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Katholische St.-Sturmius-Gemeinde hat Mitglieder aus vier Erdteilen

28 Nationen unter einem Dach

Rinteln. Wer am Wochenende die Heilige Messe in der katholischen Pfarrkirche St. Sturmius am Kapellenwall besucht, könnte sich wie auf einer internationalen Tagung fühlen. Zwar sprechen und singen drinnen alle Deutsch. Aber draußen bilden sich anschließend Grüppchen, in denen Russisch, Polnisch, Englisch oder Französisch zu hören ist. Noch mehr Sprachen allerdings sind es kaum, denn dann wird es schwierig, mehrere zu finden, die sie verstehen.

veröffentlicht am 13.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:46 Uhr

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Autor:

Dietrich Lange

Pfarrer Peter Wolowiec repräsentiert selbst die Herkunft aus anderen Ländern. Er stammt aus Polen, ist vor 21 Jahren wegen des Priestermangels der katholischen Kirche in Deutschland aus seiner Heimat zuerst ins Eichsfeld, dann nach Rinteln gekommen. Für ihn ist die Sprachenvielfalt kein Problem. Er kann leicht vom Deutschen ins Polnische, Russische und Englische wechseln.

„Unsere Gemeinde hat nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten aufgenommen“, erklärt Wolowiec. „Erst in der Nachkriegszeit sind deshalb die kath. Kirchen St. Bonifatius in Hessisch Oldendorf und St. Maria in Hemeringen gebaut worden. Erst vor 40 Jahren entstand die kath. Kirche in Großenwieden. Sie alle gehören zur heutigen fusionierten Pfarrgemeinde St. Sturmius in Rinteln.“

Ein weiterer Schub aus Osteuropa kam nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die Bundesregierung sorgte dafür, dass viele Russlanddeutsche einreisen konnten, unter denen auch wieder viele katholisch waren. Zahlreiche Polen kamen hinzu.

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  • Nur ein kleines Spektrum der 28 Herkunftsnationen in der Kirchengemeinde St. Sturmius Rinteln: Dragana Edler (Bild oben, v. l.), Olivia Tsannang mit Sohn, Salamma Linke, Ogechi und Kenneth Igboerika; Pfarrer Peter Wolowiec (linkes Bild, hinten, v. r.) mit Iris Richter. Ursula Handl, Alexandra Mazur, Carina Briebsch und Rafael Mazur sowie Miriam Feldmann (vorn v. l.), Vivienne Hoanaka-Lange, Irene Choma und Hile Pjetrazhi.

Daneben gibt es viele Einzelschicksale. Salamma Linke zum Beispiel kam als 18-Jährige aus dem südwestindischen Kerala nach Rinteln, weil sie einen Mann aus der Weserstadt geheiratet hatte, den sie aus ihrer christlich geprägten Heimat kennengelernt hatte. Sie arbeitet als Krankenschwester im Krankenhaus Rinteln. Ihre drei Töchter sind in Rinteln aufgewachsen.

Kenneth Igboerika ist seit elf Jahren in Rinteln, verheiratet und inzwischen mehrfacher Familienvater, arbeitet als selbstständiger Unternehmer. Olivia Tsannang aus Kamerun folgte vor drei Jahren ihrem ebenfalls aus Kamerun stammenden Mann nach Rinteln, der als Arzt in der Region tätig ist. Geheiratet wurde in Rinteln, und vor einem Jahr wurde ihr Sohn geboren, der inzwischen auch katholisch getauft ist. Dragana Edler kam vor 15 Jahren aus Kroatien nach Rinteln. Hile Pjetrazhi stammt aus Albanien.

Als Pfarrer Woloiwiec kürzlich nach der Messe Gemeindemitglieder mit Migrationshintergrund zu einem Foto nach draußen bat, kam auch Miriam Feldmann von den Philippinen dazu, seit über 30 Jahren in Rinteln. Irene Choma aus Schlesien (heute Polen), Alexandra Mazur (seit 25 Jahren in Deutschland) und ihr Bruder Rafael (seit elf Jahren) stammen aus Polen, Ursula Handl ebenfalls (seit 43 Jahren in Rinteln). Die frühere Pfarrsekretärin Erika Gebauer ist gebürtige Österreicherin.

Während der deutschstämmige Teil der kath. Pfarrgemeinde schon ein erhebliches Durchschnittsalter hat, verjüngt sich die Gemeinde (insgesamt mehr als 5000 Mitglieder in Rinteln und Hessisch Oldendorf) durch Zuzüge und deren meist höhere Kinderzahl. Stellen die Mitglieder mit Migrationshintergrund an manchen Sonntagen gut die Hälfte der Messebesucher, sind sie in den Gremien der Kirchengemeinde aber kaum vertreten. „Im Pfarrgemeinderat haben wir eine ehemalige Polin und eine ehemalige Kroatin“, sagt Wolowiec. Aber im Herbst sind ja wieder Wahlen, und in jeder Messe wird bereits gebeten, Kandidaten vorzuschlagen.

Zur Integration trägt bei älteren Semestern der kath. Kirchenchor St. Maria Hemeringen bei. Deutsche, Polen und mit Vivienne Hoanaka-Lange sogar eine Sängerin aus Madagaskar (verheiratet seit 13 Jahren in Rinteln) wirken dort mit, die Chorleitung hat mit Natalia Olthoff eine Frau mit Herkunft aus der Westukraine. Spontan fallen Pfarrer Wolowiec weitere Beispiele aus Bolivien, Kanda, Irak, Vietnam, Brasilien, Tschechien, Italien, Südafrika, Portugal, Spanien, den Niederlanden und Syrien ein. Hinzu kommen noch einige Staaten, die früher Provinzen der riesigen Sowjetunion waren.

Bei jungen Leuten ist die Integration durch die Messdienerarbeit, die Kommunion- und Firmvorbereitung ebenfalls wirkungsvoll. Und da engagieren sich Eltern mit Migrationshintergrund stark für ihre Schützlinge.



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