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Verein startet neuen Anlauf

Ein Platz mehr im Frauenhaus?

HAMELN. Das Frauenhaus hat zu wenig Platz. Bei acht Betten für Frauen und sechs weiteren für deren Kinder mussten die Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr um die 90 Frauen abweisen. Das Geld ist knapp. Finanziell gefördert werden die Plätze zwar vom Land, ohne Spenden könnte die Einrichtung allerdings nicht bestehen.

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Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite

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HAMELN. Das Frauenhaus Hameln hat zu wenig Platz für Frauen, die Schutz suchen, wenn ihre Partner sie bedrohen. Bei acht Betten für Frauen und sechs weiteren für deren Kinder mussten die Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr um die 90 Frauen abweisen (wir berichteten). Finanziell gefördert werden die Plätze vom Land Niedersachsen. Doch das Geld des Landes mit dem des Landkreises Hameln-Pyrmont reiche nicht aus, um die Personalkosten zu decken, wie Katrin Meister erklärt. Dreieindrittel Stellen müssen bezahlt werden.

Auf Basis einer neuen Richtlinie im Sozialministerium, die ab Januar gelten soll, könnte das Frauenhaus immerhin einen weiteren Platz beantragen und den auch bezahlt bekommen, wie das Ministerium in Hannover jetzt auf Anfrage mitgeteilt hat. Derzeit gilt laut Katrin Meister jedoch noch die alte Richtlinie und bildet die Grundlage für sämtliche Anträge, die sie jetzt gerade erarbeitet hat. Jedes Jahr aufs Neue muss das Geld für die acht Plätze schriftlich erbeten werden. Ob ein weiterer Platz beantragt werden kann, hängt von der Belegung in den drei vorangegangenen Jahr vor dem Vorjahr ab. Für 2017 sind also die Jahre 2013/14/15 ausschlaggebend. Bei einer Belegung von durchschnittlich 80 Prozent, könnte ein weiterer Platz bewilligt werden. Die Krux: Kommt eine Frau mit sechs Kindern und sie belegen insgesamt zwei Zimmer von acht – dann gilt das Frauenhaus als nicht voll belegt. Die 80-prozentige Auslastung erreicht das Hamelner Haus jedoch immer.

Landesweit liegt die Auslastung der einzelnen Frauenhäuser laut Ministerium zwischen rund 40 und 100 Prozent, durchschnittlich von 2012 bis 2015 bei rund 70 Prozent. Nach der Landesberechnung liegt Hameln allerdings auch „nur“ bei etwa 89 Prozent.

Neben dem Land unterstützt auch der Landkreis jährlich mit 50 000 Euro, stellt das Gebäude zur Verfügung und kommt für die Nebenkosten auf. Die Bußgelder, die das Frauenhaus zugesprochen bekommt, seien in der Vergangenheit drastisch gesunken, so Katrin Meister. Seien es früher zwischen 3000 und 4000 Euro gewesen, kämen heute vielleicht mal 500, mal 1000 Euro aus diesem Topf. Hinzu kommen noch Beiträge von Mitgliedern, die sich auf etwa 1000 Euro summieren. Ohne weitere Spenden wäre das Frauenhaus aufgeschmissen. Für „große Sachen“, so Meister, kämen immer mal wieder die hiesigen Serviceclubs auf. „Eine Waschmaschine ersetzen – das kriegen wir hin.“ Doch „keiner zahlt gern Büromaterial“. Was ebenfalls auf der Strecke bleibt, sind laut Katrin Meister Supervisionen und Fortbildungen, die die Mitarbeiter gerne einmal für sich nutzen würden. Dennoch: Über die finanzielle Ausstattung klagt keine der fünf Mitarbeiterinnen, das Problem sei nur, dass nicht allen Frauen geholfen werden könne.

Für die Jahre 2017 und 2018 hat das Land Niedersachsen eine Erhöhung um eine Million Euro auf 6,9 Million Euro veranschlagt. Mit diesem Geld werden 41 Frauenhäuser, 38 Gewaltberatungsstellen und Notrufe sowie 29 Beratungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt (BISS) gefördert. „Seit 2012 wurde das Mittelvolumen damit von rund 4,1 Millionen Euro im Jahr 2011 um über 68 Prozent erhöht“, erklärt das Sozialministerium. Insgesamt fördert das Land derzeit 352 Belegplätze für Frauen (2012: 335 Plätze). Dabei variieren die geförderten Platzzahlen zwischen 4 Plätzen in Osterode und insgesamt 50 Plätzen in Stadt und Region Hannover. In den Frauenhäusern, die von 2012 bis 2015 gefördert wurden, suchten laut Sozialministerium jährlich durchschnittlich rund 2200 Frauen mit etwa 2000 Kindern Schutz und Unterstützung. Daneben wurden jährlich durchschnittlich 8000 Frauen ambulant oder während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus psychosozial beraten. Angesprochen auf die Überlastung der Frauenhäuser heißt es weiter: „Allen Frauenhäusern steht es bei entsprechender Auslastungsquote offen, eine Erhöhung der Belegplätze zu beantragen. Für 2017 könnten damit gegebenenfalls weitere 21 Belegplätze gefördert werden.“ Sobald die neue Richtlinie gültig ist, will auch das Hamelner Frauenhaus noch einmal einen Antrag für einen weiteren Platz stellen.


Spendenkonto des Vereins Frauenhaus Hameln e. V.: Volksbank Hameln-Stadthagen, IBAN DE66 2546 2160 0525 4108 00

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