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Ortsvorsteher drängen auf Messung

Sind die Windräder auf dem Pyrmonter Berg zu laut?

Pyrmonter Bergdörfer. Nicht die Optik der Windräder stört viele Bewohner der Pyrmonter Bergdörfer, sondern vor allem auch die Geräusche, die die Rotoren verursachen. Darum drängen alle fünf Ortsvorsteher der Pyrmonter Bergdörfer gemeinsam seit geraum Zeit auf Lärmmessungen. Doch die lassen auf sich warten.

veröffentlicht am 03.08.2018 um 11:25 Uhr
aktualisiert am 03.08.2018 um 12:00 Uhr

Bei den Lärmemissionsmessungen wird auch die Nähe der Windenergieanlagen zu den Ortschaften eine Rolle spielen. Die ist in einigen Pyrmonter Bergdörfern gegeben, auch wenn diese Aufnahme aus Baarsen mit dem Teleobjekt einen scheinbar geringeren Absta
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Michael Thielke, Ortsvorsteher in Neersen, hat grundsätzlich nichts gegen Windräder. Aber seiner Meinung nach stehen sie nach einfach zu dicht am Ort. Nach Thielkes Zählung stehen alleine in den Gemarkungen von Neersen und Baarsen 10 Anlagen, 4 in der Gemarkung Vahlbruch und jeweils 8 in Lichtenhagen und Ottenstein. Macht zusammen 30 Windenergieanlagen. Nicht nur an der Optik stören sich viele Bewohner der Pyrmonter Bergdörfer, sondern vor allem auch an den Geräuschen, die die Rotoren verursachen.

Neben Eichenborn sei besonders Neersen betroffen, weil der Wind meistens aus Südwesten und damit genau auf den Ort zu wehe, berichtet Thielke. Dass dies unangenehm werden könne, habe er selber im Zimmer seiner Tochter erfahren müssen. „Wenn das Zimmerfenster geschlossen war, dann hat es geklopft, als würde jemand mit einem Vorschlaghammer auf Stein schlagen. Wenn wir das Fenster aufgemacht haben, dann hörte man nur noch die Luftgeräusche des Rotors.“

Die Probleme gehen offenbar von Windrändern aus, die in den letzten zwei bis fünf Jahren montiert und in Betrieb genommen wurden. „Weil aber bereits alte Windräder vorhanden waren, wurde bei den zuletzt errichteten Anlage eine Drosselung in der Genehmigung festgesetzt“, erläutert der Ortsvorsteher. Diese Drosselung sei weggefallen, weil drei alte Windräder abgebaut wurden, die nicht den beantragten Genehmigungen entsprochen hätten. „Leider ist die Drosselung, so wie ich es verstanden haben, erst nach dem Abbau der alten Anlagen entfernt worden, ohne vorher die Lärmemission zu prüfen.“

„Als würde jemand mit einem Vorschlaghammer auf Stein schlagen“, meint Michael Thielke, Ortsvorsteher in Neersen. Foto: uk
  • „Als würde jemand mit einem Vorschlaghammer auf Stein schlagen“, meint Michael Thielke, Ortsvorsteher in Neersen. Foto: uk

Neersens Ortsvorsteher hat sich die Anlagen genau angesehen. „Aufgefallen ist mir, dass sich die Rotorblätter dichter an den Mast biegen als ich das bei anderen Anlagen zum Beispiel in Coppenbrügge gesehen habe. Je näher sie am Mast sind, desto lauter wird es“, hat er festgestellt. Auch die Dorfbewohner seien schon einmal gebeten worden, ihre Erfahrungen zu notieren.

Doch belastbar ist das nach den Vorgaben der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) natürlich nicht. Darum drängen alle fünf Ortsvorsteher der Pyrmonter Bergdörfer gemeinsam seit geraum Zeit auf Lärmmessungen. Die Messpunkte sind mittlerweile ausgesucht worden, doch die Messung selber lässt auf sich warten.

„Die Betreiber wurden von uns aufgefordert, durch ein zertifiziertes Schallmessinstitut Emissions- und Immissionsmessungen durchführen zu lassen, um zu prüfen, ob die in den Genehmigungen festgelegten Grenzwerte eingehalten werden“, gibt die Pressesprecherin des Landkreises Hameln-Pyrmont, Sandra Lummitsch, dazu Auskunft. „Es liegen uns zwei Angebote vor, allerdings steht die Entscheidung noch aus, welcher Anbieter die Messungen durchführen soll. Auch aufgrund der Urlaubszeit wird diese wohl erst in den kommenden Wochen fallen.“ Anschließend werde vom beauftragten Institut ein Messplan aufgestellt, der vom Kreis genehmigt werden müsse. „Die Kosten der Messungen tragen die Betreiber“, so die Sprecherin. Wann schließlich gemessen werden könne, hänge vom Wetter ab. „Genaue Vorhersagen sind erst wenige Tage vor Beginn der Messungen möglich“, erläutert sie. Wie viele der baugleichen Anlagen vermessen werden, stehe noch nicht fest. Dies werde erst im Messplan festgelegt. Hier spiele mit Sicherheit auch die Nähe der Anlagen zu den Ortschaften eine Rolle.

Sollten Anlagen zu laut sein, wäre der Landkreis am Zug. Zum Beispiel könnte eine Drosselung der Leistung angeordnet oder eine andere technische Nachrüstung verlangt werden, um die Anlagen leiser zu machen. Für die Betreiber wäre eine Drosselung natürlich misslich. Sie haben sich die Hochebene bewusst ausgesucht, weil die Standorte eine optimale Windausbeute versprechen. Allerdings wäre das immer noch besser als eine Stilllegung. „Das wäre die allerletzte und härteste Konsequenz“, so Lummitsch. „Aber es wäre unverhältnismäßig, eine Anlage still zu legen, wenn ein genehmigungskonformer Betrieb auch durch andere Maßnahmen erreicht werden könnte.“

Einige der Windräder stehen auf dem Gebiet des Landkreises Holzminden. Für die ist der Landkreis Hameln-Pyrmont laut Lummitsch aber nicht zuständig. „Wir können Messungen nur für die von uns genehmigten Anlagen anordnen und durchführen lassen“, betont sie.

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg muss die Stadt ihren Flächennutzungsplan überarbeiten und nachweisen, dass für die Nutzung von Windenergie auch angesichts der Konzentration auf der Hochebene substanziell Raum gewährt wird. Bis es soweit ist, wird der Landkreis keine neuen Anlagen genehmigen. „Im Umweltamt ruht derzeit die Bearbeitung von sieben Anträgen“, teilte die Kreissprecherin mit. Zwei dieser Anträge betreffen die Germarkung Hagen, gleich fünf die Gemarkung Eichenborn.



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