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Überwiegende Mehrheit der Migranten besteht Einbürgerungstest – Wir stellen Rintelner auf die Probe

„Dürfen wir bleiben?“

Rinteln. Leicht ist es nicht, deutsch zu sein. Oder deutsch zu werden. Davon zeugen zahlreiche ratlose, über den Einwanderungstest gebeugte Gesichter. Doch es sind nicht Migranten, die heute den Einbürgerungstest auf Bitten unserer Zeitung hin ausfüllen, sondern zum Großteil deutsche Staatsbürger, die am Marktplatz einen Kaffee trinken. Während bei der ersten Seite – es geht um Nationalsozialismus – die meisten schnell ihr Kreuzchen machen, werden spätestens bei der fünften Frage die Augenbrauen hochgezogen. „Wie waren die Besatzungszonen Deutschlands nach 1945 verteilt?“, soll hier anhand einer Karte und vier vorgegebener Antworten (der Einbürgerungstest ist ein Multiple-Choice-Verfahren) beantwortet werden. „Und wenn wir durchfallen, dürfen wir trotzdem bleiben?“, fragt eine junge Mutter, nachdem sie lächelnd den ausgefüllten Fragebogen zurückgegeben hat. „Wie viele Bundesländer hatten wir denn?“

veröffentlicht am 17.09.2014 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 22.09.2014 um 11:37 Uhr

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Autor:

von Jakob Gokl

So wie unsere zufällig ausgewählten Probanden müssen auch einbürgerungswillige Migranten 17 von 33 Fragen richtig beantworten, um den Test zu bestehen. Im Landkreis Schaumburg lässt sich dieser Test sechsmal im Jahr bei der Volkshochschule Bückeburg ablegen.

Mit doppelter Personenkontrolle wird dabei die Identität überprüft, erklärt Dr. Udo Ziert, der für die Volkshochschule den Bereich „Sprachen“ leitet. Und Abschreiben sei so gut wie unmöglich, da jeder einen personifizierten Prüfungsbogen mit unterschiedlichen, zufällig ausgewählten Fragen bekomme.

Etwas leichter hatten es da unsere Prüflinge am Marktplatz der Weserstadt. Da ein Kaffee sich am besten in Gesellschaft trinkt, waren die meisten nicht alleine mit ihrem Test beschäftigt, dementsprechend unterhielten sich die meisten ausgiebig über die Fragen. Und auch die Handys unserer Freiwilligen sammelten wir natürlich nicht ein. Dafür war unser aus Originalfragen bestehender Test eher mit den schwierigeren Fragen gespickt.

Als Bilanz unseres kleinen, statistisch nicht sehr repräsentativen Experiments am Marktplatz lässt sich sagen: Von 22 Teilnehmern konnten 20 mehr als 17 Punkte erreichen und hätten damit den Test bestanden. Allerdings erreichten nur zwei mehr als 30 Punkte, die volle Punktezahl erreichte niemand.

An der Frage nach den Besatzungszonen scheiterten bei unserem Versuch auch die beiden Besten. Was allerdings wenig überrascht, immerhin waren sie mit 17 und 26 Jahren davon schon lange nicht mehr betroffen.

Weiter ließ sich beobachten, dass die jüngeren Teilnehmer (die Jüngsten konnten mit 14 Jahren stolze 29 beziehungsweise 23 Punkte erreichen) tendenziell besser abschnitten als jene, die die Schulbank schon lange hinter sich gelassen hatten.

Entsprechend viel wurde geächzt und teilweise auch geflucht, in der für viele ungewohnten Prüfungssituation. Die für manche so gar nicht zur rechten Zeit kam. „Ich wünsche mir doch nur, in Ruhe einen Kaffee zu trinken“, flehte eine Frau mit drei Kindern lachend und lehnte den Testbogen ab.

Dagegen waren mehrere andere Rintelner offenbar bereits ohne das Zutun unserer Zeitung auf die Idee gekommen waren, den Einbürgerungstest im Internet auszufüllen. „Und ich habe sogar bestanden“, verkündet eine von ihnen nicht ohne Stolz, nur um dann etwas leiser fortzusetzen: „Aber leicht war es wirklich nicht.“

Davon kann auch Udo Ziert von der Volkshochschule ein Lied singen: „Ohne Vorbereitung ist das im Detail schon äußerst schwierig“, meint er. Teil des 660 Stunden langen Integrationskurses seien daher nicht nur 600 Stunden Unterricht in der deutschen Sprache, sondern auch 60 Stunden, die sich mit einer Einführung in die Gesellschaft, Kultur und Geschichte Deutschlands beschäftigten. Danach sollte es für die meisten Migranten kein Problem sein, den Test zu bestehen.

Bundesweit lag die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse in den letzten Jahren stets bei über 90 Prozent. Insgesamt seien von Juni 2013 bis Juni 2014 bei der Volkshochschule in Bückeburg 149 Einbürgerungstests absolviert worden. Etwa 90 Prozent erfolgreich.

Hinweis: Wenn Sie den Einbürgerungstest einmal selbst machen wollen, finden sie ihn im Internet unter www.bit.ly/1p17NHO

Angst vor Verlust der Staatsbürgerschaft oder der Ausweisung aus Deutschland musste keiner unserer Freiwilligen, die den Einbürgerungstest absolvierten, haben. dpa



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