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SZ/LZ-Serie: Was wäre Schaumburg ohne seine ausländische Küche? / Heute: italienisch

Kleine Portionen – in großer Runde

Rinteln. „Wenn Du mit dem Kopf durch die Wand willst, geht der Kopf kaputt – und nicht die Wand. Darum lach über den Ärger, denn jeder Tag hat seinen Preis!“ So lautet eine der Lebensweisheiten des so gerne schmunzelnden Antonio Purpi, Inhaber des italienischen Speiselokals am Pferdemarkt in Rinteln, das „Ristorante Pizzeria Italia“.

veröffentlicht am 30.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 20.10.2014 um 15:25 Uhr

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Autor:

Karl-Heinz Thenhart

Im Jahre 1973 verließ der gebürtige Sizilianer als Hotelfachmann das malerische Lugano in seiner Tessiner Wahlheimat, um dem Ruf seines Bruders zu folgen, der in der Obernkirchener Glasfabrik sein Auskommen fand. Purpi lernte im vornehmlich italienischsprachigen Schweizer Tessin etwas Deutsch, was ihm nun zugute kam: Er fungierte als Dolmetscher, vermittelte zwischen der Glasfabrik-Geschäftsleitung und den zahlreichen Arbeitskräften aus Italien.

Damals wohnte er in Bösingfeld und pendelte ständig zwischen Obernkirchen und dem Extertal, obwohl ihm Wohnraum in Stadthagen nahe seiner Arbeitsstätte angeboten wurde, aber: „Ich konnte diese Stadt nicht leiden. Daran hat sich bis heute nichts geändert“, sagt er breit grinsend. „Außerdem: Schicht war nicht mein Leben!“ Mit Schichtarbeit mache sich mancher Mensch kaputt.

Er packte die Gelegenheit des Wechsels weg von der Lohnarbeit hin zur Selbstständigkeit am Schopf und eröffnete vor 32 Jahren in Rinteln eine Pizzeria neben Kino und Aral-Tankstelle. Dort wirkte er 18 Jahre lang, bis es ihm zu eng wurde. Das Angebot, die räumlich um einiges größere Restauration des „Brückentor“-Hotels zu übernehmen, kam ihm sehr zupass; er sagte sofort zu.

Längst sind aus der einstigen Dreiheit drei Einzelteile geworden: das Hotel (privat geführt), der Brückentorsaal (in städtischer Regie) und das für seinen imposanten Weserblick bekannte Ristorante „Italia“. Durch Fleiß, Fortune und Fingerspitzengefühl gelang es Antonio Purpi, die stets schwierige Anfangszeit an einer neuen Wirkungsstätte zu meistern und sich ein Stammpublikum zu erobern.

„Es wurde mir nachgesagt, meine Preise seien zu hoch. Zum Glück habe ich seit zwei Jahren spürbar ein Umdenken festgestellt. Die Deutschen kochen zu Hause vermehrt selbst und achten inzwischen beim Einkauf auf Qualität, erkennen so, dass gutes und gesundes Essen seinen Preis hat“, freut sich Purpi. Worüber er immer noch den Kopf schüttelt, ist die norddeutsche Vorliebe für den „vollen Teller“.

Während in südlicheren Gefilden ein Menü in mehreren kleinen Gängen und in großer Gesellschaft serviert wird als Gelegenheit für das Miteinander, möchte der Norddeutsche am liebsten in eher kleiner Runde speisen und dabei alles gleichzeitig aufgetischt bekommen.

Das bringt mit sich, dass für Küche und Service wenige, aber arbeitsintensive Stoßzeiten entstehen. „Um halb sieben alles voll, um halb zehn alles leer!“, bringt es Gastronom Purpi auf den Punkt. In Sizilien wäre so früh noch keiner aufgetaucht, bliebe dafür aber bis in die Nacht. Übrigens fänden selten Landsleute den Weg zu ihm. Da herrsche noch die alte Gastarbeitermentalität vor, Gelder lieber in die Heimat zu schicken und zu Hause zu essen. Umso mehr freue er sich über die vielen Gäste vom Doktorsee, die aus allen möglichen Ecken Europas anreisen; sie sorgen im Sommer für ein ständig volles Haus.

Apropos Doktorsee: Dort traf er vor fast 40 Jahren den Lebensmittelhändler Theo Milonas, mit dem ihn bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Die beiden Rintelner Urgesteine treffen sich gelegentlich auf ein Bierchen und erzählen sich neue Späße und alte Anekdoten – das markante Schmunzeln in den Gesichtern.



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