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Yildiz Yildirim ist Musikpädagogin

Böse Menschen haben keine Lieder

Stadthagen/Landkreis. „Böse Menschen haben keine Lieder“, hat der Dichter Johann Gottfried Seume mal geschrieben. Rund 200 Jahre später wurde dieser Ausspruch an der Grundschule am Sonnenbrink in Stadthagen gewissermaßen als Integrationsinstrument in die Tat umgesetzt. Zwei Jahre lang sang Yildiz Yildirim einmal wöchentlich mit den Schülern gemeinsam Lieder, rezitierte Gedichte oder führte Tänze auf. Türkische Lieder, Gedichte und Tänze. „Den deutschen Schülern und ihren Eltern sollte die Kultur der türkischen Mitschüler nähergebracht und etwaige Vorurteile abgebaut werden“, erläutert Yildirim und wertet das vor nunmehr zwei Jahren abgeschlossene Projekt als Erfolg. „Das war einfach toll“, sagt sie. „Alle Beteiligten hatten großen Spaß daran“, sagt sie. Yildiz Yildirim arbeitet als Musikpädagogin für die Kreisjugendmusikschule Schaumburg.

veröffentlicht am 06.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:06 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

In ihrer täglichen Arbeit ist zwar selten Platz für türkisches Liedgut, darauf sind die Unterrichtsmaterialien einfach nicht ausgerichtet. Aber wenn sie mit Grundschülern doch mal ein türkischsprachiges Lied einübt, mache es den Kindern große Freude. „Kinder sind sehr aufgeschlossen und mögen andere Sprachen. Sie finden es toll, plötzlich ein türkisches oder italienisches Lied singen zu können“, schildert Yildirim. „Und vor allem: Es fällt ihnen so unheimlich leicht, Sprachen zu lernen.“

Beruflich fand die 39-Jährige über den zweiten Bildungsweg zur Musik. Nach dem Abitur in ihrer Geburtsstadt Melle machte die Deutsche mit türkischen Wurzeln zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Doch als sie heiratete und Kinder bekam, wurde es für sie immer schwieriger, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Sie suchte nach Alternativen und wurde bei der Kreisjugendmusikschule (KJMS) fündig.

Hier arbeitete sie zunächst als pädagogische Betreuungskraft, bis der damalige Direktor der KJMS ihr musikalisches Können bemerkte und ihr anbot, sich entsprechend weiterzubilden. Der Ausbildung zur Musikpädagogin folgte eine zur Liedergartenlehrerin sowie eine Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft für Atmung, Sprache, Stimme und Bewegung bei der Schlaffhorst-Andersen-Schule in Bad Nenndorf – alles immer am Wochenende. „Das hätte ich ohne die Unterstützung meines Mannes nicht leisten können“, erinnert sich Yildirim.

Seitdem gibt sie ihre eigenen Kurse an der KJMS: zum Beispiel die Eltern-Kind-Singgruppe, bei der die Sprachentwicklung, aber auch die Motorik und das Gehör der Kinder gefördert und geschult werden, oder musikalische Früherziehung von Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren. „Dabei entdecken die Kinder ihre eigene Stimme, lernen Bewegungsspiele, Tanzen und einfache Instrumente, wie Klanghölzer, Glöckchen, Rasseln oder Trommeln“, erklärt Yildirim.

Privat ist die Stadthägerin von klein auf mit Musik aufgewachsen. „Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie“, erzählt sie. „Meine Brüder und mein Onkel hatten eine recht berühmte Band: Çiftçiler. Sie haben mich zu Hause schon manchmal mitmachen lassen.“ Singen lernte sie im Chor, in der Grundschule Blockflöte, und in einem alevitischen Kulturverein das türkische Saiteninstrument Saz. Später lernte sie auch Gitarre. Mit 19 war sie Sängerin in ihrer eigenen türkischen Folk-Pop-Band. Heute spielen ihre beiden jugendlichen Töchter ebenfalls Saz, sie nehmen Unterricht in dem alevitischen Kulturverein in der Herminenstraße in Stadthagen.

In ihren Kursen arbeitet Yildirim meistens mit der Gitarre, nur bei Gelegenheit stellt sie ihren Schülern auch mal die Saz vor. Aber im Grunde sei es ihr egal, mit welchem Instrument sie unterrichte. Ihr geht es um die Sache an sich. „Mit Musik Freude bei Kindern zu wecken, das macht mich selbst froh und gibt mir sehr viel Energie“, sagt sie. „Das treibt mich an.“

Und wer weiß, vielleicht wird das Angebot der Kreisjugendmusikschule ja eines Tages auch durch türkische Musikkurse ergänzt.



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