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642 600 Euro für Lifte und dichtes Dach

Rathaussanierung beginnt mit den Fahrstühlen

Hameln (ni). In den frühen Siebzigern war es der Luxus schlechthin: Wer im Hamelner Rathaus zu tun hatte, konnte Fahrstuhl fahren – bis hinauf in die neunte Etage. Das geht auch heute noch – allerdings längst nicht mehr so reibungslos wie vor 40 Jahren. Die altersschwachen Aufzüge fallen immer öfter aus und bringen mit ihrer zunehmenden Störanfälligkeit nicht nur den Behördenalltag durcheinander, sondern stellen auch die Techniker vor Probleme: Ersatzteile für die Veteranen unter den Liften werden knapp. Einen Ausweg aus der Bredouille hat jetzt die Verwaltung vorgeschlagen und dafür sogar einhellige Zustimmung vonseiten der Politik geerntet. Sie will – und wird – die beiden Fahrstühle im Hochhaus noch dieses Jahr erneuern und damit den Startschuss für die schon überfällige Rathaussanierung geben.

veröffentlicht am 02.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:24 Uhr

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Mitte Juni und unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, Volker Mohr, die Politik darüber informiert, welche Sanierungsmaßnahmen aus dem ganzen Paket von Notwendigkeiten er für vordringlich hält – nämlich die Erneuerung der Fahrstühle und die Sanierung des Flachdachs über einem Teil des 9. Obergeschosses sowie über dem 10. Stockwerk. Für beides würde das Geld reichen, das schon 2009 und 2010 für die Rathaussanierung im Haushalt etatisiert, aber nicht ausgegeben wurde. Auf 642 600 Euro belaufen sich diese „Haushaltsreste“, wie die Mehrheitsgruppe aus CDU, Grünen und Unabhängigen bei der Ratssitzung im März vorgerechnet und gefordert hatte, den gesamten Betrag in diesem Jahr entsprechend seiner Zweckbestimmung zu investieren.

Für Mohr haben die Aufzüge unbedingte Priorität. In den letzten Monaten häuften sich die Defekte. Teilweise habe je ein Aufzug aus Sicherheitsgründen einige Tage, aber auch bis zu zwei Wochen stillgelegt werden müssen, heißt es dazu in einem Papier der Verwaltung, das der Redaktion vorliegt. An Ersatzteile zu kommen, sei „nur noch schwer möglich“. Mal setzen sich die Fahrstühle gar nicht erst in Bewegung, mal ließen sich die Kabinentüren nicht öffnen. Und beim „Ermüdungsbruch einer Schraube an der Bremse“ sei ein Lift zwischen zwei Etagen hängengeblieben und hätten die darin eingeschlossenen Menschen „gerettet“ werden müssen. Glücklicherweise sei bisher immer nur ein Aufzug ausgefallen, „was sich jedoch schon beeinträchtigend auf den Betrieb des Hochhauses ausgewirkt hat“. Müssten einmal beide Fahrstühle stillgelegt werden, wäre vernünftiges Arbeiten im Rathaus nicht mehr gewähreistet.

Dass die alten Fahrstuhlschächte für den Einbau neuer Lifte genutzt werden können, in denen dann sogar Rollstuhlfahrer genug Platz haben, geht aus dem Sanierungskonzept für das Hamelner Rathaus hervor, das das Architekturbüro „hertrampf+brokate“ im Auftrag der Stadt bereits Ende 2010 erstellt hat. Auch die Einbindung des bisher nur über eine Treppe erreichbaren Sitzungssaales im 10. Stock ist danach „mit relativ geringem Aufwand“ möglich.

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  • Hinter der 1989 sanierten Fassade des Hamelner Rathauses verbergen sich noch viele Mängel.

Dem Schriftstück der Verwaltung ist außerdem zu entnehmen, warum die Dächer über der 9. Etage sowie über dem Sitzungssaal im 10. Stock noch in diesem Jahr saniert werden sollen: Nach einem Wassereinbruch vor einigen Monaten haben Fachleute die Flachdächer genauer in Augenschein genommen und ihnen ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt. Das Dach über dem 9. Stockwerk stamme noch aus der „Entstehungszeit“ Anfang 1960, das über dem Sitzungssaal sei vor mehr als 20 Jahren mit einem Flüssigkunststoff beschichtet worden, „der sich derzeit in Auflösung befindet“.

Alt und darum dringend erneuerungsbedürftig seien zudem die Fenster des Sitzungssaales, die darum laut Vorschlag der Verwaltung im Zuge dieser ersten Sanierungsetappe gleich mit ausgetauscht werden sollen. Eine neue Lüftungsanlage, die Ausstattung mit moderner Medientechnik, einen neuen Fußbodenbelag und eine Modernisierung der Toiletten im 10. Stock gibt das Budget von 642 600 Euro nicht mehr her. Diese Maßnahmen stehen auf der Liste für nächstes Jahr, sofern die Politik entsprechende Mittel bewilligt. Die Absicht dazu haben die Fraktionen schon vor zwei Jahren bekundet, als sie sich auf einen Sanierungsfahrplan für das Rathaus verständigten. Er sieht einen Zeitrahmen von fünf Jahren vor, in denen nach und nach die für Brandschutz und Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Funktionalität erforderlichen sieben Millionen Euro in den Hamelner Behördenbau investiert werden sollen.

Verweigern ihren Dienst immer öfter: die beiden Fahrstühle im Hamelner Rathaus.

Fotos: Dana



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