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Knalleffekt nach kontroverser Diskussion

Knalleffekt: Greenpeace Energy zieht sich aus Westendorf zurück

WESTENDORF. "Greenpeace gegen Naturschützer": Mit Schlagzeilen wie dieser will sich Greenpeace-Energy nicht länger herumschlagen. Deren Tochterfirma Planet Energy wird sich aus dem geplanten Bau der Windräder in Westendorf zurückziehen, bestätigt Pressesprecher Michael Friedrich am Samstag. "So eine Situation hatten wir noch nicht", betonte er im Gespräch. Doch der Bau soll dennoch weitergehen wie geplant - "get project" übernimmt die weitere Ausführung. Der Nabu Rinteln hält das für verantwortungslos.

veröffentlicht am 08.09.2018 um 13:48 Uhr
aktualisiert am 08.09.2018 um 17:33 Uhr

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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Über Jahre wurde in der Weserstadt hochemotional über den Bau von zwei Windrädern in Westendorf - in Sichtweite der Schaumburg und Flugweite der Seeadler - diskutiert. Außerordentlich aktiv zeigte sich in dieser Diskussion der heimische Nabu, der ganz klar Stellung gegen die Windräder und für den Schutz der Seeadler bezog. "Das ist schon ein Einzelfall", so Friedrich, "In Rinteln waren das wirklich besondere Umstände, wir hoffen, dass in anderen Fällen, anders als hier beim Nabu, die Fakten zählen und nicht Meinungen und Behauptungen."

"Greenpeace Energy stiehlt sich aus der Verantwortung", sagt dagegen Dr. Nick Büscher, Vorsitzender des Nabu Rinteln. "Es ist genau das eingetreten, was wir befürchtet haben - und was Planet Energy bis zuletzt vehement bestritten hat! Sie Verkaufen die Rechte für den Bau der Anlage und jetzt steht ein anderer Investor vor der Türe, der diese Windkraftanlage bauen will."

Wie sich der Verkauf auf das noch laufende Verfahren zwischen der Stadt Rintlen und dem Landkreis, der den Bau der Windräder genehmigt hat, auswirkt, ist unklar.

"Wir entzerren dadurch die Diskussion", sagt jedenfalls Michael Friedrich von Greenpeace Energy. "Die Diskussion Greenpeace gegen Nabu gibt es jetzt nicht mehr." Für Büscher vom Nabu Rinteln ist diese Argumentation zynisch. Denn dass Greenpeace nun aus Angst vor schlechter Presse das Projekt an eine Firma verkaufe, die keinen Ruf zu verlieren habe, helfe dem Artenschutz im Wesertal doch in keiner Weise.

"Unser gemeinsamer Gegner ist doch der Klimawandel", betont Friedrich, "und der wird auch das Wesertal betreffen." Die Auswirkungen habe man bereits in diesem Sommer erleben können.

Natürlich stehe und falle die Energiewende nicht mit den beiden Windrädern in Westendorf, so Friedrich. Aber mit den gleichen Argumenten wie in Rinteln könne man auch anderswo versuchen, den Bau von Windrädern zu verhindern.

Dass sich Rinteln nun zu einem bundesweiten Präzedenzfall entwickle und Naturschützer anderswo ebenfalls auftrieb verspüren, bei ihrem Kampf gegen Windräder, befürchtet Friedrich dagegen nicht. „In Rinteln war die Emotionalität hoch, anderswo zählen die Fakten mehr.“

Wichtig sei ihm: "Der Windpark bleibt für die Energiewende erhalten." Nick Büscher sieht das naturgemäß anders: "Der Fall zeigt, dass Greenpeace Energy nicht verantwortungsvoll mit dem Artenschutz im Wesertal umgeht." Man hätte den Bau der Windräder einstellen müssen, und nicht die Rechte verkaufen dürfen.

Über den genauen Kaufpreis der "Realisierungsrechte" für die Windräder in Westendorf wurde laut Friedrich Stillschweigen vereinbart. Auch ob es sich nur um einen symbolischen Euro gehandelt habe, oder tatsächlich Geld geflossen ist, wollte er nicht beantworten. Der Kaufpreis wäre auch deswegen relevant gewesen, weil sich daran vielleicht abschätzen ließe, wie vehementdas Kieler Unternehmen "get project" an der Realisierung der Windräder arbeiten werde.

Nick Büscher betont jedenfalls, dass für ihn der Kampf noch lange nicht abgeschlossen sei.

„Wir setzen die Energiegewinnung aus sauberen und unendlichen Ressourcen selbstverständlich immer so um, dass der Naturschutz vollumfänglich beachtet ist. So wird es auch in Rinteln sein“, sagt Neithardt Kempcke, Leiter Projektentwicklung bei getproject laut einer Pressemitteilung von Greenpeace Energy. „Die Nutzung der Windkraft ist Natur- und Artenschutz.“ Bis heute hat das Kieler Unternehmen bundesweit Windenergieprojekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 150 Megawatt verwirklicht.



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