gespart habe und mit inzwischen 80 000 Euro pro Jahr weniger auskomme als vor der Konsolidierung, sei bei der Stadtbücherei so gut wie nichts passiert. Wahmes widerspricht: Seit 2004 seien 1,3 Stellen dauerhaft eingespart worden, und zwei weitere sollen folgen. Letzteres sei das Ergebnis der aufgabenkritischen Untersuchung, die 2010 in der Verwaltung vorgenommen worden sei, mit dem Ziel, zu sparen. Insgesamt stünden 25,75 Stellen auf der Liste, was einem Betrag von 1,077 Millionen Euro entspreche.

Nach dem 18. Januar, wenn der Haushalt in den Rat eingebracht wird, werde es Gespräche mit dem Leiter der Bibliothek und den Mitarbeitern geben, in denen gemeinsam überlegt werden solle, wie weiter gespart werden kann, kündigt Wehrmann an. Allerdings, räumt sie ein, sei der Vorschlag zur Schließung einer Etage nur ein spontan geäußerter Gedanke gewesen. „Es stecken noch keine weiteren Überlegungen dahinter.“ Der unausgegorene Gedanke umfasst neben der von der Mehrheitsgruppe erwünschten Senkung des Zuschussbedarfs die Idee eines neuen Sitzungssaales, der für Bürger leichter zugänglich ist.

Der zehnte Stock des Rathauses, der ab dem 9. Stock nur über Treppen erreichbar ist, grenzt vor allem Gehbehinderte aus. Vor einigen Monaten ist bereits das Hochzeitshaus als neue Heimat für Sitzungen ins Gespräch gebracht worden. Und auch der komplette Umzug der Bücherei ins Hochzeitshaus war von der CDU in der vergangenen Legislaturperiode vorgeschlagen worden, wofür der Fraktionsvorsitzende Claudio Griese harsche Kritik einsteckte. Der dann notwendige Umbau des Hochzeitshauses würde immerhin „um 600 000 bis eine Million Euro kosten“. Letztlich werde die Einrichtung, die die Mehrheitsgruppe auf jeden Fall erhalten wolle, mit einem niedrigeren Zuschuss auskommen müssen, kündigt Griese an.

Die Stadtbücherei in der Pfortmühle: 127 000 Bücher und andere Medien hat sie im Bestand, im vergangenen Jahr wurde 411 000-mal etwas ausgeliehen. Am Fortbestand der Bücherei rüttelt die Mehrheitsgruppe nicht, wohl aber an der hohen Bezuschussung durch Steuermittel.

Foto: Wal



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