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Karamba Diaby stellt in Hameln seine Autobiografie vor

„Rassismus nicht nur ein Ostproblem“

HAMELN. Karamba Diaby kam 1985 aus dem Senegal in die DDR. Jahrelang engagierte sich der promovierte Chemiker für Integration und gegen Rassismus, bevor er in die SPD eintrat und 2013 als erster Schwarzer in den Deutschen Bundestag einzog. Am Montag, 20. Februar, 19 Uhr, stellt er im Hefehof seine Biografie „Mit Karamba in den Bundestag“ vor. Humorvoll erzählt er von seinem Leben im Senegal, in der DDR und im Nachwendedeutschland. Im Dewezet-Interview beantwortet er Fragen zu Alltagsrassismus und zu seiner Vorstellung von einer offenen Gesellschaft.

Autor

Michael Zimmermann Volontär zur Autorenseite

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Sie wünschen sich, dass sich mehr Menschen mit „Migrationsbiografie“ in der Politik engagieren. Warum ist das so wichtig?

Karamba Diaby: In Deutschland hat jeder fünfte einen Migrationshintergrund und Politik geht uns alle etwas an. Die Demokratie lebt vom Engagement aller Menschen. Wenn ein Teil der Gesellschaft sich zurückzieht oder sich nicht beteiligen kann, dann hat die Demokratie eine Repräsentationslücke. Es ist wichtig, dass wir durch politische Bildungsarbeit mehr Menschen schon im jungen Alter dafür gewinnen, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.

Sie bezeichnen sich selbst als „nur zu 98 Prozent integriert“ – was bedeutet das für Sie?

Seit über 30 Jahren lebe ich bereits in Halle (Saale), habe hier meine Familie und meine Freunde. Ich bin auf jeden Fall angekommen in Deutschland. Nur mit dem Essen habe ich noch meine Herausforderungen. Ich mag grundsätzlich scharfes Essen. Ich esse aber auch mal gerne Eisbein mit Sauerkraut.

Wie sieht denn gelungene Integration eigentlich aus?

Eine gelungene Integration zeichnet sich für mich unter anderem dadurch aus, dass man sich mit den anderen Menschen verständigen kann, nach den gemeinsamen Regeln lebt und Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt.

Sie kämpfen immer wieder gegen das Vorurteil des rassistischen Ostens an. Wie schwierig ist es, weder zu dramatisieren noch das Problem kleinzureden?

Ich sage immer wieder, dass Rassismus nicht nur ein Ostproblem, sondern eine gesamtdeutsche Herausforderung ist. Wir müssen im Osten und im Westen für die Werte der Demokratie einstehen. Die Mitte-Studien der Uni Leipzig und der Friedrich-Ebert-Stiftung bestätigen das.

Wie wirkt sich denn die aktuelle Situation, in der Rassismus in vielen Teilen der Gesellschaft kein Tabu mehr ist, auf Ihr Leben aus?

Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Hassbotschaft erhalte, in der ich beleidigt oder bedroht werde. Früher gab es das auch – aber nicht in der Häufigkeit. Inzwischen sind das auch keine anonymisierten Nachrichten, sondern man kann klar erkennen, wer die Hassbotschaft verbreitet.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist das wirksamste Mittel dagegen, „miteinander in Kontakt zu kommen“. Wie kann man das erreichen?

Wir müssen die Herzen und Köpfe der Menschen zurückgewinnen. Gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht den Rechtspopulisten nach dem Mund reden. Die Strategie der Union ist in diesem Zusammenhang nicht aufgegangen. Weder der Ruf nach einem Burka-Verbot noch die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft hat ihr geholfen, die Rechtspopulisten zu stoppen. Wir Weltoffenen, Solidarischen, Demokraten und „Gutmenschen“ müssen stärker zeigen, dass Deutschland kein Ort für rechte Hetze ist.

Und wie kommt man an diejenigen ran, die gar nicht mehr erreicht werden wollen?
Wir müssen lauter, kreativer und überzeugender sein. Und wir Politiker müssen gute, soziale Politik für alle Menschen in Deutschland machen. Nur so können wir auch die Bürger, die in einer globalisierten und schnelllebigen Welt zunehmend verunsichert sind, erreichen.

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