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Kündigungsschreiben der Stadtwerke an die letzten rund 40 Kunden

piper:net wird eingestellt

HAMELN. Um 2000 rum war ein Kabelanschluss Pflicht, um ins Internet zu gehen. Als Alternative riefen die Stadtwerke Hameln das piper-net ins Leben - das Internet aus der Steckdose. Da diese Methode mittlerweile veraltet ist, stellen die Stadtwerke den Dienst zum 31. März ein.

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter

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Es war die Zeit, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und Glasfaserkabel in Hameln noch nicht verlegt worden waren. Wer damals um das Jahr 2000 ins Internet wollte und keinen Kabelanschluss hatte, guckte mehr oder weniger in die Röhre und musste sich über ein analoges Modem ins Netz einwählen. Die Stadtwerke boten damals einen Ausweg an, der technisch mittlerweile allerdings längst nicht mehr dem neuesten Stand entspricht: das Internet aus der Steckdose mit piper:net und das Internet per Funk mit piper:air.

Immerhin liefert piper:air auf dem Weg ins www Downloadraten von bis zu 6 MBit/s und Uploadgeschwindigkeiten bis zu 2 MBit/s, Datenübermittlungsgeschwindigkeiten, mit denen sich heute aber kaum noch jemand zufriedengeben will, weil per DSL oder Glasfaserkabel ein Vielfaches dieser Geschwindigkeiten zur Verfügung steht – aber eben nicht überall.

Aus der Aufrüstung der Konkurrenz haben die Stadtwerke jetzt eine erste Konsequenz gezogen und die piper:net-Verträge zum 31. März gekündigt, weil, wie es in dem Kündigungsschreiben heißt, nur noch wenige Kunden das Produkt nutzten. „piper:net ist aufgrund der Geschwindigkeit nicht mehr wettbewerbsfähig“, teilen die Stadtwerke den am Ende etwa 40 verbliebenen Kunden mit freundlichen Grüßen mit.

Für möglicherweise durch die Kündigung entstehende Unannehmlichkeiten bieten die Stadtwerke den piper:net-Kunden eine Entschädigung an: „Wir richten Ihnen daher bis zum 31. Mai 2017 einen kostenlosen Internetzugang mit unbegrenztem Datenvolumen ein“, heißt es in dem Schreiben und „ihren piper: net-Router schenken wir Ihnen“. Auch der Home- und Mailaccount stehe noch bis Ende Mai zur Verfügung. Nach Ablauf dieser Frist würden die E-Mail-Postfächer allerdings gelöscht. Danach sei eine Wiederherstellung nicht gesicherter Daten nicht mehr möglich.

Wer die Internet-Dienste der Stadtwerke dennoch weiter in Anspruch nehmen wolle, dem werde als schnelle Internetverbindung – piper:air angeboten – Internet über Funk. Ein Angebot, das nach Darstellung von Susanne Treptow, der Geschäftsführerin der Stadtwerke, nach wie vor genutzt wird: „Da gewinnen wir immer noch Kunden hinzu.“ Derzeit sind es nach ihren Angaben 585 Nutzer; 850 waren es auch schon mal. piper:net, das Internet aus der Steckdose brachte es zu seinen besten Zeiten sogar auf 1300 Kunden.

Von langer Lebensdauer wird auch piper:air möglicherweise nicht mehr sein. Susanne Treptow: „Wenn der Breitbandausbau durch den Landkreis kommt, dann sind wir natürlich raus aus dem Geschäft.“ Denn wenn die Konkurrenz bessere Leistungen anböte, „kündigen die Menschen natürlich“. Immerhin ist piper:air innerhalb des Landkreises mit seinen Funkantennen heute in 80 Ortschaften verfügbar und kann pro Antenne etwa 50 Kunden versorgen. In Abhängigkeit von der Kundenzahl seien teilweise auch mehrere Antennen in einer Ortschaft aufgestellt worden, erläutert Treptow die Vorgehensweise der Stadtwerke.

Wie viel Geld die Stadtwerke in ihr Internetangebot investiert haben, lässt sich nach Aussage der Stadtwerke-Geschäftsführerin nur mit großem Aufwand ermitteln. Die Investitionen seien aber mittlerweile komplett abgeschrieben. „Wir machen also mit jedem Kunden derzeit Gewinn und schreiben mit piper:air schwarze Zahlen.“ Ob die Stadtwerke auch in Zukunft als Provider für das Internet auftreten, kann Susanne Treptow heute noch nicht einschätzen. „Wir warten da noch auf die Entscheidung des Landkreises, der für das geplante Breitbandnetz ja noch keinen Provider hat.“ Den Datenfluss in und aus dem Internet gewährleistet für die Stadtwerke heute ein von der Telekom gemietetes Glasfaserkabel nach Hannover. „Und für den Fall eines Ausfalles dieser Verbindung steht uns ein Backup-Kabel von EWE.tel zur Verfügung.“

Der Hamelner Peter Kurbjuweit hatte piper:net etwa im Jahr 2005 für sich gebucht. „Das war damals ein interessantes lokales Angebot“, erinnert er sich. „Aber als dann ein Anbieter mit Kabelnetz kam, funktionierte alles viel besser.“ Deshalb habe er damals auch nach etwa zwei Jahren gekündigt, „weil es eben doch eine Menge Störungen gab und der Netzzugang nicht reibungslos lief“.

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