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Noch im Januar wird das Gebäude abgerissen / Archäologen untersuchen historischen Siedlungsbereich

Das Ausräumen des "Fischerhauses" beginnt

Hameln (are). Auf dem Bürgersteig an der Stubenstraße stapeln sich ein Schreibtischstuhl, Pappkartons, Tonnen, Metallstangen, Polster und Holzverkleidung. Sieht aus wie Sperrmüll - ist es quasi auch. "Wir räumen heute das alte Fischerhaus aus", sagt Dr. Gesa Snell, Leiterin des Hamelner Museums. "Weil es ein altes Gebäude ist, das für die Stadtgeschichte durchaus von Bedeutung ist, versuchen wir, historische Gegenstände zu retten."

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Noch im Januar soll das so genannte Fischerhaus abgerissen werden. Eine Abrissbirne, so Dr. Snell, "wird dafür wohl nicht nötig sein, es reicht ein Traktor". Der erste Container mit rund 30 Kubikmetern Abfall war bereits gestern Mittag bis zum Rand gefüllt. "Heute kommt bereits der nächste", kündigt Fritz Marter vom Museumsverein an. Das "Fischerhaus" hat der Investor ECE im Frühsommer 2005 erworben. Es wurde zwischen der Mitte des 17. Jahrhunderts und dem 18. Jahrhundert errichtet - Schätzungen zufolge stammen Teile des Hauses bereits aus dem 16. Jahrhundert. "Bald wird auf unserer künftigen Baustelle mit archäologischen Grabungen begonnen", kündigt ECE-Pressesprecher Andreas Heinemann an. Am 16. Januar, so der Zeitplan, beginnen die Forschungsarbeiten. "Zuvor allerdings muss das Gebäude abgerissen worden sein." Und das soll "sehr zeitnah geschehen" - in der übernächsten Woche. "Es wird Untersuchungen auf dem Grundstück geben", bestätigt auch Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadt Hameln. Generell gelte für alle historischen Siedlungsbereiche in der Innenstadt: "Die Möglichkeit besteht, dass dort Fundstücke entdeckt werden." Dass bei größeren Baumaßnahmen im Bereich der Innenstadt zuvor Archäologen das Areal in Augenschein nehmen, sei "durchaus nicht unüblich, aber auch vom Einzelfall abhängig". Beim Verkauf des Hauses hat die Stadt Hameln als Baugenehmigungsbehörde eine Grabungsvereinbarung zwischen ECE und Museum zur Auflage gemacht. Sie besagt, "dass maximal drei Monate lang gegraben werden darf", so Wahmes. Der Streit um die "Fischerhäuser", in denen angeblich nie Fischer gewohnt haben, reicht Jahrzehnte zurück. Bereits Ende der siebziger Jahre war eine heftige Diskussion um den Wert der Gebäude entbrannt - damals waren es noch sieben. Als Mitte der Siebziger, in den Anfangsjahren der Altstadtsanierung, die Abrissbirne in der Innenstadt regierte, wurden auch an der Stubenstraße einige Gebäude dem Erdboden gleich gemacht - die so genannten Fischerhäuser aber blieben. Anfang der Achtziger kaufte der Landkreis die Gebäude von der Stadt - mit dem Hintergedanken, hier einen erweiterten Kreishausbau zu errichten. In die Bausubstanz der alten Fachwerkhäuser, die damals schon seit teilweise 20 Jahren unbewohnt waren, wurde jedoch nicht investiert. 1995 dann wurde im Kreisausschuss ein Sanierungskonzept vorgestellt, um die "Verwaltungsnutzung der kreiseigenen Gebäude" einzuleiten. Die Vorlage wurde abgelehnt - gegen die Stimmen der Grünen, die für einen Erhalt der "Fischerhäuser" plädierten. Ein Jahr darauf legten sie ein Konzept zur Umnutzung der Häuser als "Familienzentrum Hameln" vor.

  • Der erste Container von 30 Kubikmetern ist randvoll - heute kommt der nächste. Die "Fischerhäuser"an der Stubenstraße blieben lange erhalten, um ein Stück Stadtgeschichte zu überliefern. Foto: are
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