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Nürnberger Architektenbüro kann mit der Generalplanung der neuen Sporthalle Nord beauftragt werden

Streit nur um energetische Ausstattung

Hameln. Städtebaulich passt sich der prämierte Entwurf für den Neubau der Sporthalle Nord des Planungsteams „raum3 architekten“ bestens in die Umgebung ein – da waren sich alle Mitglieder der beiden Ratsausschüsse für Stadtentwicklung sowie für Kindertagesstätten, Schulen und Sport einig. Diskussionen gab es bei der gestrigen Ausschusssitzung hingegen über die energetische Ausstattung des Neubaus. Nach einer mit vielen Zahlen gespickten Darlegung von Dipl-Ing. Architekt Carsten Bremer vom Braunschweiger Unternehmen Energydesign zog Ursula Wehrmann den zuvor gestellten Antrag zurück, die Sporthalle Nord energetisch als Passivhaus zu errichten.

veröffentlicht am 22.02.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.03.2013 um 10:26 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Bremer hatte den beiden Ausschüssen erklärt, dass ein Bau im Passivhaus-Standard sich bei Mehrkosten von mindestens 137 000 Euro und einer Einsparung von etwa 48 000 Kilowattstunden (kWh) frühestens nach 25 Jahren amortisiere. Den gleichen Effekt könne man dagegen mit der Installierung einer 30-Quadratmeter-Photovoltaikanlage erzielen, die genau diese Menge an Strom erzeuge, aber mit rund 7000 Euro viel weniger koste. Würde für die 137 000 Euro eine Photovoltaikanlage in einer Größenordnung von 600 bis 650 Quadratmetern auf die Sporthalle gepackt, könne die Stadt sogar einen jährlichen Reinertrag von 5000 Euro bis 5500 Euro erzielen und rund vier Millionen kWh an Primärenergie einsparen. Den für den Architektenwettbewerb vorgeschriebenen energetischen Standard von 30 Prozent weniger Energieverbrauch als nach der Energieeinsparungsverordnung von 2009 vorgesehen, erreiche der Neubau in der von den Architekten vorgesehenen Ausstattung mit Dreifachfenstern und 16 bis 18 Zentimetern Wärmedämmung problemlos. Wenn aber auf den vorhandenen Flächen mehr Energie produziert werde, statt die Dämmung noch auf 30 Zentimeter zu verstärken, werde mehr Energie produziert als das Haus verbraucht.

Für Herbert Habenicht (FDP) war dies gleichwohl kein Grund, plötzlich Zustimmung in der einen oder anderen Richtung zu signalisieren. „Woher sollen denn die 137 000 Euro kommen?“, fragte er, „die sind im Haushalt nicht eingeplant“. Bremers Zahlen belegten dagegen, dass ein Bau mit Passivhaus-Standard „Quatsch“ sei. Die derzeitige Planung sei „vernünftig“. Was unverzüglich den grünen Ratsherrn Rainer Sagawe auf den Plan rief und ihn – das allerdings nicht mit der Gruppe abgestimmt – fordern ließ, nicht länger über das Passivhaus nachzudenken, das ohnehin nicht der letzte technische Standard sei, sondern ein „Energieplushaus“ zu bauen, das erste dieser Art in Hameln.

Ursula Wehrmann (Grüne) kündigte im Verlauf der Debatte an, dass die Gruppe und ihre Fraktion sich aufgrund des Vortrags von Bremer noch einmal zusammensetzen würden, um erneut zu rechnen und weiter zu recherchieren. Was aber nicht bedeute, „dass wir jetzt auf ein Passivhaus verzichten“. Und nichts hindere den Rat daran, eine Photovoltaikanlage zu installieren. Die letzte Entscheidung über derartige Details werde dann im Verwaltungsausschuss gefällt.

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Der Auffassung von Karin Echtermann (SPD), ein Passivhaus bedeute höhere Folgekosten wegen eines Mehraufwands bei der Wartung, widersprach Rainer Sagawe. Die technische Ausstattung bleibe mit einer Lüftung und der damit verknüpften Wärmerückgewinnungsanlage unverändert, weshalb keine höheren Kosten entstehen könnten.

Offen ist, was die neue Sporthalle Nord am Ende kosten wird. Das könne einigermaßen realistisch erst nach der Detailplanung und ganz konkret erst nach Eingang der Ausschreibungsangebote errechnet werden. Dann müsse der Rat ohnehin entscheiden, ob das Projekt in der vorgesehenen Form verwirklicht werde oder an der einen oder anderen Stelle Abstriche gemacht werden müssten, erklärte Volker Mohr für das Bauamt der Stadt, der auch bereits von einigen Nachbesserungen im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf berichtete. So sei inzwischen beispielsweise auch ein Aufzug und ein energetisch wichtiger Windfang für den Eingangsbereich eingeplant. Als frühestmöglichen Einweihungstermin nannte Mohr auf die Frage des Kreissportbundvorsitzenden Fred Hundertmark den Herbst 2014. Und das sei schon „sehr ambitioniert“.

Einstimmig sprachen sich beide Ausschüsse dafür aus, das Planungsbüro „raum3 architekten“ aus Nürnberg mit der Generalplanung des Neubaus zu beauftragen.



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