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„So bunt ist Schaumburg“: Themen zu Migration und Integration im Kurzüberblick

Vielfalt von A bis Z

Asyl: In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen heißt es in Artikel 14: „Jeder Mensch hat Anspruch auf Asyl.“ Gemeint ist damit ein Zufluchtsort, vor dem er sicher ist vor Gefahr und Verfolgung. Gründe zur Flucht gibt es genug: Verfolgung, Folter, Krieg und Bürgerkrieg oder drohende Todesstrafe. Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, erhalten zunächst nur eine Aufenthaltsgenehmigung, bis über den Asylantrag entschieden ist. Die Entscheidung fällt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Antragsteller müssen dort in einem Gespräch die Behörde überzeugen, dass sie tatsächlich Anspruch haben und sich nicht nur Asyl erschleichen wollen. Anfang der 90er Jahre wurde mit dem sogenannten Asylkompromiss das bedingungslose Grundrecht auf Asyl eingeschränkt. Folge: Es wurden weniger Asylanträge gestellt.

veröffentlicht am 05.08.2014 um 00:06 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:13 Uhr

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Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Bad Nenndorf ist bunt – so heißt das lokale Bündnis gegen Rechtsextremismus. Es setzt sich zusammen aus Mitgliedern unterschiedlicher Organisationen wie dem DGB, der AWO, Kirchen, Schulen, Vereinen, Verbänden, Parteien und Bürgern aus Bad Nenndorf und Umgebung. Seit 2006 marschieren Neonazis zum Bad Nenndorfer Wincklerbad – zwischenzeitlich kamen bis zu 1000 Rechtsextreme in die Kurstadt. Mittlerweile ist das Bündnis gegen Rechts enorm angewachsen. Am vergangenen Wochenende feierten 1000 Gegendemonstranten auf Bad Nenndorfs Straßen. 190 Rechtsradikale waren in die Kurstadt gekommen.

Chefsache: Nicht erst seit Christian Wulff das Amt des Bundespräsidenten bekleidete, ist Integration Chefsache. Weil immer mehr Menschen einen Migrationshintergrund haben, werden in Zukunft auch immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik und allen anderen gesellschaftlichen Bereichen einnehmen.

Diskriminierung fängt beim „Negerkuss“ an und geht dort weiter, wo Schwarze an der Diskotür wegen ihrer Hautfarbe abgewiesen werden, ihnen sogar Gewalt angedroht wird. Diskriminierung kommt in Deutschland relativ häufig vor: Die Vereinten Nationen und der Europarat haben in den letzten Jahren immer wieder bemängelt, dass „Menschen entlang biologischer, religiöser, kultureller oder anderer Merkmale in homogene Gruppen eingeteilt und die als negativ bewerteten Eigenschaften zu unveränderbaren ,Wesens- und Charakterzügen‘ der jeweiligen Gruppen erklärt werden“.

EU-Ausländer sind „privilegierte Migranten“. Im Gegensatz zu Nicht-EU-Bürgern brauchen sie in Deutschland keine Aufenthaltsgenehmigungen beantragen, dürfen ohne Weiteres einer Arbeit nachgehen oder dürfen am politischen Leben teilnehmen und auf der lokalen Ebene die kommunalen Parlamente wählen.

Fremd im eigenen Land, heißt ein Song der Heidelberger Hip-Hop-Band Advanced Chemistry. Mit ihrem Lied sind sie 1992 deutschlandweit bekannt geworden. Die Band prangerte darin die Verschärfung des Asylrechts an, wonach Flüchtlinge nicht mehr vorbehaltlos Asyl in Deutschland erhalten können. Im Fokus der Hip-Hopper stehen Erfahrungen einer ganzen Generation von Migrantenkindern. Sie thematisieren in ihrem Song Rassismus, Polizeibrutalität, Armut, Arbeitslosigkeit und die Einseitigkeit der Medien.

Größte Migrantengruppe sind die Türken. Über 1,5 Millionen Bürger der Türkei leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland. Es folgen Polen und Italiener (jeweils rund 500 000 Staatsangehörige).

