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SZ/LZ-Serie „So bunt ist Schaumburg“ – Heute: Einblicke in die peruanische Küche

„Rotkohl haben wir nicht in Peru“

Rinteln. Mit Carlos Contreras aus Möllenbeck übers Kochen und Essen zu reden, macht hungrig! Die peruanische Küche, so wie er davon spricht, hört sich rundherum nach Schlaraffenland an. „Das gute Essen bedeutet uns sehr viel“, sagt er. „Wenn Freunde sich treffen, ist es das Erste, davon zu erzählen, was man gestern gegessen hat und was man morgen kochen will.“

veröffentlicht am 19.09.2014 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:29 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Ob das wirklich immer so ist, wer weiß. Tatsache ist: Carlos Contreras hat schon als Junge mit Begeisterung gekocht, später dann – er ist in Peru geboren und aufgewachsen – arbeitete er in verschiedenen peruanischen Restaurants als Koch, und bald, nachdem er vor 15 Jahren nach Deutschland kam, holte er hier eine offizielle Ausbildung zum Koch nach und machte sich schließlich selbstständig mit einem Partyservice und als „Event-Koch“, der bei seinen Kunden vor Ort seine Kochkünste ausführt oder auch „aufführt“: Er nimmt dann nicht nur, oft in Gegenwart der Gäste, alles, was mit dem Kochen und Servieren zu tun hat, selbst in die Hand, sondern holt auch seine Gitarre hervor, um das Speisen mit Musik und Gesang zu begleiten.

Carlos Contreras stammt aus der kleinen Stadt Nazca, die berühmt wurde, weil dort in der nahen Wüste die sogenannten „Nazca-Linien“ entdeckt wurden, überdimensionale „Scharrbilder“, Vögel, Affen, Menschen, deren Ausmaße man nur aus der Luft wirklich würdigen kann. Zu Deutschland hatte er schon als Jugendlicher eine positive Beziehung, weil er die Archäologin Maria Reiche kannte, die lange als „verrückte Deutsche“ galt, bis sich herumsprach, dass sie es gewesen war, die als Erste die „Nazca-Linien“ studiert hatte. Zu ihrem 80. Geburtstag durfte er, der als hervorragender Sänger galt, ihr persönlich vorsingen. Vielleicht hat diese Bekanntschaft dazu beigetragen, dass Carlos Contreras sich in eine deutsche Touristin verliebte und ihr dann unbefangen ins kleine Möllenbeck folgte.

Das peruanische Essen nun, von dem er so schwärmen kann, es basiert zwar auf der traditionellen Küche der Inkas – neben Mais und Kartoffeln spielt darin das alte Getreide Quinoa eine große Rolle –, gleichzeitig aber ist es geprägt von den unzähligen internationalen Einwanderern, allen voran den Spaniern, dazu den Afrikanern, Chinesen, Japanern und Europäern. „Einfach multikulti!“, sagt er. Seine Heimatstadt Nazca liegt nahe der Küste, und so ist es kein Wunder, dass dort frischer Fisch in allen Variationen zubereitet wird. „Ceviche“ heißt ein Gericht aus roh in Limettensaft mariniertem Fischstreifen und Meeresfrüchten, das meistens zusammen mit Mais gereicht wird und so populär ist, dass man, sagt Carlos Contreras, sehr verwundert angeblickt wird, wenn es nicht zu den Lieblingsgerichten gehört.

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Auch Fleisch essen die Peruaner gern, in erster Linie Rind (die gegrillten Herzen inbegriffen) und Hühnchen, doch ebenso auch Schwein, Schaf und, ja, Meerschweinchen. Unmöglich, allein die typischen Gerichte aufzuzählen, und so sei hier nur der klassische Eintopf Pachamanca genannt, für den verschiedene Fleischsorten, Gemüse und scharfe Gewürze stundenlang köcheln, bis sich Freunde, Verwandte und Bekannte für ein Festessen zusammensetzen.

Wenn Carlos Contreras ab und zu nach Peru fährt, nach Lima, wo es eine ganze Reihe preisgekrönter Restaurants gibt, dann verlangt es ihn zuerst nach „echtem“ Mais, dem weißen Mais, dessen Körner groß sind wie Weintrauben und sehr geschmacksintensiv. Man isst ihn frisch geröstet mit ein wenig Salz. Gefragt, welches deutsche Gericht er besonders schätzt, nennt er sofort Rotkohl (und dazu gefüllte Ente). „Rotkohl, den haben wir nicht in Peru, das war wirklich was Neues für mich.“ Und Neuigkeiten auf der Speisekarte, denen ist er niemals abgeneigt. „Ich kann mich nicht auf ein paar Lieblingsgerichte festlegen, unmöglich“, sagt er. „Ich bin offen für alles, Hauptsache es schmeckt!“



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