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Mit 13 kam Mustafa Durmaz nach Deutschland – heute ist er der Döner-Spezialist Bückeburgs

„Integration geht durch den Magen“

Bückeburg. Döner gibt es mittlerweile an jeder Ecke. Ein bisschen Salat, Fleisch und ein Fladenbrot. Fertig ist die leckere Spezialität, die mit den ersten türkischen Einwanderern nach Deutschland gekommen ist. Der Inhaber von „Döner Efez“ in der Braustraße, Mustafa Durmaz, ist quasi von Berufs wegen ein Beobachter dieser kulinarischen Annäherung: „Integration geht eben auch durch den Magen“, sagt der 50-Jährige, der den Imbiss gemeinsam mit seiner Frau Nalan führt. Bei ihm, so Durmaz weiter, äßen Deutsche, Türken, Kurden oder Jesiden „und wir freuen uns über jeden, ganz egal, wo er herkommt“.

veröffentlicht am 05.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:49 Uhr

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Autor:

von Michael Grundmeier

Essen und Trinken sind seit jeher mehr als reine Nahrungsaufnahme. Bier und Sauerkraut gelten als „deutsche“ Lebensmittel“, Wein und Baguette als „französische“. Bis in die 60er Jahre hinein – damals öffneten die ersten griechischen und italienischen Restaurants ihre Pforten – gab es auf deutschen Tellern vor allem Hausmannskost. Dann kam der erste Imbissstand, der in Berlin den Döner anbot. Und alles wurde anders. Studenten aßen den Fleischfladen, später auch Rentner und Polizisten. Kurzum: ein Mentalitätswandel, der später die Essgewohnheiten der Deutschen veränderte. 2011 gab es in Deutschland über 16 000 Dönerbuden.

Heute ist der Grillfladen längst ein Exportschlager. Wie unaufhaltsam der Siegeszug der deutsch-türkischen Fleischspeise ist, zeigt eine Entwicklung, die gegenwärtig in der Türkei stattfindet. Dort wird in jüngster Zeit immer mehr Fertig-Döner verkauft, der nach deutschen Standards zubereitet wurde. Den Grund für den Erfolg sehen Experten in der Tatsache, dass „deutscher Döner“ weniger fett ist, als das türkische Originalprodukt, außerdem schmeckt er anders. Darüber hinaus wird Dönerfleisch in der Türkei häufig auf einem Teller serviert, und nicht im Brot, wie in Deutschland üblich. Sei es, wie es sei: auf dem Weltmarkt ist das multikulturelle Produkt aus Deutschland jedenfalls außerordentlich begehrt.

Die Annäherung der Essgewohnheiten kennt der 50-jährige Mustafa Durmaz aus Bückeburg aus eigener Anschauung. Gemeinsam mit Frau Nalan betreibt er den „Döner Efez“ in der Braustraße: ein Imbiss, der sowohl die türkische Spezialität, aber auch Pommes oder Hähnchenbrust anbietet. „Bei uns isst jeder, wir freuen uns über jeden“, sagt der stets gut gelaunte Inhaber, der sich selbst als Sunnitischen bezeichnet. Warum es den Bückeburgern so gut bei ihm schmeckt? Durmaz wiegt den Kopf und denkt nach: „Das liegt wohl daran, das wir hier alles frisch haben. Der Salat wird im Laufe des Tages immer wieder neu geschnitten.“ Und dann gibt es ja auch noch das Geheimrezept! Ein Geheimrezept? Was hat es denn damit auf sich? Nalan Durmaz lacht. Das könne sie natürlich nicht verraten. Nur soviel: „Die Sauce ist besonders zubereitet, dafür habe ich viel experimentiert.“ Jetzt halte sich die Sauce sehr lange und sie schmecke sehr gut. „Es ist wichtig, dass die einzelnen Zutaten gut zueinander passen, dass alles im Geschmack stimmig ist und dass immer alles frisch ist“, weiß Nalan Durmaz. Das sei das ganze Geheimnis.

Wie der Döner spiegelt auch Familie Durmaz ein Stück bundesdeutsche (Integrations)-Geschichte. Der Vater von Mustafa Durmaz kam 1964 nach Deutschland, arbeitete als Eisenleger und hat am Karstadt-Bau in Minden mitgearbeitet. Später wurde auch Sohn Mustafa zunächst nach Recklinghausen und dann nach Bückeburg geholt. 13 war er damals, „ich war einer von zwei Türken an der Hauptschule“, erinnert sich Durmaz heute. Keine einfache Zeit, die der Junge aber gut überstanden hat. „Ich kam aus einem Bürgerkrieg, wo Bruder gegen Bruder gekämpft hatte, ich hatte ein dickes Fell, auch gegen böse Sprüche.“

Durmaz machte eine Lehre als Kfz-Mechaniker und ging dann zur Firma Rentrop. „Da hat mir sowohl die Arbeit, als auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen viel Spaß gemacht“, sagt er heute. Es sei eine gute Zeit gewesen. Die Abfindung ermöglichte Durmaz seinen Traum vom eigenen Imbiss. In der Braustraße eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau den „Döner Efez“. Der Grill bereitet ihm auch nach 13 Jahren große Freude, nur das lange Stehen strengt an. „13, 14 Stunden das ist schon eine Knochenarbeit. Aber wir sind gerne für unsere Kunden da, wir haben viele Stammkunden.“

Mustafa Durmaz ergänzt: „Wir fühlen uns hier, in Deutschland, zu Hause, das ist unsere Heimat.“ Hier lebe die Familie das ganz normale deutsche Idyll mit Sohn, Tochter und Hund. „Wir sind hier sehr glücklich, wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagen beide Durmaz unisono.

Heimat: das ist aber auch die Türkei, in der sich die Durmazs trotzdem manchmal ein wenig fremd fühlen. „Wir werden da die Deutsch-Türken genannt, man merkt sofort, dass wir aus Deutschland kommen.“ Für die Tatsache, dass viele Türken nach Hause zurückkehren, wenn sie ins Rentenalter kommen, hat Durmaz eine einfache Erklärung. „Da reicht oft das Geld nicht, weil die erst später nach Deutschland gekommen sind, vielleicht mit 30.“ In der Türkei könne man von der Rente, die hier nicht zum Leben reicht, immer noch gut leben.



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