Heimat: Die Neurobiologie hat eine einfache Erklärung für die Entstehung von Heimatgefühl. Heimat sei in jedem Menschengehirn präsent. Je länger er an ein und demselben Ort verweilt, desto stärker verfestigt sich das Heimatgefühl – wenn die Heimat denn positiv bewertet wird. Demzufolge können Menschen auch mehrere Heimaten haben. Nach dieser Sichtweise ist Heimat weniger ein Ort als ein Gefühl des Zuhause-Seins.

Integrationslotsen: Viele Ehrenamtliche im Landkreis Schaumburg unterstützen als Integrationslotsen Zuwanderer in ihrem Alltag. Die Lotsen werden von der Leitstelle für Integration koordiniert. Migranten erhalten so Unterstützung bei der Planung von Integrations- und Sprachkursen. Beratungen für Zuwanderer bieten die Arbeiterwohlfahrt und die Volkshochschule in Schaumburg an.

Jobchancen: Studien belegen, dass Migranten der in Deutschland lebenden zweiten Generation es schwer haben, im Berufsleben Fuß zu fassen – sozial und wirtschaftlich eine Herausforderung der Integration. Im Falle von angeworbenen Arbeitsmigranten sieht das anders aus: Migranten, die wegen des Fachkräftemangels nach Deutschland kommen, sind meistens gut ausgebildet.

Kriegserfahrungen: Viele Flüchtlinge kommen traumatisiert nach Deutschland. Sie müssen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen leben, die ihnen in ihren Herkunftsländern zugeführt worden sind. Ärzte kritisieren, dass bislang keine Mediziner oder Psychologen über die Traumatisierungen entscheiden, sondern die Gremien der Ausländerbehörden.

Leverkusener Modell: Der Landkreis Schaumburg will die ihm zugewiesenen Flüchtlinge nach diesem Modell unterbringen. Es besagt, dass sie dezentral in Wohnungen untergebracht werden sollen. Bisher wohnten Flüchtlinge vorwiegend in Asylbewerberheimen. Das Leverkusener Modell soll die Integration der Migranten fördern. Doch die Strategie der dezentralen Unterbringung stößt an ihre Grenzen: Es haben sich bislang nicht genug Eigentümer gefunden, die ihre Wohnungen an Flüchtlinge vermieten wollen.

Migrationshintergrund: bezeichnet ein Kriterium zur Einordnung von Menschen, die eingewandert sind oder Nachkommen von Einwanderern sind. Es kann also nicht als Synonym für „Ausländer“, „Zuwanderer“ oder „Migrant“ dienen. In Deutschland leben laut Mikrozensus 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, das entspricht rund 20 Prozent.

Neubürger: In vielen Kommunen herrscht heute eine ganz andere Willkommenskultur als vor ein paar Jahren. In fast allen Kommunen – in nahezu allen Städten und Gemeinden Schaumburgs – werden Neubürger inzwischen feierlich in einem offiziellen Rahmen empfangen.

Ost-Europa: Weil ab 2014 auch in Bulgarien und Rumänien Freizügigkeit für Arbeitnehmer herrscht, rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit bis zu 180 000 Arbeitsmigranten aus diesen Ländern. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang immer wieder die „Armutsmigration“.

Politische Partizipation: In Deutschland besteht derzeit für Migranten ohne deutschen Pass kein Wahlrecht, mit Ausnahme des kommunalen Wahlrechts von EU-Angehörigen, siehe Wahlrecht.

Qualifizierung: Nicht nur die Sprache ist ein Schlüssel zur Integration. Berufliche Qualifizierung von Migranten spielt eine ebenso große Rolle. Problem: Abschlüsse aus dem Ausland werden in Deutschland oftmals gar nicht anerkannt.

Rechts-Links-Konflikt: In Bückeburg haben sich über Jahre hinweg rivalisierende Gruppen über ihr Weltbild gestritten. Die einen wollen eine Welt, in der alle Menschen gleich sind, die anderen treten entschieden fremdenfeindlich auf. Mit dem Wegzug einiger Protagonisten hat sich die Lage inzwischen etwas beruhigt.

