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Nach Absturz im Mai 2015 – Bundesstelle legt Untersuchungsbericht vor

Flugzeug bricht in der Luft auseinander

HAMELSPRINGE/BAKEDE. 20 Monate nach dem Absturz eines Hochleistungssegelflugzeugs vom Typ „Nimbus-3“ haben Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht. Das Dokument liegt der Dewezet vor. Eine amtlich festgestellte Unfallursache gibt es zwar nicht, wohl aber Indizien und Hinweise, die zumindest etwas Licht in das Dunkel bringen.

veröffentlicht am 16.01.2017 um 17:09 Uhr
aktualisiert am 16.01.2017 um 18:11 Uhr

Die Absturzstelle im Süntel: Das Segelflugzeug vom Typ „Nimbus-3“ ist zerschellt. Nur Trümmer sind übrig geblieben. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Aus den von den Unfalluntersuchern zusammengetragenen Fakten ergibt sich, dass das Flugzeug des 67 Jahre alten Piloten am 2. Mai gegen 15.17 Uhr über dem Bakeder Berg in einer Höhe von 1200 Metern außer Kontrolle geraten ist. Der Mann aus Schleswig-Holstein, der im Cockpit saß, kam bei dem Absturz ums Leben. Er galt als sehr erfahren: Nach Angaben der BFU ist der Privatflieger mehr als 5007 Stunden mit Segelflug- und 665 Stunden mit Motorflugzeugen unterwegs gewesen.

Das Segelflugzeug war an diesem Tag um 11.27 Uhr auf der Piste 29 des Sonderlandeplatzes Wahlstedt (Schleswig-Holstein) im Schlepp zu einem Überlandflug gestartet. Knapp vier Stunden später wurden Segelflugpiloten über dem Süntel bei Bakede „durch eine ungewöhnlich steil nach oben gerichtete Fluglage“ auf das Flugzeug aufmerksam. Sie beobachteten, „wie das Luftfahrzeug über eine Tragfläche abkippte und in eine steil nach unten gerichtete spiralförmige Flugbahn überging.“ Nach einigen Umdrehungen brach ein Teil der rechten Tragfläche ab. Ballastwasser trat aus. Kurz darauf verschwand das Flugzeug aus dem Sichtfeld der Piloten, die Zeugen einer Tragödie geworden waren. Das etwa drei Meter lange Tragflächenteil wurde später 750 Meter nordöstlich des Wracks gefunden.



Das Unglück löste seinerzeit eine der größten Suchaktionen in der heimischen Geschichte aus. Niemand wusste zunächst genau, was am Himmel über dem Bakeder Berg passiert war. Ein Ehepaar hatte von einer Explosion berichtet. Andere Zeugen teilten über Notruf mit, zwei Kleinflugzeuge seien zusammengestoßen. Als das Segelflugzeug ins Trudeln geriet, wirkten wohl dermaßen große G-Kräfte auf „Nimbus-3“, dass ein Stück der rechten Tragfläche abriss. Es waren also mindestens zwei Teile, die in den Wald fielen. Für Außenstehende mag es so ausgesehen haben, als würden zwei Flugzeuge abstürzen. Auch für das Explosionsgeräusch gibt es eine mögliche Erklärung. Das acht Meter lange Hochleistungsflugzeug, das eine Spannweite von 24,5 Metern hat, wird nämlich in Kohlefaser-Verbundbauweise hergestellt. Wenn dieses Material bricht, gibt es einen lauten Knall. Gut möglich, dass sich der Bruch wie eine Explosion angehört hat. Fakt ist: Es war nur ein Flugzeug, das an diesem Tag im Mai im steilen Winkel zu Boden stürzte und im unwegsamen Gelände zerschellte. Die Ermittler ordnen die Schäden an den Rudern und an den Steuerelementen dem Aufschlag zu. Brüche und Trennstellen seien beim Aufprall oder bei der Bergung der Wrackteile entstanden, heißt es. Es wurden zwar stark beschädigte Datenträger sichergestellt; die BFU-Spezialisten konnten sie jedoch nicht auslesen. Der Zerstörungsgrad war zu groß. Nach Angaben von Zeugen befanden sich mehrere Flugaufzeichnungsgeräte an Bord. Diese konnten aber nicht gefunden werden.

Unklar bleibt, ob der Pilot während des Fluges über dem Süntel plötzlich gesundheitliche Probleme bekommen hat. Der Leichnam wurde zwar von Rechtsmedizinern obduziert. Für einen Befund hätten allerdings bestimmte Gewebeproben nicht zur Verfügung gestanden, heißt es im Untersuchungsbericht. Sicher ist: Der 67-Jährige hat zum Zeitpunkt des Unglücks nicht unter dem Einfluss von Drogen, Medikamenten oder Alkohol gestanden. Das hat ein chemisch-toxikologisches Gutachten ergeben. Sollte der Senior über dem Süntel einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben, könnte das führerlose Segelflugzeug ein extremes Flugmanöver gemacht haben. Dabei kann nach Angaben von erfahrenen Unfalluntersuchern Kohlefaser-Material zu Bruch gehen. Gleiches passiert, wenn Kurven zu schnell angeflogen werden.



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