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SZ/LZ-Serie: Was wäre Schaumburg ohne seine ausländische Küche? / Heute: kroatisch

Essen wie im Urlaub

Uchtdorf. Tränen, die in die Augen schossen, und ein echter Schock über die verrückte Schärfe dieser unbekannten grünen Dinger, in die sie gerade gebissen hatten. Ja, das konnte damals den frühen Gästen der Familie Gaspar geschehen, die noch nie zuvor kroatisch gegessen hatten und nicht wussten, dass knallgrüne Peperoni mit Vorsicht zu genießen sind. „Und wir erkannten erst nach und nach, dass die Deutschen unser Essen oft viel zu scharf fanden“, sagt Zoran Gaspar, Wirt im Restaurant „Zum Kroaten“ in Uchtdorf und zuvor im Rintelner „Croatia“, dessen Vorgänger das allererste Lokal mit ausländischer Küche in Rinteln war.

veröffentlicht am 09.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

So wird es wohl einigen Köchen und Gastronomen im Schaumburger Land gegangen sein, die als Migranten in Schaumburg ein Lokal eröffneten. Im Rahmen der Serie „So bunt ist Schaumburg“ blicken SZ und LZ wöchentlich an dieser Stelle auf die Küche und Köche der Region.

Die Speisekarte der Gaspars beinhaltet inzwischen längst eine geschickte Mischung aus beliebten deutschen und den typischen Speisen der kroatischen Heimat, den Hackfleischröllchen Cevapcici, den Fleischspießen Raznjici und Satarasch. Ging man früher aber zum „Jugoslawen“, um sich ungeheuer reichhaltige Fleischportionen servieren zu lassen – „bei uns ist es ein Zeichen der Gastfreundschaft, auf jeden Fall mehr aufzutischen als gegessen werden kann“, so der Wirt – so gibt es jetzt sogar feine vegetarische Gerichte und variantenreiche Gemüsebeilagen.

Die Zeiten, wo fast jedes Essen vom würzigen Djuvec-Reis begleitet war, sind ebenfalls vorbei. „Vor 40 Jahren aßen die Deutschen noch kaum Reis, da war der Djuvec-Reis etwas wirklich Besonderes“, erklärt Zoran Gaspars Frau Ivanka, die Herrscherin in der Küche. Trotzdem besteht sie darauf, dass jeder, der bei ihnen speist, die Gelegenheit bekommt, sich beim Essen wie im Urlaub in Kroatien zu fühlen. „Die kroatische Küche ist ja schon immer auch mediterran geprägt“, sagt sie. „Schließlich hat unser Land eine lange Geschichte, in der Rom und Italien eine entscheidende Rolle spielten.“

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  • Ivanka Gaspar
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Zorans Vater Mio Gaspar, der einst das Rintelner „Croatia“ eröffnete, kehrte vor elf Jahren ins immer weiter geliebte Kroatien zurück, und auch Zoran Gaspar, bei aller tiefen Zugehörigkeit zu Rinteln, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, wäre beinahe zurückgegangen in das Land, dass er von jeher als Heimat empfindet. Nicht umsonst heißt sein Uchtdorfer Restaurant „Zum Kroaten“.

Und wer mit dem Wirt eine kleinere Plauderei führt, hört dabei garantiert auch etwas über die Schönheit der istrischen Küste, über die vielen kleinen Dörfer, und über den Tourismus, der ohne Hotelburgen auskommt und daher nahe Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung ermöglicht.

Der jugoslawische Bürgerkrieg hatte auch zur Konsequenz, dass die meisten ehemaligen „Jugoslawen“, wie die Restaurants mit Balkan-Küche global genannt wurden, ihre Identität verloren und man nun zwischen Hameln und Minden herumsuchen muss, um Lokale mit entsprechender Speisekarte zu finden. „Viele Kollegen haben ganz auf die deutsche Küche umgestellt“, sagt Zoran Gaspar. „Das aber wäre für uns keinesfalls infrage gekommen!“ Für ihn ist das heimatlich orientierte Essen untrennbar mit der eigenen Biografie verbunden. „Ich bin Schaumburger und mit meiner Familie hier tief verwurzelt“, sagt er. „Doch ebenso fühle ich mich als Kroate, und das wird sich niemals ändern.“



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