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Belastungszeugen vernommen / Chefs der „Hirschkuppe“ zeichnen positives Bild vom Angeklagten

Wende im Missbrauchs-Prozess?

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Im Prozess gegen einen früheren Erzieher des Steinberger Jugendhofes „Hirschkuppe“, der in 15 Fällen Heimkinder sexuell missbraucht haben soll, könnte sich eine Entwicklung zugunsten des Angeklagten abzeichnen.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 22:02 Uhr
aktualisiert am 11.04.2018 um 13:54 Uhr

tellen sich die Missbrauchs-Vorwürfe gegen einen ehemaligen Erzieher aus Steinbergen am Ende als haltlos heraus?
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Verteidiger Ralf Jordan wirkt nach vier Verhandlungstagen zuversichtlich.

„Ich darf keine Einzelheiten aus der nicht öffentlichen Beweisaufnahme berichten“, so Jordan auf Anfrage unserer Zeitung. Nur so viel: „Die Beweisaufnahme entwickelt sich genau im Sinne der Verteidigung.“ Im Vorfeld des Prozesses hatte der Anwalt angekündigt, dass das Ziel der Verteidigung ein Freispruch sei. Zum Prozessauftakt erklärte er dann später: „Wir haben es mit ausgesprochen schwierigen Belastungszeugen zu tun, die nicht auf der Sonnenseite aufgewachsen sind, sondern im Schatten.“ Freitag hat die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht den dritten von vier Belastungszeugen vernommen, wiederum hinter verschlossenen Türen.

Ob die Zeugen bei ihrer Darstellung geblieben sind, wonach sich der Erzieher damals an ihnen vergangen haben soll, ist unklar. Die Pressestelle des Landgerichts macht dazu keine Angaben. Weil Details aus ihrer Intimsphäre zur Sprache kommen, werden die Männer, allesamt frühere Heimkinder, unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

Fest steht, dass sich die Beweisaufnahme schwierig gestaltet. Einer der vier Belastungszeugen wird zurzeit in der Psychiatrie behandelt und ist nicht vernehmungsfähig. Ein anderer sitzt im Gefängnis und wollte erst gar nicht aussagen, sondern seine Anzeige zurückziehen, ist nun aber wohl doch vernommen worden. Ein dritter soll den Angeklagten im Vorfeld bedroht haben. Nach eigenen Angaben hatte er zudem daran gedacht, ihn zu erpressen, will diesen Gedanken dann aber verworfen haben.

Unterdessen haben zwei Chefs der „Hirschkuppe“ als Zeugen vor Gericht ein positives Bild des Erziehers gezeichnet. Beide können sich vorstellen, dass der 46-Jährige zu Unrecht belastet wird, ohne allerdings konkrete Hinweise darauf zu haben. Eine Sozialpädagogin, die zur Heimleitung gehört, hat ihn „als guten Kollegen kennengelernt, offen, freundlich und beliebt – ein Allrounder, der mit jedem arbeiten konnte“. Für die Jungen habe sich der Erzieher sehr eingesetzt. „Wenn es damals Missbrauchsvorwürfe gegeben hätte, hätte ich ihm nicht meinen sechsjährigen Sohn anvertraut“, betonte sie.

Fachlich sieht die Frau das Verhalten ihres ehemaligen Kollegen allerdings zum Teil kritisch. „Er hat es nicht immer geschafft, professionelle Distanz zu wahren“, sagte sie. Dies sieht der Inhaber und Leiter der „Hirschkuppe“ ähnlich. Ansonsten äußerte auch er sich positiv über den Erzieher. Dieser habe auch bei schwierigen Fällen sehr viel investiert. Psychisch hat das Verfahren den Angeklagten, der heute im Kreis Lippe lebt, sehr mitgenommen. Er musste bereits stationär behandelt werden. „Das war nicht mehr der Mann, den ich einmal gekannt habe“, erinnert sich die Sozialpädagogin an den Zustand ihres Kollegen, nachdem dieser 2013 nach Bekanntwerden der Vorwürfe ausgeschieden war. „Sie haben mein Leben ruiniert“, soll er zu ihr über die vier Belastungszeugen gesagt haben.

Laut Anklage datieren die mutmaßlichen Übergriffe aus den Jahren 1999 bis 2009. Die Jungen waren damals zwölf bis 14 Jahre alt.

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