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SZ/LZ-Serie „So bunt ist Schaumburg“ – Heute: Einblicke in die türkische Küche

Spezialbrot mit Geheimrezept

Rinteln. „Sabits Eck“, dieses gemütliche türkische Restaurant in der Bäckerstraße, es ist dort längst geschlossen und durch das zeitgeistige „Mosquito“ seines Sohnes ersetzt worden. In der kulinarischen Erinnerung vieler Rintelner lebt es aber noch weiter, und oft, wenn Köchin Sahsine Boga (56) durch die Stadt geht, wird sie auf ihre Kochkünste angesprochen, darauf, wie köstlich Weiß- und Rotkrautsalat schmeckten, auch die Leberspieße mit den gerösteten Zwiebeln und vor allem ihr „Spezialbrot“.

veröffentlicht am 04.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:29 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Dabei konnte Sahsine Boga gar nicht richtig kochen, als sie und ihr Mann Sabit Boga 1979 beschlossen, ein türkisches Restaurant zu eröffnen. „Meine Mutter war eine großartige Köchin“, sagt sie. „Aber mich ließ sie nie kochen. Ich durfte nur putzen und abwaschen.“ Sabit Boga immerhin, dessen große Familie die Rintelner Restaurantszene seit Jahrzehnten auf geradezu unglaubliche Weise prägt, er hatte schon in der Türkei Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt, auch in deutschen Küchen gearbeitet und fürchtete sich nicht davor, der Kochlehrer seiner Frau zu sein.

Tatsache ist sowieso: Eine türkische Familienmutter muss sich mit aller Energie auf das Kochen einlassen, solange sie dabei der türkischen Essens-Tradition folgen will. Nicht nur gibt es normalerweise zwei warme Mahlzeiten am Tag; bereits das Frühstück kann es in sich haben. Zum Fladenbrot werden Oliven und Schafskäse, Tomaten, Gurken und Eier gereicht. Mittags und abends gibt es meistens Reis, die wichtigste aller Beilagen, mit verschieden zubereitetem Rindfleisch und frischem Salat.

Sahsine Boga, die trotz ihrer drei Kinder fast immer irgendwie berufstätig war, deckt den Abendbrottisch klug mit Resten vom Mittagstisch, kocht dazu aber noch eine der leckeren türkischen Reis- oder Spinatsuppen, in denen der selbst angesetzte Joghurt niemals fehlen darf.

Ihr Lieblingsessen, das Lieblingsessen der meisten Türken ist, so sagt sie, Tepsi Kebab, eine flache Hackfleisch-Torte ohne Teigboden, die mit Tomaten, Paprika und Peperoni belegt wird, im Ofen gebacken und mit Salat und Reis serviert wird.

Sahsine Boga stammt aus der Stadt Edirne, die nahe der griechischen Grenze liegt. Gefragt, ob die türkische Küche nicht große Verwandtschaft mit der griechischen Küche aufweise, schüttelt sie aber geradezu empört den Kopf. „Nein, nein!“ Auch der Hinweis auf den in beiden Ländern beliebten Hirtensalat, das Weißkraut, die Fleischspießchen und nicht zuletzt die stets großzügige Verwendung von Knoblauch und Zaziki zählt nicht. „Da liegt uns ja die russische Küche viel näher“, meint sie und nennt zum Beispiel die mit Spinat, Schafskäse oder Hackfleisch gefüllten „Börek“-Aufläufe, die in ihren Augen den „Pelmeni“-Teigtaschen ihrer russischen Schwiegertochter sehr ähneln.

Unzweifelhaft ist jedenfalls, dass die türkische Küche noch aus der Nomadenzeit der Turkvölker eine faszinierende Bandbreite aufweist und von Indien und arabischen Ländern ebenso beeinflusst ist wie von Mittelmeer-Traditionen und denen des Kaukasus. Vorspeisen, die „Meze“ – darunter die berühmten „gefüllten Weinblätter“, die Hackfleischbällchen und jede Menge Dipps – läuten lange, fröhliche Abende an reich gedeckter Tafel ein. Nur Schweinefleisch ist traditionell aus religiösen Gründen tabu.

Wenn es auch „Sabits Eck“ nicht mehr gibt, so eröffnet doch der „Sabit-bringt’s“-Imbiss in der Bäckerstraße 12 am kommenden Montag endlich wieder seine Türen. Sahsine Boga wird dort zwar nicht mehr mitmischen. Sie backt ihr Spezialbrot, dessen Rezept sie nicht verrät, inzwischen im von ihrem Sohn geführten „Mosquito“.

Aber Sabit Boga kann ja ebenfalls kochen. Und er kennt das geheime Brotrezept.



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