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...anbauen aber verboten ist

Warum Peter K. Cannabis legal kaufen darf

HAMELN. Peter K. aus Hameln ist krank, schwer krank sogar. Deshalb ist einer von nur 647 Patienten, die bundesweit eine Erlaubnisse für den legalen Bezug von Cannabisblüten und -extrakten zur medizinischen Anwendung erhalten haben. Cannabis war auch der Grund, warum K. in der letzten Woche unangemeldeten Besuch von der Polizei erhielt.

veröffentlicht am 25.01.2017 um 16:42 Uhr

Unter diesem Zelt wachsen 14 Hanfpflanzen. Ebensoviele wurden in Hameln sichergestellt. Foto: dpa
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Der 35-jährige Peter K. (Name von der Redaktion geändert) leidet an mehreren Krankheiten, wie er selbst sagt. Er sei zu hundert Prozent schwerbehindert, habe täglich mit starken Schmerzen zu kämpfen. K. setzt auf Cannabisarzneimittel als Therapie. Der Hamelner ist ein Ausnahmefall. Er ist einer von nur 647 Patientinnen und Patienten, die bundesweit eine Erlaubnisse für den legalen Bezug von Cannabisblüten und -extrakten zur medizinischen Anwendung erhalten haben.

Cannabis war auch der Grund, warum K. in der letzten Woche unangemeldeten Besuch von der Polizei erhielt. Beamte waren in seine Wohnung gestürmt, hatten dem Hamelner ruckzuck Handschellen angelegt und sein Schlafzimmer auf den Kopf gestellt. Die Beamten suchten nach Drogen. Sie wurden fündig, beschlagnahmten 14 Hanfpflanzen. Auch ein zur Aufzucht der Pflanzen notwendiges Zelt und eine 250 Watt starke Natriumdampflampe sollen die Polizisten mitgenommen haben.

K. macht der Polizei Vorwürfe. „Fünfmal habe ich nach einem Durchsuchungsbeschluss gefragt. Gezeigt haben sie mir den nicht. Ein Sicherstellungsprotokoll habe ich auch nicht erhalten“, sagt der Hamelner. Auch seinen Anwalt habe der gefesselte K. trotz Nachfragen nicht anrufen dürfen, meint er. Und einem Gast, der sich in der Wohnung aufhielt, sollen die Beamten verweigert haben, als Zeuge der Wohnungsdurchsuchung beizuwohnen, wie K. mitteilt. „Das kann nur reine Schikane von der Polizei gewesen sein“, ist sich der 35-Jährige sicher.

Dass es zu der Wohnungsdurchsuchung gekommen ist, bestätigt die Polizei. Zu den Vorwürfen will man sich derzeit nicht äußern. „Es ist eine Beschwerde eingegangen, daher können wir zu Details keine Auskünfte geben“, sagt Polizeisprecher Jens Petersen.

Bei einem vorangegangenen Einsatz hatten Beamte Wind davon bekommen, dass der 35-Jährige in einem verschlossenen Zimmer mutmaßlich Cannabis anbaute. Bei ihren Ermittlungen bemerkten Kripobeamte, dass der Mann zum Anbau benötigte Materialien kaufte. Die Verdachtsmomente reichten aus, um einen richterlichen Beschluss zur Wohnungsdurchsuchung zu erwirken.

„Auch wenn eine ärztliche Verordnung zum Konsum von Betäubungsmittelprodukten aus medizinischer Sicht vorliegt, bleibt der eigene Anbau von entsprechenden Pflanzen, aus denen entsprechende Produkte hergestellt werden könnten, in den meisten Fällen strafbar“, teilt Petersen auf mit. Gegen den Beschuldigten wurde ein entsprechendes Strafverfahren wegen des Verstoßes nach dem Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Dass er trotz der ärztlichen Ausnahmegenehmigung selbst keine Hanfpflanzen anbauen darf, weiß auch K.. Das ist illegal. Er wurde bereits in einem anderen Verfahren wegen Anbaus von Cannabis zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch wenn Peter K. vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Erlaubnis zum legalen Bezug von Cannabisprodukten hat: Zahlen muss er dafür selbst.

Peter K. ist bei einem Mediziner einer privatärztlichen Praxis in Behandlung und erhält Privatrezepte. Um seinen Bedarf decken zu können, muss der Kranke rund 1300 Euro im Monat aufbringen. Für Peter K. zu viel. „Ich bekomme eine Grundsicherung von 270 Euro, dazu noch 170 Euro monatliche Rente. Wenn ich selbst anbaue, kostet mich das keine 50 Euro im Monat“, begründet der Mann den verbotenen Anbau.

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung mit Cannabisarzneimitteln ist die Qualität der Pflanzen und Pflanzenextrakte. Patienten benötigen Cannabis in einer standardisierten Qualität. Seine Gewächse habe er aus einer Mutterpflanze gezogen, sagt K. „Die war genetisch auf mich abgestimmt“, so der Erkrankte. Bei Drogendealern wollte er nicht kaufen, sagt der Hamelner. „Ich habe auch nie etwas von meinen Pflanzen verkauft. Das wäre jetzt der letzte Durchgang gewesen“, beteuert K..

Grund für Ks. Optimismus: Im Januar hat der Bundestag beschlossen, Cannabis als Medizin in begründeten Einzelfällen zuzulassen. Das Gesetz regelt den Einsatz von Cannabisarzneimitteln und soll im März in Kraft treten. Zur Versorgung schwerkranker Menschen, denen nicht anders geholfen werden kann, sollen die Kosten für die Mittel künftig von Krankenkassen übernommen werden.

Eine Ausnahmeerlaubnis vom BfArM soll dann nicht mehr nötig sein. Patienten, die keine Therapiealternative haben, können dann nach Verordnung durch den Arzt getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte in standardisierter Qualität in der Apotheke erhalten. Für die Versorgung mit Arzneimitteln in standardisierter Qualität soll der Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland ermöglicht werden. Bislang wird importiert. Peter K. hofft nun, dass er einen von gesetzlichen Krankenversicherungen und Ersatzkassen zugelassenen Arzt im Raum Hameln findet, der ihn behandelt.



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