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Ergün Koskan beschäftigt in seiner Auto- und Gebäude-Reinigungsfirma 15 Mitarbeiter

Luxuswagen sind sein Metier

Bückeburg. Ergün Koskan hat eine Arbeit, die Autofans neidisch macht. Porsche, Ferrari, Jaguar: Es gibt kaum einen teuren oder seltenen Wagen, den der Chef einer mittelständischen Reinigungsfirma nicht schon gefahren hätte. „Die Arbeit macht mir viel Spaß“, sagt der 49 Jahre alte Bückeburger. Und gibt zu: „Ich habe schon immer eine Leidenschaft für schöne Autos gehabt.“

veröffentlicht am 16.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:49 Uhr

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Autor:

Michael Grundmeier

Was nach einem Traum-Job klingt, ist tatsächlich harte Arbeit. Als Chef der Auto-Kfz-Aufbereitungsfirma Ergün Koskan GmbH ist er immer gefordert. Es sei eine große Verantwortung ein 15-köpfiges Unternehmen, zu führen, sagt er. „Bis heute arbeite ich bei allem mit, ich bin wohl der einzige Chef, der mehr macht, als seine Mitarbeiter“, sagt der 49-Jährige und schmunzelt. Trotzdem macht ihm der Job viel Spaß. „Ich habe Maschinenschlosser gelernt und war schon immer an Autos interessiert“, meint Koskan rückblickend. Insofern sei der eingeschlagene Berufsweg nur folgerichtig.

Und tatsächlich: In seiner Firma kann aus der Türkei Stammende seine Leidenschaft so richtig ausleben. „Ich habe schon fast jeden Wagen gefahren, teure Autos, die bis zu einer Million kosten, und seltene Autos wie einen SLS AMG.“ Mit solchen Schätzchen zu arbeiten und sie zu polieren, mache ihm viel Freude. „Und ich bin dankbar, dass Groß-Kunden wie die Daimler-AG, nach 25 Jahren im Geschäft so viel Vertrauen zu mir haben.“

Dass sich immer mehr Ausländer, beziehungsweise Migranten selbstständig machen, hat unlängst auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie herausgefunden. Jedes dritte Gewerbe werde mittlerweile von Bürgern ohne deutsche Staatsangehörigkeit angemeldet, schreibt das Ministerium. Dass der Gründer-Zug Fahrt auf nimmt, zeigen Zahlen aus dem Jahr 2009, in dem ausländische Bürger rund 130 000 neue Betriebe gegründet haben. Im Vergleich zu 2005 bedeutet das einen Anstieg um 25 Prozent, der sich vor allem auf einen Boom im Dienstleistungssektor zurückführen lässt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält Migranten für zunehmend unverzichtbar – vor allem vor dem Hintergrund, dass die deutsche Wirtschaft bis 2050 rund 700 000 Selbstständige verlieren wird. Wie viel Jobs Existenzgründer mit Migrationshintergrund schaffen können, zeigt eine Prognose aus der jüngsten Vergangenheit: Für das Jahr 2013 rechnete der DIHK mit bis zu 100000 neuen Arbeitsplätzen.

Ergün Koskan hat den Sprung in die Selbstständigkeit jedenfalls nie bereut. „Ich habe jeden Tag Kontakt zu Kunden, habe jeden Tag mit interessanten Menschen zu tun“, erzählt Koskan, der in absehbarer Zeit den Sprung von Hannover nach Bückeburg wagen und hier eine Filiale aufbauen will. Es sei zwar viel Verantwortung, er habe aber ein gutes Team, das gut zusammenarbeite. „Ich habe Mitarbeiter mehrerer Nationalitäten – Streit gibt es so gut wie gar nicht.“ Seine Philosophie fasst der gebürtige Türke (Region Kappadokien) so zusammen: „Es kommt darauf an, dass man begreift, dass man ein Fremder in einer fremden Kultur ist. Wir erwarten von den Deutschen, dass sie unsere Kultur und uns akzeptieren, so wie wir sind, aber im Gegenzug müssen wir auch ihre Kultur akzeptieren.“ Man müsse seinem Gegenüber mit Respekt begegnen. Die Terroristen der ISIS hält Koskan für „Spinner“. „Ich spreche mit meinen Mitarbeitern darüber, und da sind wir uns alle einig, dass das mit dem Islam nichts zu tun hat.“ Man dürfe jetzt aber nicht den Fehler machen und ISIS und den Islam in einen Topf zu werfen. „Nur weil es hier mal Hitler gegeben hat, sind ja die heutigen Deutschen, die 60 Jahre nach dem III. Reich geboren wurden, keine Nazis“, gibt Koskan zu bedenken. Die IS-Terroristen seien „Irre“, „für die darf man jetzt nicht alle verantwortlich machen.“

Eigentlich fühlt sich Koskan in Deutschland sehr wohl. Seit er mit 17 Jahren aus der Türkei weggegangen ist, habe es so gut wie keine Anfeindungen gegeben, „ich habe mich von Beginn gut aufgenommen gefühlt“, sagt er. Wohl auch, weil er das Glück hatte, schnell deutsche Freunde zu finden. „Ich habe die Sprache schon nach einem Jahr gesprochen, vorher war es schon schwierig“, erinnert er sich.

Und wie erzieht Koskan seine Kinder? „Deutsch“ oder „türkisch“? Das Mitglied im Vorstand der islamischen Gemeinde Bückeburg lächelt: „Kinder, die hier geboren werden, wachsen automatisch mit der sie umgebenden Kultur zusammen, deshalb bringen wir ihnen bei, was es heißt, Türke zu sein.“ Integration, das heißt für Koskan, dass die Kinder wissen, wo sie herkommen, „aus welcher Kultur und aus welcher Religion.“ Nur dann könnten sie anderen Kulturen mit Respekt begegnen.

Die politischen Debatten hält Koskan für sinnlos. „Die Menschen müssen sich begegnen und Respekt vor dem anderen haben – mehr braucht es nicht.“ Deutsch oder türkisch? Beides, sagt Koskan: „Hier in Deutschland sind meine Kinder deutsch, wenn sie in der Türkei sind, sind sie türkisch.“



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