weather-image
10°
Mehrere Hundert Liter Heizöl laufen aus Tankwagen in Kanalisation und Kläranlage

Öl-Alarm im Heilquellen-Schutzgebiet

BAD MÜNDER. In die Kläranlage der Stadt Bad Münder sind am Montagabend größere Mengen Heizöl gelaufen. Die rot eingefärbte Flüssigkeit setzte sich auf der Oberfläche des mit Fäkalien vermischten Schmutzwassers ab und staute sich in dem sogenannten Sandfang. Das Mineralöl war zuvor auf einem Betriebsgelände an der Friedrich-Ebert-Allee, das sich im Heilquellen-Schutzgebiet (Zone III) befindet, in einen Gullyschacht gelangt und knapp drei Kilometer durch einen unterirdisch verlegten Mischwasserkanal geflossen.

veröffentlicht am 17.01.2017 um 11:26 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 18:23 Uhr

Foto: mk
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nach Angaben der Unteren Wasserbehörde (UWB) des Landkreises Hameln-Pyrmont handelt es sich „um einen der größten Ölunfälle der vergangenen Jahre“. Das Mineralöl sei glücklicherweise nicht in einen Oberflächenkanal gelangt, sagte Frank Wöbbecke von der UWB. „Dann wäre das Öl direkt in die Hamel geflossen. Das hätte einen großen Umweltschaden verursacht.“

Die Kläranlage ist auf Notfälle wie diesen offenbar gut vorbereitet. Es gibt einen Ölabscheider und Fachpersonal, das weiß, was zu tun ist. Sofort sei die Belüftung ausgeschaltet worden, sagte Wöbbecke. Auf diese Weise wurde verhindert, dass das Öl verwirbelt wird und in andere Klärbecken gelangt. Experten der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Kirchohsen brachten große Mengen Ölbindemittel nach Bad Münder und rückten mit einem Tankwagen an. Mit Spezialgerät wurde das Heizöl in stundenlanger Arbeit von der Wasseroberfläche gesaugt. Feuerwehrleute brachten gegen 23.30 Uhr 1200 Liter Öl-Wasser-Gemisch zu einem Entsorgungsunternehmen in Hameln. Das Sonderfahrzeug der FTZ leiste bei Einsätzen dieser Art immer wieder „unersetzlich gute Dienste“, sagte Wöbbecke. „Stünde ein solches Fahrzeug nicht zur Verfügung, wäre der Personalaufwand, den wir treiben müssten, um Öl von Hand abzuschöpfen, riesengroß.“

Auf dem Gelände an der Friedrich-Ebert-Allee wurde die Ölschadenbekämpfung am Dienstag fortgesetzt. Dort war das Heizöl auf mit Splitt gefüllte Gittersteine gelaufen und zum Teil versickert. Chemiker Wöbbecke schaltete einen Gutachter ein, ließ etwa 100 Quadratmeter Pflastersteine und Boden mit einem Bagger auskoffern. Freiwillige der Feuerwehr Bad Münder hatten am Montagabend am Unfallort 400 Kilogramm Bindemittel verstreut und die Kläranlage für den Umwelteinsatz ausgeleuchtet.

270_0900_29099_lkbm101_oel_1801.jpg
270_0900_29100_lkbm102_oel_1801.jpg

Zu dem Ölaustritt war es nach Angaben der Polizei durch einen technischen Defekt gekommen. Heizöl war am späten Nachmittag von einem Anhänger in einen Tankwagen gepumpt worden. Offenbar funktionierte die Abschaltautomatik nicht. Der Öl-Lastwagen lief über. Es wird geschätzt, dass 400 Liter entwichen sind. Es komme glücklicherweise nur sehr selten vor, dass eine dermaßen große Menge Öl in die Umwelt gelangt, sagte UWB-Experte Frank Wöbbecke, der auch Kreisbrandmeister ist.

Information

Öl und Wasser

Mineralöl ist ein wassergefährdender Stoff. Nach Angaben der Feuerwehr kann ein einziger Tropfen 1000 Liter Trinkwasser verseuchen. Anders ausgedrückt: Experten gehen davon aus, dass im Extremfall ein Liter versickertes Öl eine Million Liter Grundwasser verschmutzen kann. Auf der Wasseroberfläche bildet Öl einen Film, der sich rasch ausbreitet, Böden werden je nach Beschaffenheit mehr oder weniger stark durchtränkt. Leichtflüchtige Bestandteile eines schwimmenden Ölfilms verdunsten innerhalb weniger Tage, schwerflüchtige – es handelt sich dabei hauptsächlich um aromatische Kohlenwasserstoffe - bleiben monatelang im Gewässer – sie sinken zu Boden und werden nur langsam abgebaut. Mineralöl ist ein Schadstoff, der nicht von Menschen oder Tieren über die Nahrung aufgenommen werden sollte. Forscher gehen davon aus, dass Erdöl Organe schädigen und krebserregend sein kann.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt