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Royal Engineers verlassen Hameln „nicht vor Oktober 2015“ / Soldaten sauer auf britische Regierung

Hamelner Pionierregiment wird aufgelöst

Hameln. Das an der Hamelner Süntelstraße stationierte „28 Engineer Regiment“ der britischen Armee wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Das Pionierregiment, das im April 1970 in Hameln gegründet wurde, wird komplett aufgelöst. Die etwa 700 Soldaten blicken in eine ungewisse Zukunft. Sie sollen auf andere Einheiten verteilt oder entlassen werden. Die Königlichen Pioniere – Queen Elizabeth II. ist Ehrenoberst der Royal Engineers – werden Hameln aber nicht vor Oktober 2015 verlassen. Diese Informationen der Dewezet hat gestern Armeesprecher Mike Whitehurst bestätigt.

veröffentlicht am 10.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2013 um 13:23 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann

Aus Kostengründen werden die britischen Landstreitkräfte verkleinert. „Bis 2020 sollen 20 000 Soldaten entlassen werden“, berichtet Whitehurst. Die angepeilte Sollstärke liege bei 82 000. Der Weggang der Einheit aus Hameln bedeute nicht unbedingt die sofortige Aufgabe der Liegenschaften, hieß es. Denn denkbar sei, „dass in den Jahren bis 2020 andere Soldaten in Hameln Zwischenstation machen werden“. Geplant sei das allerdings derzeit nicht. Die Pioniere aus Hameln sind nach Angaben von Whitehurst die einzigen in der britischen Armee, die über Amphibienfahrzeuge verfügen. Das Gerät werde vermutlich nicht mehr gebraucht, sagte der Presseoffizier. Gerüchten zufolge sollen die tonnenschweren Brücken-Fahrzeuge nach Großbritannien gebracht und dort an Reservisten übergeben werden.

Die Frauen und Männer des „28 Engineer Regiment“ waren in den vergangenen Jahren auf dem Balkan, im Irak und in Afghanistan im Einsatz. Anfang 2010 starb ein in Hameln stationierter Familienvater (34) in Afghanistan durch eine Sprengfalle. Der Sergeant hinterließ Frau und zwei Kinder.

Nach der Ankündigung der britischen Regierung könnten sich nun Armeeplaner mit den Abzugsplänen aus Deutschland befassen. Mit ersten Details werde nicht vor 2013 gerechnet. Nach dem Plan des Verteidigungsministeriums in London sollen laut Whitehurst 17 Bataillone gestrichen und sogar historische Regimenter mit jahrhundertelanger Geschichte aufgelöst werden.

Die Pläne der britischen Regierung sind von den Hamelner Soldaten und ihren 500 Angehörigen mit Bestürzung aufgenommen worden. „Wir sind sehr wütend“, sagt ein Unteroffizier, der seinen Namen nicht nennen möchte, weil er keinen Ärger bekommen will. „Denen da oben geht es doch nur ums Geld. Unsere Tradition ist den Politikern völlig egal.“ Ein Sergeant meint: „Die sparen sich auf unsere Kosten gesund. Hauptsache, die Bücher sind in Ordnung. Um mehr geht es doch nicht.“ Die Auflösung des 28. Pionierregiments sei „extrem unfair“, meint ein junger Wasserpionier. „Behandelt man so Menschen, die für ihr Land im Krieg ihre Köpfe hinhalten und ihr Leben riskieren? Die Antwort ist: Nein!“

Viele Soldaten und ihre Familien sind traurig. „Hameln ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden. Es tut weh, auf diese Weise vor die Tür gesetzt zu werden“, sagt die Ehefrau eines Soldaten.

Bei Facebook hat jemand das Regimentszeichen eingestellt. Darunter stehen drei Buchstaben: R.I.P. – Requiescat in pace (Ruhe in Frieden).

Hamelner Pionierregiment wird aufgelöst Abzug „nicht vor Oktober 2015“

Die britische Fahne wird in Hameln eingeholt – spätestens 2020.Foto: Wal



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