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„Unsere Gebete wurden erhört“

Kader K. ist außer Lebensgefahr

HAMELN. Verbrechensopfer Kader K. (28) schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Nach Angaben ihres Bruders Maruf K. (36) ist die Mutter eines Kindes (2) am Sonnabend aus dem Koma erwacht. Obwohl sie zwei tiefe Stichwunden und schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erlitten hat, gehe es ihr entsprechend gut, sagt ihr Anwalt.

veröffentlicht am 07.12.2016 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 07.12.2016 um 20:20 Uhr

Blumen, Kerzen und Bilder erinnern in der Kaiserstraße an das unfassbare Verbrechen. Foto: wal
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Obwohl sie am Abend des 20. November bei der in der Hamelner Südstadt unfassbar grausam ausgeführten Tat neben zwei tiefen Stichwunden in den Oberkörper auch schwere Schädel-Hirn-Verletzungen davongetragen hat, gehe es ihr den Umständen entsprechend gut, sagte Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben am Mittwochnachmittag im Gespräch mit der Dewezet. „Sie hat glücklicherweise keine neurologischen Ausfallerscheinungen. Kader wird inzwischen nicht mehr künstlich beatmet, sie kann sprechen – und sie erkennt ihre Verwandten. Aus Sicht der Ärzte grenzt der Genesungsverlauf schon an ein Wunder.“ Die junge Frau sei allerdings „immer noch gezeichnet von den schlimmen Verletzungen“, die ihr Nurettin B. zugefügt haben soll, sagte der Rechtsanwalt nach einem Besuch im Krankenhaus. Der Ex-Mann soll die von ihm getrennt lebende Hamelnerin zunächst auf der Königstraße niedergestochen und dann hinter seinen Wagen gebunden haben. Nach Meinung der Ermittlungsbehörden hat er versucht, die junge Frau zu Tode zu schleifen. Als die Schwerstverletzte an der Kaiserstraße gefunden wurde, schwebte sie in akuter Lebensgefahr. Sie musste wiederbelebt werden. Zwei Notoperationen bewahrten sie vor dem Tod.

Spendenaktion für Neuanfang gestartet

Ihr Vater wartet in Izmir auf ein Visum für Deutschland.

Vor zwei Tagen wurde Kader K. von der Intensivstation auf eine Überwachungsstation verlegt. „Es geht ihr immer noch nicht gut, aber sie ist auf dem Weg der Besserung“, meint Bruder Maruf K. – und fügt hinzu: „Wir sind überglücklich.“ Die Familienmitglieder fühlten sich erleichtert. Dankbar ist Kaders Familie für die vielen guten Wünsche der Hamelner und deren große Anteilnahme. „Die Gebete wurden erhört“, sagt Maruf K. Dass so viele Menschen zur Mahnwache gekommen sind, hat die K.s berührt. Das sei gelebte Solidarität, helfe sehr, über das Furchtbare hinwegzukommen, das nun einmal geschehen sei. Oberbürgermeister Claudio Griese hatte am Tatort von einem „barbarischen Verbrechen, das an eine mittelalterliche Hinrichtung erinnert“, gesprochen.

Opfer Kader K. ist inzwischen aus dem Koma erwacht. Foto. pr
  • Opfer Kader K. ist inzwischen aus dem Koma erwacht. Foto. pr

Am Montag hat Cudi, der zweijährige Sohn, seine Mama im Krankenhaus besucht. „Kader hat so glücklich ausgesehen und gelächelt. Sie will so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen, um bei dem Kleinen und bei ihrer Familie sein zu können“, erzählt der Bruder. Immer noch wird der Aufenthaltsort des Opfers geheim gehalten. „Wir wollen keinen ungebetenen Besuch – auch nicht von Medienvertretern“, begründet Anwalt von Alvensleben diese Vorsichtsmaßnahme. „Kader braucht jetzt absolute Ruhe.“


In der türkischen Stadt Izmir wartet der Vater der jungen Frau auf ein Visum für Deutschland. Er möchte seine Tochter im Krankenhaus besuchen. „Im Namen der Familie habe ich beim Deutschen Konsulat ein Visum aus humanitären Gründen beantragt. Es sieht so aus, als würde der Vater schon bald ausreisen dürfen“, erzählt von Alvensleben.

Innerhalb der kommenden fünf Tage soll Kader K. in eine andere Klinik verlegt werden. Es wird voraussichtlich noch Monate dauern, bis sich die Hamelnerin von den ihr zugefügten schweren Verletzungen erholt hat. Ihr sehnlichster Wunsch ist, rasch wieder ihren Sohn in die Arme schließen zu können und sich um ihn zu kümmern. Unklar ist, ob der Junge die Schreie seiner Mama gehört oder gar den Mordversuch gesehen hat. Er soll im Auto gesessen haben, als Kader an einem Seil durch die Südstadt gezogen wurde. Geplant sei ein Wohnungswechsel, sagt der Opfer-Anwalt. „Dort, wo sie zuletzt gelebt haben, wird Mutter und Kind alles an die schreckliche Tat erinnern. Es wird viel Zeit brauchen, bis auch die seelischen Wunden verheilt sind.“

Weil der Vater ihres Kindes in Untersuchungshaft auf seinen Prozess wegen versuchten Mordes wartet und schon vor der Tat keinen Unterhalt gezahlt hat, fehle Kader K. das Geld für einen Neustart, sagt Roman von Alvensleben. Viele kleine Dinge würden schon jetzt benötigt – auch für den Jungen. „Wer helfen möchte, kann Geld überweisen. Jeder Euro hilft.“

Die Hamelner Hilfsorganisation Interhelp stellt eine vierstellige finanzielle Soforthilfe bereit und sammelt Geldspenden unter dem Stichwort „Kader“. Spendenkonten: IBAN: DE 60 2545 0110 0000 0203 - Sparkasse Weserbergland oder IBAN: DE 49 2546 2160 0700 7000 00 - Volksbank Hameln-Stadthagen



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