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Mehrere Menschen berichten von eigenartigen Himmelsphänomenen

Ufos über Klein Berkel - Was strahlt da so hell?

HAMELN. Ehrenfried Lucke aus Klein Berkel traute seinen Augen kaum, als er am frühen Abend von seinem Balkon in Richtung Westen schaute und „einen unheimlich hellen Himmelskörper“ sah. Eine Erklärung hatte der Apotheker für die zwei Leuchtpunkte nicht. Supernova, Ufo, Raumstation oder ein Stern? Der Astronom Ralf Kratzke, Dozent an der Sternwarte Bochum, kennt des Rätsels Lösung.

veröffentlicht am 27.01.2017 um 16:18 Uhr
aktualisiert am 27.01.2017 um 17:00 Uhr

Supernova, Ufo, Raumstation, Suchhubschrauber oder ein Stern? Ein stark strahlender Leuchtpunkt am westlichen Abendhimmel lässt viele Menschen rätseln. Er ist mindestens siebenmal heller als alle anderen Planeten und Sterne. Ehrenfried Lucke aus Klei
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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„Es sah aus, als würde der Leuchtpunkt aus zwei Teilen bestehen, war viel größer als die Sterne um ihn herum“, erzählt der Inhaber der Sonnen-Apotheke. Er habe keine Erklärung für das Phänomen, sagt der Apotheker. „Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen.“ Lucke machte Fotos von dem Objekt. Der Astronom Ralf Kratzke, Dozent an der Sternwarte Bochum, kennt des Rätsels Lösung. „Gerade jetzt haben wir wieder viele Nachfragen von Bürgern, die wissen wollen, was da am abendlichen Himmel strahlt“, sagt der Experte. Das helle Objekt werde für eine Supernova (Explosion eines Sterns), für ein Ufo, die internationale Raumstation ISS gehalten. „Einige Anrufer glauben, sie hätten einen Polizeihubschrauber bei der Verbrecherjagd beobachtet“, erzählt Kratzke. Der heimische Astronom Dr. Peter Stöver, der seit vielen Jahren für die Dewezet unseren Lesern den Sternenhimmel erklärt, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ja, es stimmt: Alle paar Jahre häufen sich im Frühjahr die Anrufe von Bürgern bei Sternwarten und Zeitungsredaktionen.“

Dabei handelt es sich schlicht um die Venus. Dieser zweite Planet unseres Sonnensystems leuchtet derzeit mindestens siebenmal heller als alle anderen Planeten und Sterne am Himmel. Weil die Venus so hell ist und meist als erstes Licht am Himmel zu sehen ist, wird sie oft für ein Flugzeug oder gar ein unbekanntes Flugobjekt gehalten. Wer das leuchtende Etwas durch ein starkes Fernglas betrachtet, ist meist davon überzeugt, dass sich der Lichtpunkt bewegt. „Es wird oft von einem Zickzack-Kurs berichtet. Manche meinen auch, dass Objekt habe am Himmel eine Acht geflogen. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Die Hände des Betrachters zittern ganz leicht“, erzählt Kratzke.

Flott unterwegs: Die Venus umkreist die Sonne in nur 224,7 Tagen

Doppelstern Sirius setzt am nördlichen Nachthimmel Farbakzente. Das Zittern der Hände des Betrachters – übertragen auf Fernglas oder Fotoapparat – sorgen für den vermeintlichen Zickzackkurs. Foto: leo
  • Doppelstern Sirius setzt am nördlichen Nachthimmel Farbakzente. Das Zittern der Hände des Betrachters – übertragen auf Fernglas oder Fotoapparat – sorgen für den vermeintlichen Zickzackkurs. Foto: leo

Die Venus ist kein Stern. Sie leuchtet also nicht selbst, sondern wird von der Sonne angestrahlt. Und: Der Planet hat eine besonders dichte Atmosphäre, die fast drei Viertel des eintreffenden Sonnenlichtes reflektiert. „Wir nehmen die Venus als extrem hellen Punkt wahr. Dabei sehen wir maximal zwei Drittel des Planeten“, sagt der Astronom und Autor des Buches „Wie Herkules an den Himmel kam“. „Die volle Venus bekommen wir niemals zu Gesicht, da sie sich – von uns aus betrachtet – dann hinter der Sonne befinden würde.

Wie die Erde umkreist die Venus die Sonne. Sie ist allerdings schneller und hat eine Umlaufzeit von nur 224,7 Tagen, erklärt Astronom Kratzke. Die Erde, die die Sonne bekanntlich in 365 Tagen umrundet, wird auf ihrer Umlaufbahn also regelmäßig von der Venus überholt. „Das ist der Grund, warum sich diese Konstellationen nicht jedes Jahr wiederholen“, sagt Dr. Stöver. „Von der Erde aus gesehen steht die Venus also mal rechts oder mal links von der Sonne. Mal ist sie also unser Morgenstern, mal unser Abendstern“, erklärt Kratzke. „Da die Venus sonnennäher als die Erde ist, kann sie von der Erde nur unter einem maximalen Winkelabstand von 47 Grad gesehen werden“, erklärt der Physikochemiker und Astronom Dr. Stöver aus Bad Pyrmont. „Besonders schön ist der Anblick am 31. Januar gegen 20 Uhr, tief im Westsüdwesten, wenn der schwach leuchtende Mars mit der strahlenden Venus und der schmalen zunehmenden Mondsichel ein kleines Dreieck bildet“, sagt Dr. Stöver voraus.

Derzeit ist die Venus am weitesten von der Sonne entfernt. Jedenfalls hat das von der Erde aus betrachtet den Anschein. In Wirklichkeit bleibt der Abstand zwischen Sonne und Venus auf der Umlaufbahn nahezu gleich. Im Februar wird der Planet, der dann als Morgenstern am Firmament steht, nur als schmale Sichel zu sehen sein. Dann wird erheblich weniger Sonnenlicht reflektiert. „Das ist nach dem 17. Februar der Fall“, sagt Dr. Stöver. „Dann nähert sich die Venus nämlich weiter der Erde und wird größer, ihre Sichel aber schmaler. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Leuchtkraft.“

„Mitte März nähert sich die Venus der Sonne und verschwindet dann aus unserem Sichtfeld“, erklärt Kratzke. „Der Planet steht am 25. März zwischen Sonne und Erde“, ergänzt Dr. Stöver.

Als Morgenstern strahlt die Venus zu bestimmten Zeiten ebenso hell wie derzeit als Abendstern. In besonders dunklen Gebieten könne das Licht des Planeten sogar auf der Erde Schatten werfen, heißt es. „Wir bekommen dann aber so gut wie keine Nachfragen, weil die Leute frühmorgens entweder noch schlafen oder schon auf dem Weg zur Arbeit sind“, sagt der Dozent der Sternwarte Bochum.

In Klein Berkel beschäftigen sich einige Menschen derzeit noch mit einem weiteren Phänomen. Zweimal wurde in südlicher Richtung ein unbekanntes Flugobjekt beobachtet, das über einen längeren Zeitraum grün und rot blinkte. Ein Polizeihubschrauber sei dort nicht im Einsatz gewesen, sagt Oberkommissar Jens Petersen. Möglich, dass dort jemand in der Dunkelheit eine Drohne testet.


Erfahren Sie mehr über unseren Sternenhimmel: Wie an jedem letzten Samstag im Monat – auf unserer Seite „Forschung und Wissenschaft“, geschrieben von Dr. Peter Stöver.Seite | 24



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