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Opfer spricht mit der Dewezet

Kader K.: „Er soll für immer im Gefängnis bleiben“

Hameln. Am Montag ist die Hamelnerin aus der Medizinischen Hochschule Hannover entlassen und in eine Spezialklinik verlegt worden. Kader K. geht es zwar von Tag zu Tag besser, sie wird aber womöglich noch mehrere Monate in der Reha-Klinik bleiben müssen. Die Dewezet hat exklusiv mit ihr gesprochen.

veröffentlicht am 13.12.2016 um 20:20 Uhr

Kader K. ist glücklich – sie kann ihren Sohn wieder in die Arme schließen. Doch die Hamelnerin, die Opfer einer unvorstellbar brutalen Tat wurde, hat starke Schmerzen. Foto: PR
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Augen der jungen Frau strahlen, als sie ihren dreijährigen Sohn in die Arme schließt. Der kleine Cudi möchte seine Mutter am liebsten gar nicht mehr loslassen. „Ich bleibe hier bei Mama“, sagt er, als er das Krankenzimmer verlassen soll. Kader K. (28) hält sich an einem Ort auf, der geheim gehalten wird. „Wir wollen keinen ungebetenen Besuch“, begründet Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben diese Vorsichtsmaßnahme.

Am Montag ist die Hamelnerin aus der Medizinischen Hochschule Hannover entlassen und in eine Spezialklinik verlegt worden. Kader K. geht es zwar von Tag zu Tag etwas besser, sie wird aber womöglich noch mehrere Monate in der Reha-Klinik bleiben müssen. Die Hamelnerin hat starke Schmerzen im Rücken. Ein paar Schritte kann die 28-Jährige inzwischen zwar gehen – aber nur, wenn sie von einer Krankenschwester gestützt wird.

„Die Physiotherapie hat mich heute sehr erschöpft. Ich bin total fertig“, sagt Kader K. in einem Telefongespräch mit der Dewezet. „Alles tut mir weh, überall habe ich Schmerzen. Vom Kopf bis zu den Füßen. Mir geht es gar nicht gut, aber ich habe überlebt.“ Die Hamelnerin ist immer noch gezeichnet von den vielen Wunden, die ihr zugefügt wurden. Kader K. hatte neben zwei Stichverletzungen und großflächigen Schürfwunden auch eine lebensbedrohliche Hirnblutung erlitten. Sie musste wiederbelebt werden. Zwei Notoperationen retteten ihr Leben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Messerklinge nur knapp das Herz verfehlt. „Die Milz ist aber getroffen worden“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Dass Kader K. so schnell aus dem Koma erwacht ist und trotz ihrer Schädel-Hirn-Verletzungen keine neurologischen Ausfallerscheinungen hat, grenze schon an ein Wunder, sagen Mediziner.

„Mein größter Wunsch ist, dass Nurettin für immer im Gefängnis bleibt. Dass, was er mit angetan hat, ist so furchtbar grausam. Er wollte mich töten. Es ging um Geld.“

Die Erinnerungen kommen langsam zurück. Ihr Ex-Mann habe sie angegriffen, weil er den Unterhalt nicht bezahlen wollte. „Ich habe den Prozess gewonnen. Er hat mich bedroht und gesagt: ,Ich bringe dich und deine Anwältin um, wenn ich von der noch einmal einen Brief bekomme‘, erzählt Kader K. am Dienstag unserer Zeitung. Am Freitag vor der Tat erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Die Beamten stellten den Mann daraufhin zur Rede, führten eine sogenannte Gefährderansprache durch. Am Sonntag habe Nurettin B. den Jungen zu ihr zurückbringen wollen. Da sei es passiert. „Ich kann gar nicht glauben, dass ich das überlebt habe“, sagt Kader K. Nach den Messerstichen soll Nurettin B. seine Ex-Frau an ein Auto gebunden und an einem Seil durch die Südstadt geschleift haben. Von der Polizei, die gegen den Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes ermittelt, ist Kader K. bislang noch nicht vernommen worden.

Die Hamelnerin hofft, möglichst bald auch ihren Vater in die Arme schließen zu können. Der wartet allerdings immer noch in der türkischen Stadt Izmir darauf, dass alle Dokumente für das Deutschland-Visum fertig sind. „Ich wünsche mir so sehr, dass das klappt“, sagt Kader K. im Gespräch mit der Dewezet. „Es wäre schön, ihn hier zu haben.“

Wenn Kader K. wieder gesund ist, möchte sie mit ihrem Kind in einer Wohnung ziehen, in der sie nichts an die Tat erinnert. Aber dafür fehlt ihr noch das Startkapital. Nach dem Auszug aus dem Haus in Bad Münder, in dem sie mit ihrem Ex-Mann gelebt hatte, war die gelernte Köchin bei ihrer Mutter in Hameln untergekommen. Wer Kader K. und Cudi unterstützen möchte, kann Geld auf ein Konto der Hamelner Hilfsorganisation Interhelp überweisen. Stichwort: Kader. Sonderkonten: IBAN DE 60 2545 0110 0000 0203 13, Sparkasse Hameln-Weserbergland; DE 49 2546 2160 0700 7000 00, Volksbank Hameln-Stadthagen.



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