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SZ/LZ-Serie: Giovanni Di Noto ist im Optik- und Hörakustikbereich erfolgreich

„Fürstenkind“ mit sizilianischen Wurzeln

Bückeburg. Als der Bundesrepublik in der Wirtschaftswunderzeit die Arbeitskräfte ausgingen, zählte in den frühen 1960er Jahren Pietro Di Noto zu den ersten Italienern, die mit ihrer Tatkraft dem Obernkirchener Glas-Unternehmen Heye unter die Arme griffen. Die sogenannten Gastarbeiter bekamen damals lediglich Zeitverträge, was den jungen Sizilianer zwischen dem fernen Palermo und der im Herzen Schaumburgs gelegenen Bergstadt hin- und herpendeln ließ.

veröffentlicht am 09.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:46 Uhr

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Autor:

Herbert Busch Und Philipp Killmann

Es nahm ein knappes Jahrzehnt in Anspruch, bis der seinerzeitige Geschäftsführer Hans-Heinrich Baum den Di Notos per Festanstellung ein dauerhaftes Verbleiben in Obernkirchen ermöglichte. Als Maria-Grazia Di Noto am 6. Dezember 1968 ihren Sohn Giovanni zur Welt brachte, hatte die Familie ihren Lebensmittelpunkt bereits in der Bergstadt. „Damals wohnten wir in recht bescheidenen Verhältnissen an der Rintelner Straße“, berichtet der heutige Inhaber von zwei Fachgeschäften in Bückeburg und Bad Eilsen.

Einen beträchtlichen Teil seines Fachwissens verdankt Di Noto jun. seiner im Hause Wehmeyer in der Ex-Residenz und in Bad Eilsen absolvierten Lehrzeit. Bereits während der anschließenden Engagements in Filialen des Anbieters „Fielmann“ in Bielefeld und Minden deutete sich an, dass der junge Optiker den Schritt in die Selbstständigkeit wagen würde. Dieser erfolgte 1991 gemeinsam mit einem Partner unter der Bückeburger Adresse Lange Straße 23. Damals machte Di Noto eine der wenigen negativen Erfahrungen mit Vorbehalten seitens der Deutschen. „Eine Kundin sagte nach einem Beratungsgespräch mit mir, dass sie froh sei, nicht an meinen italienischen Partner geraten zu sein. Sie hatte mich mit ihm verwechselt. Als ich bei der Verabschiedung meinem italienischen Nachnamen sagte, und sie ihren Irrtum bemerkte, war ihr das furchtbar unangenehm“, erzählt er.

„Der Geschäftsstart ging damals einigermaßen holprig über die Bühne“, erinnert sich der mittlerweile über zwei Meisterbriefe (Augenoptik und Hörakustik) verfügende Geschäftsmann. Im Eröffnungsjahr wurde der untere Teil der Langen Straße zur Fußgängerzone hergerichtet und glich viele Monate lang einer wenig einladenden Baustelle. Di Noto: „Diesen Aufriss hatten wir völlig verschlafen.“ In dieser Zeit erwiesen sich Kontakte von Vorteil, die er als junger Mann als Servicekraft in der Gastronomie – etwa in dem italienischen Restaurant „Vito & Franco“ in Bückeburg – geknüpft hatte. „Diese Kontakte haben uns über Wasser gehalten“, meint der Fachmann heute.

Im Privaten kommt dem Jahr 1993 eine besondere Bedeutung zu. „Damals habe ich meine Frau Christina kennengelernt, die mich 1997 geheiratet hat,“ erzählt der Vater der aus der Ehe hervorgegangenen Töchter Maria Luisa Grazia (15) und Stella Madita (11). Sie wachsen wie er zweisprachig auf, mit ihren Eltern machen sie regelmäßig Urlaub in Italien. „Und Stella Madita prahlt gerne mit ihrer italienischen Seite“, erzählt ihr Vater lachend.

Mit Blick auf den Sport sind Zeiten als aktiver Handballspieler in den Reihen des MTV Obernkirchen sowie Trainertätigkeiten in Bad Nenndorf und Obernkirchen hervorzuheben. Aktuell ist der 45-Jährige Co-Trainer beim MTV, wo auch seine Qualitäten als Sponsoring-Experte gefragt sind.

Bleibt das Ehrenamt: Der seit 1993 ehrenamtlich aktive Di Noto ist Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses, Vorsitzender des „Arbeitskreises Hankensbüttel“ und leitet den „Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten“. Seit 2004 ist er im Vorstand des Bundesinnungsverbandes und zudem Mitglied im Vorstand des Zentralverbandes der Augenoptiker. Auf Bundesebene ist er im Frühjahr 2014 als langjähriges Mitglied des Ausschusses für „Öffentlichkeitsarbeit & Marketing“ zum Vorsitzenden dieses Gremiums gewählt worden und demnach in verantwortlicher Position für die Werbe- und Reklamemaßnahmen des Augenoptikerhandwerks zuständig. Die Landesinnung der Augenoptiker und Optometristen in Niedersachsen und Bremen wählte den Bezirksmeister Schaumburg Lippe 2013 zum stellvertretenden Obermeister. – nicht ohne vor einigen Jahren eine wesentliche Hürde nehmen zu müssen: „Vorstandsmitglied konnte man nur als Deutscher werden, also nahm ich damals die deutsche Staatsangehörigkeit an“, erzählt Di Noto. Und die erste Amtshandlung folgte sogleich: „Ich habe die Satzung sofort dahin gehend geändert, dass auch Nichtdeutsche Vorstandsmitglieder werden können.“

Ferner bleibt zu erwähnen, dass in der 1999 publizierten Festzeitschrift „200 Jahre Heye Glas“ tüchtige Menschen wie Maria-Grazia und Pietro Di Noto und auch sonst keine Arbeiter Berücksichtigung finden. „Das fand ich schon etwas traurig. Ich bin jedenfalls sehr stolz auf meine Eltern, die mich immer unterstützt haben“, gibt Di Noto zu verstehen.

Für seinen unternehmerischen Erfolg habe sein Migrationshintergrund kaum je eine Rolle gespielt. „Meine Mutter hat mich in Bückeburg geboren, und daher bin ich mit Fug und Recht ein Fürstenkind“, sagt er augenzwinkernd.

Einen „kulinarischen“ Teil unserer Serie finden Sie auf

SEITE 24

Bückeburger mit italienischem Migrationshintergrund: Giovanni Di Noto.bus



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