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Anlieger klagen über Stinkbomben-Duft aus dem Erdfall / Geologen ermitteln

Es riecht penetrant nach faulen Eiern

HOLZHAUSEN. Rainer Lohstädt lebt von Kindesbeinen an in Sichtweite neben dem unteren Erdfall in Holzhausen. Und so weiß er, dass es immer wieder Phasen gibt, in denen der Erdfall stinkt: Aber so schlimm wie jetzt war es nie.

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite

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Schwefelgase steigen dann aus der Tiefe auf, und wenn der Wind ungünstig steht, riecht es so penetrant nach faulen Eiern, dass man die Fenster am Haus besser geschlossen hält und nicht lüftet. „Aber so schlimm wie in den vergangenen Wochen war es noch nie“, bestätigt Ehefrau Christa. Bei Ihren regelmäßigen Spaziergängen um den Erdfall haben die Lohstädts zudem beobachtet, dass das Wasser in Erdfalltrichter milchig-weiß geworden war.

Wenn die Anlieger durch die Schwefeldämpfe auch noch keine Atembeschwerden bekommen haben, so fürchten viele, dass ihre Dauerbeschwefelung auch nicht gerade gesundheitsfördernd sein könnte. Sie haben deshalb die Stadt Bad Pyrmont alarmiert, die das Phänomen in Augenschein genommen und anschließend das Umweltamt des Landkreises Hameln-Pyrmont informiert hat. Das wiederum setzte umgehend das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover von der ungewöhnlichen und diesmal besonders intensiven Naturerscheinung am ungewöhnlichen geologischen Ort in Kenntnis.

Information

Eine geologische Besonderheit

Die Erdfälle bei Holzhausen sind eine geologische Besonderheit. Es sind trichterförmige Einbrüche des oberen Sandsteins des Abhanges . Unter dem Sandstein wurde in 800 Metern Tiefe das Salz des Zechsteins über Jahrtausende durch Wasser ausgelaugt, bis die so entstandenen Höhlen schließlich einbrachen und die Erdfälle schufen . Der untere Erdfall ist so vor etwa 300 Jahren eingebrochen und hat heute einen Durchmesser von 50 bis 60 Meter und einen Rauminhalt von rund 125 000 Kubikmetern. Die Pyrmonter Chronik beschreibt, bis zum Jahre 1929 drei kleinere Erdfälle am Steinbrink-Abhang bei Holzhausen. Erdsenkungen ähnlicher Art finden sich auch am Mühlenberge, an der Jägerbuche und an Hannacken, wo die Erde 1828 einbrach.

Der untere Holzhäuser Erdfall ist 1645 entstanden. In alten Urkunden ist der Erdeinbruch beschrieben. Von „donnerähnlichem Tosen“ ist da die Rede, und dass „eben kurz vorher ein Ackermann mit Pflug und Pferde vom Lande gezogen“ sei. Pyrmonts Heimatbund hat beantragt, die Erdfälle neben der Dunsthöhle zum Weltnaturerbe erklären zu lassen.

Wie Torsten Röpke, Leiter der Landkreis-Fachabteilung, jetzt mitteilte, ist vor wenigen Tagen bereits ein Ingenieurbüro beauftragt worden, ein geohydrologisches Gutachten für Holzhausens unteren Erdfall zu erstellen. Dazu sollen Proben genommen werden und der Untergrund untersucht werden.

  • Mit einer Hinweistafel wird auf die geologische Besonderheit des Holzhäuser Erdfalltrichters hingewiesen. Foto: joa

Erste Hypothesen gehen dahin, dass die Ursache der Schwefelgasbildung in mikrobiologischen Prozessen aus versunkenem Material auf dem Grund der Erdfalltrichter zu suchen ist. Im Klartext: Unter Wasser verrottendes Laub bildet das Gas. Dafür spräche auch die Beobachtung der Anwohner, dass der Gestank nachgelassen hat, nachdem es frostiger und damit das Erdfall-Wasser kälter wurde. Eine andere Erklärung könnte die sein, dass sich in Intervallen der Schwefel aus in der Tiefe liegenden Gipslagern löst und über die Erdfalltrichter an die Oberfläche kommt. Um den Anliegern die Angst vor Lungenschäden durch das Schwefelgas zu nehmen, hat das Kreis-Umweltamt übrigens schon telefonische Auskunft vom Gesundheitsamt eingeholt. Torsten Röpke: „Dort sieht man kein Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung.“

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