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SZ/LZ-Serie: Interkultureller Frauenkreis Schaumburg setzt sich für Integration von Migrantinnen ein

„Man belügt sich auch selbst “

Landkreis. Interkultureller Frauenkreis Schaumburg nennt sich ein Projekt, das sich der Integration von im Schaumburger Land lebenden Migrantinnen verschrieben hat: „90 Prozent unserer ausländischen Mitbürger fühlen sich zwar in Deutschland integriert, doch bleiben sie oftmals in ihrem Kulturkreis“, heißt es hierzu in einem Informationsblatt der Gruppe. So falle es ihnen etwa trotz der angebotenen Sprachkurse schwer, das Erlernte im Alltag anzuwenden, denn oftmals sei die Angst groß, nicht verstanden zu werden. Zudem fehle seitens der deutschen Mitbürger häufig das Verständnis, den Neubürgern bei der Überwindung der „sprachlichen Barrieren“ behilflich zu sein. Als Folge entstünden unter anderem Missverständnisse, Vorurteile und eine gegenseitige Verschlossenheit.

veröffentlicht am 08.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:46 Uhr

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Autor:

Michael Werk

Graciela Brandt, die den Frauenkreis gemeinsam mit Martina Böhm im Jahr 2012 aus der Taufe gehoben hat, kann manches davon aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen. Nachdem die studierte Psychologin nämlich vor 14 Jahren der Liebe wegen von Mexiko nach Rodenberg umgesiedelt ist, hatte auch sie mit der deutschen Sprache so ihre Schwierigkeiten. Und damit einhergehend tat sie sich schwer, über das engste private Umfeld hinaus Kontakte zu Deutschen aufzubauen.

„Man belügt sich auch selbst wegen der Sprachschwierigkeiten“, erzählt die 47-jährige verheiratete Mutter zweier Kinder. Denn um sich nicht selbst antreiben zu müssen, schiebe man einfach einige der ihrer Meinungen nach unter Migranten weitverbreiteten Vorurteile vor, nach denen die Deutschen beispielsweise immer so ernst, ungeduldig und ausländerfeindlich sind und sich nicht freuen können. Derlei Verallgemeinerungen seien „natürlich Quatsch“, da es innerhalb der deutschen Bevölkerung ja auch sehr viele nette, aufgeschlossene Menschen gebe und die hiesige Gesellschaft auch sehr sozial sei. Aber auf erste Sicht funktioniere dieser Selbstbetrug halt. Die Konsequenz: „Man kann hier in Deutschland leben, ohne in Deutschland zu leben!“

Dass es auch anders geht, hat die gebürtige Mexikanerin Graciela Brandt durch die Mitwirkung im Interkulturellen Frauenkreis Schaumburg erlebt, der anfangs übrigens noch Kultureller Frauenkreis Rodenberg hieß. Durch die regelmäßigen Treffen dieser Gruppe habe sie einen viel größeren Ehrgeiz entwickelt, Deutsch zu sprechen, Kontakte zu knüpfen und mit diesen Bekanntschaften verschiedene Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Ihre Lebensqualität als Migrantin in Deutschland habe sich dadurch „deutlich verbessert“, resümiert sie.

Von Martina Böhm, die ebenfalls in Rodenberg lebt, ist hierzu zu erfahren, dass sich der Interkulturelle Frauenkreis Schaumburg jeden zweiten Dienstag im Monat von 10 bis 12.30 Uhr im Landgrafenhaus in Bad Nenndorf, Hauptstraße 2, und jeden zweiten Mittwoch im Monat von 19 bis 21.30 Uhr im Museum Rodenberg, Burgstraße, trifft. Auf dem Programm steht der gegenseitige Austausch über Alltagsthemen, in dessen Rahmen die Teilnehmerinnen auch ihre Interessen miteinander teilen und voneinander lernen können. So hätten schon mal türkischstämmige, muslimische Frauen aus ihrer Sicht erzählt, was es mit dem Tragen des Kopftuchs auf sich hat.

Zudem könnten so genannte „Tandems“ gebildet werden, bei denen sich eine deutsche Frau regelmäßig mit einer Frau, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, zu Gesprächen und diversen Unternehmungen trifft, um der Migrantin auf diese Weise eine zusätzliche Gelegenheit zu bieten, Deutsch zu sprechen.

Aktuell zähle die lose Gruppe rund acht Frauen, von denen vier bis fünf einen Migrationshintergrund haben.

Informationen im Internet unter www.interkultureller-frauenkreis-shg.de.



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