Staatsangehörigkeit: Den deutschen Pass zu besitzen, ist für viele Migranten offenbar wenig attraktiv: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hätten sich 2013 knapp 4,9 Millionen Ausländer einbürgern lassen können. 112 350 haben es getan, das entspricht einer Quote von 2,3 Prozent. Für viele Ausländer sei die Pflicht, die Staatsangehörigkeit ihres Herkunftslandes abgeben zu müssen, der Grund, sich nicht einbürgern zu lassen. Die Einbürgerungen aus den EU-Staaten hingegen stiegen 2013 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 Prozent auf 23 600. Grund hierfür könnte die EU-Osterweiterung sowie die Finanzkrise sein, die insbesondere Südeuropa schwer getroffen habe, argumentiert das Statistische Bundesamt.

Trends: Alterung, Schrumpfung und die zunehmende Diversität der Bevölkerung stellt die Einwanderungspolitik vor neue Herausforderungen. Weil Unternehmen Fachkräfte international suchen, wird die Anzahl der hoch qualifizierten Zuwanderer steigen. Vor allem diejenigen aus EU-Ländern können laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchaus mit Inländern mithalten. Problem: Die Arbeitsmigranten sind in einem Höchstmaß mobil, der Zuzug nach Deutschland bedeutet nicht unbedingt eine endgültige Einwanderung, sondern kann bloß eine Station der temporären Karriereplanung darstellen.

Unterkünfte: Im Landkreis Schaumburg gibt es eine einzige Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Die befindet sich am Rintelner Bahnhofsweg. Das Wohnheim in der Waldkaterallee in Rinteln ist vor einiger Zeit geschlossen worden. Derzeit stellt sich die dringliche Frage, wo die Flüchtlinge in Zukunft untergebracht werden können.

Visum: Wer als Nicht-EU-Ausländer nach Deutschland einreisen will, braucht in der Regel ein gültiges Visum. Dies berechtigt allerdings nicht zu einem dauerhaften Aufenthalt, meistens werden Visa für einen Zeitraum von drei Monaten ausgestellt. Das Visum berechtigt Ausländer allerdings nicht, eine Arbeit aufzunehmen. Dazu braucht es eine Aufenthaltserlaubnis, die bei der Ausländerbehörde beantragt werden muss. Erst nach fünf Jahren mit einer Aufenthaltserlaubnis können Ausländer unter bestimmten Voraussetzungen eine unbefristete Niederlassungserlaubnis bekommen.

Wahlrecht: Grundsätzlich gilt für Wahlen zum Deutschen Bundestag, dass ausschließlich Wähler mit deutscher Staatsangehörigkeit an die Urnen gehen dürfen. Auf kommunaler Ebene ist das anders: Hier dürfen alle EU-Bürger, die einen festen Wohnsitz in der jeweiligen Kommune haben, wählen. Ausländer aus Nicht-EU-Staaten dürfen auch dann nicht wählen gehen, wenn sie bereits mehrere Jahre in Deutschland leben.

Xenophobie bezeichnet die Ablehnung von Menschen und Gruppen, die als andersartig angesehen werden. Wörtlich übersetzt meint Xenophobie die „Furcht vor Fremden“. Man kann auch von Fremdenfeindlichkeit sprechen. Xenophobe Menschen stehen Fremden oftmals ablehnend und eher ausgrenzend gegenüber. Die Ursachen von Xenophobie werden in vielen Wissenschaften erforscht, unter anderem suchen Biologie, Psychologie und die Geisteswissenschaften nach Erklärungsmodellen, warum Menschen mit Fremdartigkeit negative Gefühle verbinden.

Zwangsabschiebung: Vielen Flüchtlingen droht die Abschiebung in ihre Herkunftsländer, wenn zum Beispiel ihr Aufenthaltsrecht nicht mehr verlängert wird. Zuvor haben Flüchtlinge die Möglichkeit, freiwillig auszureisen.



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